Protestplakat, Demonstration gegen Abtreibungsverbot
Plakataufschrift: Ich sollte eigentlich lernen, muss aber protestieren | Bild: Paweł Małecki / Agencja Gazeta

Schulbehörde droht Konsequenzen an - Gdynias Stadtpräsident verteidigt Demonstranten

Lehrer und Schüler, die sich an den Demonstrationen gegen das Abtreibungsverbot beteiligen, sollen strafrechtlich verfolgt werden.

Die Schulbehörde verfolgt unter anderem einen Lehrer aus Gdynia, der angeblich Schüler zur Teilnahme an den Protesten gegen das Abtreibungsverbot ermutigt hatte. Ihm droht ein Disziplinarverfahren. Er ist jedoch nicht der einzige. Darauf reagierten der Stadt- und der Vizepräsident von Gdynia. Sie verfassten ein Schreiben zur Unterstützung der Schulen.
 
Der Brief des Stadtpräsidenten, Wojciech Szczurek, und seines Stellvertreters, Bartosz Bartoszewicz, ist eine Antwort auf die Aussagen des neuen Ministers für Bildung und Wissenschaft, Przemysław Czarnek. Dieser hatte den Lehrern, die an den Protesten gegen das Abtreibungsverbot teilnehmen oder ihre Schüler dazu ermutigen, mit Konsequenten gedroht.
 
"Ich habe einen Brief an die Schulen in Gdynia geschickt, in dem ich darauf hinweise, dass das Recht, seine Meinung zu äußern, in unserem Land geschützt ist und nicht in Frage gestellt oder verletzt werden darf. (…) Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts kann niemand strafrechtlich verfolgt werden, der an einem Protest teilnimmt oder diesen unterstützt – weder Lehrer noch Schüler. Falls nötig, wird die Stadt Gdynia, denjenigen, die trotzdem strafrechtlich verfolgt werden, die nötige Hilfe leisten, die sie aufgrund ihrer Situation benötigen", so Wojciech Szczurek, Stadtpräsident von Gdynia.
 
Fragment aus dem Bericht von Anna Dobiegała, Gazeta Wyborcza, 05. Oktober 2020
 
Übersetzung: Julia Karwatzki
 
 

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