Zbigniew Radłowski, ehemaliger Soldat der polnischen Heimatarmee
Zbigniew Radłowski, ehemaliger Soldat der polnischen Heimatarmee | Bild: Łukasz Krajewski / Agencja Gazeta

ZDF und UFA müssen sich entschuldigen - Polnisches Gericht verurteilt Macher der Serie "Unsere Mütter, unsere Väter"

Das Krakauer Gericht entschied, dass sich das ZDF und die Produktionsfirma UFA entschuldigen müssen, weil sie in der Serie "Unsere Mütter, unsere Väter" Szenen gezeigt hatten, die darauf hindeuten, dass Antisemitismus in der polnischen Heimatarmee weit verbreitet war.
 
Geklagt hatten der 94-jährige Zbigniew Radłowski, der früher Soldat bei der Heimatarmee war,sowie der Weltverband der Soldaten der Heimatarmee. Sie forderten eine Entschuldigung für die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte.
 
Das Gericht ordnete eine Entschuldigung an und wies darauf hin, dass die Heimatarmee nicht am Holocaust teilnahm und dass die meisten ihrer Soldaten keine antisemitischen Einstellungen vertraten. Außerdem beschloss das Gericht, dass vor künftigen Ausstrahlungen der Serie ein Hinweis zu lesen sein muss, worin vermerkt wird, dass es die Deutschen waren, die Polen besetzten und die Schuld an der Ausrottung von Polen und Juden tragen.
 
Dem Gericht zufolge habe der ehemalige Soldat, Zbigniew Radłowski, das Recht auf eine Entschuldigung für die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Grund dafür sei seine Biografie: "Er kämpfte in der Heimatarmee und half während der Besatzung beim Verstecken von Juden", betonte Richter Kamil Grzesik.
 
Zu diesem Urteil sei es aufgrund der Beurteilung der Machart des Films gekommen. Die Produzenten betonten dabei immer wieder, es handle sich um einen Spielfilm. Das Gericht kam jedoch zu einem anderen Entschluss: "Die Macher der Serie wollten dem Zuschauer das Gefühl geben, dass der Film fiktive Geschichten von Menschen erzählt, jedoch vor dem Hintergrund wahrer historischer Ereignisse. Doch der Zuschauer glaubt, dass die Ereignisse authentisch sind", argumentierte der Richter. Er wies auch auf die Verflechtung von fiktiven Szenen mit Fragmenten aus Chroniken hin, die die Geburts- und Todesdaten der Filmhelden zeigten, um einen Eindruck von Authentizität zu erzeugen.
 
"Das Gericht wendet in keiner Weise eine Zensur an und verbietet auch keine Diskussionen über die antisemitischen Einstellungen einiger Soldaten der Heimatarmee. Es geht lediglich um eine Verhältnismäßigkeit", betonte Richter Grzesik.
 
Er akzentuierte auch, dass er eine Forderung der Kläger aus dem Urteil gestrichen habe. So forderten diese, dass Diskussionen über Antisemitismus innerhalb der Heimatarmee, verboten werden sollen. "Dieses Urteil bedeutet nicht, dass Sie keinen Film mehr produzieren können, in dem das Problem des antisemitischen Verhaltens einiger Soldaten der Heimatarmee erörtert wird. Aber es geht um die Ausgewogenheit. Und diese Art der Erörterung war nicht ausgewogen."
 
Der Kläger Zbigniew Radłowski kommentierte das Urteil mit den Worten: "Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht, aber keine dieser Erfahrungen hat mich auf die Notwendigkeit vorbereitet, die historische Wahrheit vor Gericht zu verteidigen."
 
Das ZDF wird in Berufung gehen: "Die Produzenten der Serie bedauern, dass das Gericht die Freiheit des künstlerischen Schaffens nicht gebührend berücksichtigt hat. Die Produzenten betonen nachdrücklich, dass sie bereits 2013 deutlich gemacht haben, dass die Absicht des Films nicht darin bestand, der historischen Wahrheit zu widersprechen. Diese Wahrheit ist offensichtlich. Die Produzenten achteten außerordentlich darauf, dass der Film alle Ereignisse ausgewogen darstellte und meiner Meinung nach die Forderung nach Zuverlässigkeit und Verhältnismäßigkeit erfüllt. Nachdem wir uns mit der schriftlichen Begründung vertraut gemacht haben, werden wir daher Berufung einlegen", sagte der Anwalt Piotr Niezgódka, der das ZDF vertritt.
 

Fragment aus dem Bericht der Gazeta Wyborcza, 24. März 2021

Übersetzung: Julia Karwatzki

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