Warschau, 28.01.2021: Proteste gegen das Urteil des Verfassungsgerichts zur Verschärfung des Abtreibungsgesetztes
Bild: Sławomir Kamiński / Agencja Gazeta

Polenweite Proteste - Verschärftes Abtreibungsgesetz tritt in Kraft

Drei Monate nach dem Urteil des Verfassungsgerichts ist in Polen ein umstrittenes Abtreibungsgesetz, das Schwangerschaftsabbrüche nahezu unmöglich macht, in Kraft getreten.
 
"Das Abtreibungsverbot bedeutet nicht, dass es keine Abtreibungen mehr geben wird. Es führt lediglich dazu, dass Abtreibungen nur noch für Wohlhabende möglich sein werden", kommentierte die Initiatorin des Frauenstreiks, Marta Lempart, das Gesetz.
 
Sie warnte diejenigen Ärzte, die sich aufgrund des Urteils des Verfassungsgerichts weigern werden, Abtreibungen durchzuführen: "Wir werden jeden einzelnen von Ihnen finden (…) Sie werden den Moment bereuen, in dem Sie diese Pseudo-Regelung befolgt haben. Dies ist eine Warnung an alle Ärzte, Krankenhausleiter und Führungskräfte. Es wird sich nicht auszahlen, wenn Sie dieser Regierung blind folgen. Und jeder Arzt, der ehrlich handelt und sagt, dass das Urteil von Przyłębska [Anm. d. Red.: Präsidentin des polnischen Verfassungsgerichtshofs] für ihn nicht bindend sei, wird von uns jede Unterstützung erhalten, die er braucht."

 
Nachdem das Urteil zur Verschärfung des Abtreibungsgesetzes veröffentlicht wurde, formierten sich landesweite Proteste. Weitere Demonstrationen sind bereits für die kommenden Tage angekündigt.
 
Fragment aus dem Bericht von Zuzanna Bukłaha, Kacper Sulowski, Miłosz Wiatrowski, Oktawia Kromer, Małgorzata Zubik, Wojciech Karpieszuk, Agata Kondzińska, 28. Januar 2021, Gazeta Wyborcza

Übersetzung: Julia Karwatzki

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