Kowalski und Schmidt: Oder für Touristen (Quelle: rbb)
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Vom Grenzfluss zum Urlaubsparadies - Oder für Touristen

Die Oder ist einer der letzten frei fließenden Flüsse in Europa. Einige Odergemeinden versuchen jetzt, aus der Oder einen Hotspot für Touristen zu machen.

„Laguna“ ist eines von zwei Ausflugsschiffen, die auf der grenznahen Oder fahren und sehr gefragt sind. Beide Schiffe kursieren auf verschiedenen Routen zwischen Kostrzyn nad Odrą, Frankfurt (Oder), Nowa Sól und Głogów. „Laguna“ und ihr Schwesterschiff wurden speziell für die Oder gebaut – brauchen knapp ein Meter Wassertiefe.

Die zwei neuen Schiffe und 19 Anlegestellen haben rund 7 Millionen Euro gekostet.
Zu 80 Prozent kommt das Geld von der EU, den Rest haben polnische Gemeinden investiert.

Die Oder trägt aber immer weniger Wasser. Kapitän Łoza konnte letztes Jahr ein Viertel der Saison nicht fahren. In den Jahren davor hatte er ähnliche Probleme.

Kowalski und Schmidt: Oder für Touristen (Quelle: rbb)

Mieczysław Łoza, Kapitän „Laguna“
„Vor drei Jahren saßen wir im Hafen von Bytom Odrzański sogar von August bis zum Ende des Jahres fest. Das Wasser war zu niedrig, wir hatten nichts zum Fahren.“

Die Oder trocknet aus, ihr Wasserpegel schwankt zwischen 40 Zentimetern im Sommer und 4 Metern im Frühling. Łukasz Kozłowski betreibt die Schiffe und ärgert sich, dass die Warschauer Regierung nichts für die Oder macht.

Kowalski und Schmidt: Oder für Touristen (Quelle: rbb)

Łukasz Kozłowski, Vorsitzender Verein "Odra2014"
„In den letzten 30 Jahren haben alle Regierungen die Oder vernachlässig. Sie  wurde nicht vertieft, die Buhnen wurden nicht renoviert, Staubecken und Wasserstufen fehlen.“

Die Stadt Nowa Sól war vor fünf Jahren Impulsgeber für die Ausflugsschiffe auf der Oder. Bei Niedrigwasser kommen sie aber oft nicht mehr in den Hafen rein. Dennoch will die Stadt sie weiter finanzieren. Für den Bürgermeister sind sie ein Aushängeschild der Region.

Kowalski und Schmidt: Oder für Touristen (Quelle: rbb)

Wadim Tyszkiewicz Oberbürgermeister Nowa Sól
„Ja, manchmal haben wir zu wenig Wasser haben und das Schiff kann den Hafen nicht erreichen. Wir machen Verluste. Die Touristen finden bei uns mittlerweile aber viele andere Sachen.“

Nowa Sól hat in zusätzliche Angebote für Wassersportler investiert. Im ehemaligen Salzlager entsteht bald ein multimediales Oder-Museum.  Die Oder-Infrastruktur in Nowa Sól gilt als Vorzeigebeispiel in der Region. Aber es war nicht immer so.

Wadim Tyszkiewicz
„Wenn man die Einwohner von Nowa Sól früher gefragt hätte, was ihnen die Oder bedeutet, hätten 99 Prozent sicher gesagt:  Gefahr, Flut, Katastrophe.“

Die Oder-Ufer nach dem Hochwasser 1997.  Erst danach hat sich die Stadt dem Fluss zugewandt.

Wadim Tyszkiewicz
„Heute hat sich das Bild gewandelt. Heute ist die Oder unsere Promenade, unser Hafen, heute ist sie unser Stolz.“

Auch die Nachbarstadt Głogów, 40 Kilometer oberhalb von Nowa Sól, versucht dem niedrigen Wasserpegel der Oder zu trotzen und sucht seit einigen Jahren nach Alternativen.

Kowalski und Schmidt: Oder für Touristen (Quelle: rbb)

Józef Wilczak, Betreiber Marina Głogów
„Wir haben hier die schönste Bucht an der mittleren Oder, die sogar die Einwohner bisher nicht gekannt haben. Mit dem Tretboot kommt man da gut hin. Die Bewohner entdecken ihren Fluss neu, so kann man sagen.“

Nicht nur die Einheimischen auch die Touristen entdecken die Oder neu.

Łukasz Kozłowski, Vorsitzender Verein "Odra2014"
„Man kann sogar sagen, dass der Abschnitt der Oder die beste Infrastruktur für Wassertouristen polenweit hat. Jetzt wollen wir andere Odergemeinden überreden, mehr touristische Attraktionen rund um die Anlegeplätze anzubieten, z.B. Aussichtstürme, Lagerfeuerplätze und Fahrradverleih. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und es lohnt sich.“

Es lohnt sich! Alle 12km-13km gibt es eine Anlegestelle oder einen Hafen auf der Grenz-Oder – einem der letzten frei fließenden Flüsse Europas.

Autorin Agnieszka Hreczuk

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