Kowalski und Schmidt: Roman Polanski und sein neuer Film (Quelle: Légendaire)
Weltkino Filmverleih, Claudia Rox
Bild: Weltkino Filmverleih, Claudia Rox

Der Meister und seine eigenen Skandale - Roman Polanski und sein neuer Film

Am 6. Februar feiert der Film „Intrige“ von Roman Polanski in Deutschland Premiere. Darin geht es um den Dreyfus-Skandal und um Antisemitismus. Wir stellen den Film vor, aber auch Polanskis eigene skandalumwobene Geschichte.

Der Star- Regisseur Roman Polanski bei den Dreharbeiten für das Historiendrama „Intrige“.

Es geht um den größten Justizskandal des 19. Jahrhunderts. Der Offizier Alfred Dreyfus soll militärische Geheimnisse an die Deutschen verraten haben. Dreyfus ist Jude. Dem Gericht reicht das als Beweis seiner Schuld. 

Die Gesellschaft braucht einen Sündenbock. Roman Polanski inszeniert das Drama um den Justizskandal als den Beginn eines komplett entfesselten Judenhasses, der in Vernichtung endet.

Jakub Majmurek, Filmkritiker

"Die Dreyfus-Affäre hat Ende des 19. Jahrhunderts die französische Politik und die Gesellschaft zutiefst gespalten, diese Teilung bestand bis Ende des 2. Weltkriegs."

Die Erniedrigung des jüdischen Offiziers ist die Schlüsselszene in dem Film. Die Dreyfus-Affäre markiert einen Höhepunkt des Antisemitismus in Frankreich. Für Polanski war die Realisierung des Films eine Herzensangelegenheit. Auch er ist Jude. Antisemitismus ist nach wie vor ein Problem weltweit – darauf spielt der Regisseur an.

Und auch Polanski fühlt sich seit Jahren verfolgt, aber von einem ganz anderen Thema. 1977 hat er eine minderjährige Jugendliche in den USA vergewaltigt. Bis heute besteht ein Haftbefehl gegen ihn. Der Regisseur kann in den Vereinigten Staaten nicht mehr arbeiten. Seinen Oscar - prämierten Film „Der Pianist“ realisierte er 2001 in Warschau und in Babelsberg.

Kowalski und Schmidt: Roman Polanski und sein neuer Film (Quelle: rbb)

Jakub Majmurek

"Ich habe ein großes Problem, ihn zu rechtfertigen und zu sagen, es ist nichts passiert. Er soll weiter Filme drehen. Aber ich verstehe, dass es bestimmte Praktiken in der Filmindustrie gibt, die zurecht Empörung wecken und abgeschafft werden müssen. Andererseits habe ich etwas dagegen, Polanski zu einem Symbol des Bösen zu machen. Übrigens: ein Film ist ja ein Werk von vielen Personen."

In Polen wird Roman Polanski geschätzt und verehrt. Auf dem europäischen Filmfest Cinergia in Lodz hat er gerade erst einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Eine Auslieferung des Regisseurs an die USA wurde 2015 in Polen gerichtlich untersagt.

Im Zuge der feministischen #MeToo – Bewegung in den USA und in Europa wurden 2017 und 2019 neue Vorwürfe gegen den Regisseur laut, er solle zwei weitere Frauen vergewaltigt haben.

Adriana Rozwadowska

"Glaubst Du nicht, dass Polanski selber schuld ist, weil er seit vielen Jahren die #MeToo-Debatte als „Hysterie“ bezeichnet?"

Jakub Majmurek

"Ich glaube, dass die Sprache, die er spricht, ihm nicht hilft. Er ist aus der Zeit gefallen, er geht nicht darauf ein, wie wir heute über Sexualität und Geschlechterrollen sprechen. Für ihn gelten überkommene Machtverhältnisse."

Kowalski und Schmidt: Roman Polanski und sein neuer Film (Quelle: Légendaire)

Im Film „Intrige“ gibt es nur eine Frauenrolle. Sie wird von Roman Polanskis Ehefrau verkörpert. Emmanuelle Seigner spielt die Geliebte des Colonel Picquart. Picquart ist Chef der Spionageabwehr, ihm kommen Zweifel an der Schuld Dreyfus‘ und nach und nach entdeckt er handfeste Beweise dafür. Jean Dujardin spielt den Colonel, der Gerechtigkeit einfordert.  

Jakub Majmurek

"Wenn ich diesen Film nach einem biografischen Schlüssel lesen sollte, träumt Polanski von einem solchen Picquart, der kommt und ungeachtet der Interessen und Sympathien für den Regisseur sagt: der Mensch wurde  zu Unrecht beschuldigt. Ich kann mir aber einen solchen Picquart in Polanskis Fall nicht vorstellen. Es gibt niemanden, der diesen Streit beenden könnte. Er wird andauern."

Am 6. Februar hat der Film „Intrige“ von Roman Polanski Premiere in Deutschland.

Kowalski und Schmidt: Roman Polanski und sein neuer Film (Quelle: Légendaire)

Autorinnen Adriana Rozwadowska & Martina Hiller von Gaertringen

weitere Themen der Sendung

Kowalski und Schmidt: Massentourismus in Auschwitz (Quelle: rbb)
rbb

Massentourismus in Auschwitz

2019 war ein Rekordjahr: 2,3 Mio. Besucher kamen in die polnische Kleinstadt Oświęcim. Wir begleiten eine Klasse der elften Jahrgangsstufe aus Lübben und schauen, was sie von dem Besuch in Auschwitz für sich mitnehmen.