Kowalski und Schmidt: Hommage an eine Vergessene (Quelle: Belina - Music for Pease)
Quelle: Filmausschnitt: Dokumentarfilm "Belina - Music for Peace“
Bild: Quelle: Filmausschnitt: Dokumentarfilm "Belina - Music for Peace“

Ein Dokumentarfilm über die Sängerin Belina - Hommage an eine Vergessene

In den 60er Jahren war die polnisch-jüdische Sängerin Belina in Deutschland ein Star. Der Berliner Filmemacher Marc Boettcher widmet ihr nun einen Dokumentarfilm.

20 Jahre nach dem Holocaust wirbt Belina mit ihren jiddischen Liedern für Versöhnung und Verständnis. Mitten in Deutschland, dem Land, aus dem die Mörder  ihrer Familie kamen.

Der Berliner Regisseur Marc Boettcher hat zufällig ihre Musik wiederentdeckt und ist dabei auf die Lebensgeschichte einer ungewöhnlichen Künstlerin gestoßen.

Kowalski und Schmidt: Hommage an eine Vergessene (Quelle: rbb)

Marc Boettcher, Filmemacher

"Mich faszinierte an der Geschichte Belinas, dass sie als polnische Jüdin Deutschland repräsentierte nach dem Weltkrieg, in 17 Sprechen sang und in 120 Ländern war, um das Land der Täter, also Deutschland zu repräsentieren. Das war für mich eigentlich ein No-Go und ich habe es nicht verstanden und sie hat eigentlich zum Verzeihen aufgerufen, war eigentlich die Stimme der Versöhnung."

Belina wird in der Nähe von Treblinka als Nina Lea Rodzynek geboren. 1941 verliert sie fast ihre gesamte Familie im Holocaust. Sie flieht nach Hamburg, muss Zwangsarbeit leisten und entkommt nur knapp der Deportation. Über ihre Erlebnisse schweigt sie.

Kowalski und Schmidt: Hommage an eine Vergessene (Quelle: rbb)

Michael Rodzynek, Belinas Sohn

"Ich weiß eigentlich auch noch nicht einmal, wie meine Großeltern und der Rest der Familie ums Leben gekommen ist. Ich weiß, dass sie irgendwann in Anführungsstrichen abgeholt worden sind, deportiert worden sind. Einige sind wohl gleich vor ihrem Haus oder in ihrem Haus ums Leben gebracht worden. Aber weder meine Mutter noch mein Vater haben je wieder im Detail darüber gesprochen."

Belina

"Das ist mein Sohn da war er dreizehn, das war seine Bar-Mizwa, das ist die jüdische Konfirmation. Ich hatte drei Brüder, das ist ein Bruder von mir: meine Mutter, meine Tante, mein Onkel und ein halbes Foto von meiner Großmutter. In Polen habe ich überhaupt niemanden mehr."

Für den Dokumentarfilm "Belina: Music for peace" hat Marc Boettcher in vielen Archiven nach Material gesucht.

Marc Boettcher

"Also für Belina war es wichtig zu zeigen, dass Musik eine universelle Sprache ist, die verbindet, fernab von Herkunft, Religion und Hautfarbe."

Zuhause in Hamburg ist Belina nur selten. Mit dem längsten Flugticket der Welt bricht sie 1964 zu ihrer Welttournee auf.

Kowalski und Schmidt: Hommage an eine Vergessene (Quelle: rbb)

Belina

"Zum ersten Mal nach 24 Jahren Polen, das war natürlich für mich ein großes - wie soll ich das sagen - Erlebnis, ja vielleicht auch. Und dann kam wieder Deutschlandtournee und zwischendurch natürlich Aufnahmen und Fernsehen und dann sind wir wieder auf Reisen gegangen, so dass es nie aufgehört hat."

Belina wird zur musikalische Botschafterin der jungen Bundesrepublik. Unterstützt werden ihre Reisen häufig vom Goethe- Institut und dem Auswärtigen Amt. Ihr ständiger Begleiter ist der Berliner Gitarrist Siegfried Behrend.

Marc Boettcher

"Ich glaube der Motor bei Belina war als Heimatlose, als Vertriebene, als Staatenlose selbst Kontakte zu knüpfen, ein Miteinander zu finden."

2006 ist Belina in Hamburg gestorben.  Mit seinem Dokumentarfilm will Marc Boettcher der ungewöhnlichen Künstlerin ein Denkmal setzen.

Belina

"Ich habe selbst sogar sehr gefährlich gelebt, darüber möchte ich nicht sprechen und ich möchte nicht also auf meine Kindheit zurückkommen und auf den Krieg, also auf den Krieg den ich erlebt habe, denn das ist passé vergessen natürlich nicht, das werde ich auch nie vergessen, aber ich habe verziehen."

Autorin: Bettina Lehnert

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