Kowalski und Schmidt: Nachruf Geri Nasarski (Quelle: Zbigniew Mazur)
Quelle: Zbigniew Mazur (Privatfoto)
Bild: Quelle: Zbigniew Mazur (Privatfoto)

Abschied von der „Kowalski & Schmidt“ - Gründerin - Nachruf Geri Nasarski (Sendefassung)

Sie hat das Bild von Polen in Deutschland entscheidend geprägt, als langjährige Polen-Korrespondentin für das ZDF und erste ORB-Chefredakteurin. Kollegen und Weggefährten erinnern sich.

Anerkennung auf höchstem Niveau: mit dem polnischen Verdienstorden wurde Geri Nasarski 2013 von Präsidenten Komorowski ausgezeichnet. Für ihren Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung.

Solidarność, Streiks, Wałęsa und der Papstbesuch – diese Bilder prägten die Wahrnehmung von Polen in der 80er Jahre.  Geri Nasarski hat den deutschen Zuschauern das Polen der Wendezeit erklärt. 

Geri Nasarski

"Für die Opposition wäre das ein klarer Sieg, für die Partei eine katastrophale Niederlage. Die Ratlosigkeit in der Partei muss groß sein."

Nicht nur in Westdeutschland werden ihre Berichte mit Spannung verfolgt: für die DDR-Bürger waren sie auch Hoffnung auf die politische Wende im eigenen Land.

Kowalski und Schmidt: Nachruf Geri Nasarski (Quelle: rbb)

Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR

"Sie war ein Begriff schon Ende der 80er Jahre, weil von ihr einfach viele Nachrichten aus Polen kamen. Sie war für das ZDF in Warschau, und von daher war es wichtig zu hören, was in Polen passierte. Keiner ahnte ja, nach dem Kriegsrecht, was passierte, weil die öffentlichen Medien in der DDR so etwas nicht weitergegeben haben. Und jeder, der an Polen interessiert war, war natürlich begierig auf Nachrichten von Solidarność, von den Gesprächen."

Marek Prawda hat Geri Nasarski in den 80er Jahren kennen gelernt. Damals war er im Bürgerkomitee von Solidarność zuständig für Kontakte mit ausländischen Journalisten. Ihn beeindruckte ihre hervorragenden Landes- und Sprachkenntnisse.

Kowalski und Schmidt: Nachruf Geri Nasarski (Quelle: rbb)

Marek Prawda

"Eine andere Sache, die sie damals von den meisten anderen Korrespondenten deutlich unterschied, war ihre Fähigkeit, sehr früh zu erkennen, wer die wichtigsten Gesprächspartner sind. Sie liebte es, mit den Oppositionellen zu reden und sie fand den richtigen Ton. Sie hatte ein besonderes Gespür für wichtige aktuelle Entwicklungen."

Jürgen Vietig war zum selben Zeitpunkt in Warschau als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung und den RIAS. In seinen Akten des polnischen Sicherheitsdienstes fand er einen Hinweis, dass der Dienst auch Geri Nasarski beobachtete und sie los werden wollte.

Kowalski und Schmidt: Nachruf Geri Nasarski (Quelle: rbb)

Jürgen Vietig

"Dass Geri so unter Beobachtung stand, das spricht sicher dafür, dass sie wegen ihrer guten Kenntnisse als gefährlich erschien. Denn sie konnte auf diese Weise manches berichten, was der Volksrepublik Polen sicher nicht angenehm war."

Ein Weggefährte aus den 80er Jahren ist heute noch im Dienst. Zbigniew Mazur hat mit Geri Nasarski sehr viele Filme gedreht.

Kowalski und Schmidt: Nachruf Geri Nasarski (Quelle: rbb)

Zbigniew Mazur

"Unter den Polenkorrespondenten hatte sich herumgesprochen, dass wir immer als erstes da sind, wo sich gerade etwas Wichtiges abspielt. Wenn wir mit unserem Dienstwagen irgendwo hinfuhren – und unser Auto, ein großer, weißer Mercedes war damals auf Warschaus Straßen nicht zu übersehen – dann ließen sie alles liegen und stehen, drehten um und folgten uns.  Denn sie waren sich sicher, dass etwas Wichtiges passiert sein musste, von dem sie noch nichts wussten."

Ihre Berichte aus Polen liefen in dieser Zeit fast täglich in den Nachrichten. Sie selbst war nur selten im Bild.

Zbigniew Mazur

"Geri war der Meinung, dass der Zuschauer Bilder sehen will - die Aufnahmen vor Ort und nicht das Gesicht eines Reporters. Das war ihre eiserne Regel, so dass man sie kaum davon überzeugen konnte, sich vor der Kamera zu zeigen."

Zurück in Deutschland, bleib Geri Nasarski Polen eng verbunden. Sie engagiert sich für die deutsch-polnischen Initiativen, trifft alte Protagonisten in neuen Funktionen wieder. Und sie konzipiert unsere Sendung: Kowalski trifft Schmidt, die seit über 25 Jahren über Polen vielfältig informiert. So bleibt sie eine Brückenbauerin zwischen beiden Ländern.

Markus Meckel, ehem. Vorsitzender der dt.-pol. Parlamentariergruppe

"Man darf nicht vergessen, dass das Land Brandenburg ja sich auf die Fahne geschrieben hat, die Nachbarschaft mit Polen auf besonderer Art zu gestalten. Sie war gewissermaßen für die ORB der innere Vollzug dessen, was in der brandenburgischen Verfassung steht.: die Nachbarschaft zu repräsentieren. Dafür war sie sowohl in Polen als auch in Deutschland überall präsent."

Autorin Agniezska Hreczuk

weitere Themen der Sendung