Kowalski und Schmidt: Teller aus Abfall
rbb
Bild: rbb

Innovative Recyclingidee aus Zambrów - Teller aus Weizenkleie

Jerzy Wysocki aus Zambrów produziert Teller und Besteck aus gepresster Weizenkleie – aus dem Abfall, der bei der Getreideverarbeitung zurückbleibt. In Polen sind seine Produkte ein Renner und mittlerweile hat er Kunden weltweit.

Wir sind in Zambrów - einem unscheinbaren Ort im Osten von Polen, in der Nähe von Białystok. Vor 20 Jahren begann ein Müller hier an der Idee zu forschen, Geschirr aus Weizenkleie herzustellen. Jerzy Wysocki ist Müller in dritter Generation und sah in Kleie mehr als nur ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung von Mehl entsteht.

Kowalski und Schmidt: Teller aus Weizenkleie (Quelle: rbb)

Jerzy Wysocki

"Ich habe das Potential von Kleie erkannt. Ein Müller verbindet damit etwas Gutes: Sie riecht gut, ist schön, fühlt sich angenehm an. Einen Müller stört sie nie. Ich wollte die Kleie nutzen und hörte von den klügsten und besten Müllern:  "Lass es sein, man, wir alle haben es schon versucht, aus Kleie lässt sich nichts machen!"

Doch nach der ersten Pressung wusste ich: Das ist es!  Wie der Teller roch, wie schön er war! Wenn die Leute ihn sehen, nehmen sie ihn in die Hand – und sind begeistert. Das ist es, was mich so reizt - ihre Begeisterung zu sehen."

In der Halle der Firma Biotrem riecht es nach Frühstücksbrei. Das Endprodukt hat Wysocki patentieren lassen, genau wie die Maschinen, die es herstellen. Das Geschirr aus Weizenkleie ist zu 100% biologisch abbaubar.

Jerzy Wysocki

"Das Kunststück bestand darin, diese Teller herzustellen, ohne etwas hinzuzufügen. Die Teller bestehen aus Kleie, ausschließlich. Der richtige Druck, die richtige Temperatur und Feuchtigkeit sind alles. Da ist absolut keine Chemie drin, null."

Eine im letzten Jahr erlassene EU-Richtlinie verbietet ab 2021 Einweggeschirr und Strohhalme aus Plastik. Die Vorstandsvorsitzende von Biotrem verspricht sich noch mehr Absatz.

Kowalski und Schmidt: Teller aus Weizenkleie (Quelle: rbb)

Małgorzata Then, Vorstandsvorsitzende Biotrem

"Letztes Jahr haben wir unsere Ware in 40 Länder verschickt. Unser Hauptabsatzmarkt ist aufgrund der Entfernung Europa. Mein Traum ist es, auf jedem Kontinent einen Betrieb zu haben. Wir sind der Meinung, es wäre falsch, unsere Produkte von Polen nach Australien oder in die USA zu transportieren, weil es einen großen CO2-Fußabdruck erzeugen würde. Nur die Kleie vor Ort zu verarbeiten und die Teller dort zu verkaufen macht Sinn."

Małgorzata Then

"Zuerst haben wir Teller hergestellt, dann kamen Schüsseln und Servierplatten dazu. Unsere Produkte werden aus Kleie bei sehr hohen Temperaturen hergestellt, man kann sie knabbern, eine Quelle von Ballaststoffen."

Małgorzata Then mag ihre Produkte zum Anbeißen gern.

Berge von Plastikmüll nach Veranstaltungen – wer kennt das nicht? Auch in Zambrów hat die Stadtverwaltung nach einigen Jahren das Potenzial des lokalen Produzenten erkannt. 

Kazimierz Dąbrowski, Bürgermeister

"Ich muss sagen, dass das Umweltbewusstsein in unserer Gemeinde von Jahr zu Jahr größer wird. Wir haben letztes Jahr damit begonnen, das Kleie-Geschirr bei städtischen Großveranstaltungen zu verwenden, und zwar in beträchtlichen Mengen – jeweils etwa 1.000 bis 3.000 Stück.  Das ist Umwelterziehung ganz konkret, eine Investition, die sowohl für die Stadt Zambrów, als auch für ganz Polen von großem Nutzen ist."

In der Firma in Zambrów werden 20 Millionen Teller im Jahr hergestellt und hauptsächlich nach Europa verschickt - wegen des CO2-Fußabdruckes. Für den Transport packen die Mitarbeiter das Geschirr in recyclebare Folien ein. Einmal auf dem Kompost gelandet, zerfallen die Teller in 30 Tagen.

Das klimafreundliche Geschirr ist das Lebenswerk von Jerzy Wysocki. Seine Begeisterung und den Duft der Kleie nehmen wir nach Warschau mit.

Autorin Urszula Ptak

weitere Themen der Sendung

Kowalski und Schmidt: Fridays for Future in Polen (Quelle: rbb)
rbb

Die polnische "Klima-Jungend" - Fridays for Future in Polen

Die polnische Klima-Bewegung ordnet sich mittig bis rechts ein. Anders als in Deutschland ist links sein aufgrund der jüngeren kommunistischen Vergangenheit, uncool. Wer prägt Fridays for Future in Polen und welche Ziele verfolgt die Bewegung?

Kowalski und Schmidt: AKW’s in Polen (Quelle: rbb)
rbb

Atomkraftwerk 450 km von Berlin entfernt - AKW’s in Polen

Westlich von Danzig, in Żarnowiec und Kopalino sollen die ersten zwei Atomkraftwerke in Polen entstehen. Wie begegnen sich Befürworter Gegner der Atomkraft rund um den potenziellen Standort Żarnowiec, 450 Kilometer von Berlin entfernt?