Kowalski und Schmidt: Blumenkunst aus Polen (Quelle: Kwiaty & Miut)
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Bild: kwiaty & miut

Natürliche Blumen ohne Plastikdeko - Blumenkunst aus Polen

Mit „Kiaty i MIUT“ haben sich Radek Berent und Łukasz Marcinkowski innerhalb weniger Jahren einen Namen in der polnischen Floristikbranche gemacht. Die beiden Posener verwenden nur Blumen aus Europa oder der eigenen Gärtnerei.

Die Floristik- und Deko-Messe „Special Days“ in Posen – echte Blumen und Pflanzen sind die große Ausnahme. Hier werden Trends gesetzt und die gehen momentan ganz woanders hin.

Halina Stysińska, Pinus Company

„Produkte mit Schneeimitat sind zunehmend im Trend. Weil wir seit ein paar Jahren keinen Schnee mehr haben, wollen die Kunden etwas, das an Weihnachten wenigstens erinnert – an echte weiße Weihnachten.“

Die Blumen wirken oft täuschend echt.

Gintaras Kikas, Geliu Sala

„Und sie blühen im Sommer wie im Winter. Die Sommer sind jetzt so heiß, dass ein echter Blumenstrauß nach zwei Tagen schon verwelkt ist. Schade drum.“

Ein anderer Trend: echte Blumen wie diese mit viel künstlichem Beiwerk zu arrangieren. Nicht die Blume steht im Vordergrund, sondern der Florist und seine Arbeit.

Ganz anders bei Łukasz Marcinkowski und Radosław Berent. Hier sind die Blumen die Hauptakteure: mit ihrer Schönheit!

Łukasz Marcinkowski, Kwiaty & Miut
„Ich verstehe mich nicht als Floristen. Ich arbeite mit Blumen und ich liebe sie.“

Auf der Messe sind sie Außenseiter und Stars zugleich: Als Floristen, die mit nachhaltig gezüchteten Blumen, vorwiegend aus Europa, arbeiten, am liebsten mit Blumen aus der eigenen Gärtnerei. Respekt vor Mensch und Natur ist ihr Credo.

Łukasz Marcinkowski, Kwiaty & Miut

„Seit wir eigene Blumen züchten, wissen wir, wieviel Energie man drei Monate lang in eine Blume stecken muss, damit sie fünf Tage lang in der Vase unseres Kunden steht. Wir wollen, dass auch andere respektvoll mit Pflanzen umgehen.“

Momentan blüht in ihrer Gärtnerei am Stadtrand von Poznań noch nicht viel. Erst ab Ende März können sie sie ihre eigenen Blumen verkaufen, zunächst Tulpen, später Rosen, Dahlien. Im Sommer bieten sie Kurse an, wie man aus heimischen Blumen ganz besondere Sträuße bindet.

Radosław Berent, Kwiaty & Miut

„Industriell hergestellte Blumen „entzücken“ uns das ganze Jahr über.  Sie werden aus Afrika oder Ecuador importiert, zu jeder Jahreszeit. Doch damit geben wir uns einer Illusion hin. So wie manche Frauen ihre jugendliche Schönheit künstlich bewahren wollen, wollen viele Menschen die immer gleichen schönen Blumen bewundern.  Doch damit verlieren sie den Bezug zur Natur, deren Sinn es ist, zu blühen, zu verblühen und zu sterben.“

Vor 13 Jahren haben sie in Posen ein Blumengeschäft eröffnet, in Jeżyce, einer damals heruntergekommenen Gegend, die heute vor allem bei jungen Leuten beliebt ist.

Kwiaty & Miut hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Hier kauft vor allem die gutverdienende urbane Mittelschicht.  Umgerechnet 50 Euro kostet dieser Strauß.

Kundin

„Es kommt darauf an, für wen man Blumen kauft. Weil der Strauß für meine Mutter ist, spielt der Preis keine Rolle.“

Diesen Strauß gibt es schon für umgerechnet 12 Euro.

„Ich kaufe öfter hier ein und nehme weniger spektakuläre Sträuße. Wobei sie immer noch sehr beeindruckend sind – im Vergleich mit dem, was man anderswo bekommt.“

Das Blumengeschäft alleine reicht für den Lebensunterhalt nicht aus. Łukasz hat Design studiert, Radosław Fotografie. Aus diesen Berufen haben sie ein zweites Standbein entwickelt. So arrangieren sie Blumen für Fotoshootings und Veranstaltungen. Und sie fotografieren auch selbst für Hochglanzmagazine und Kataloge.

Radek Berent, Kwiaty & Miut

„Wir waren die ersten, die Fotos von Blumensträußen in der Hand gemacht haben. Sehr viele Menschen, darunter Floristen, haben uns geschrieben: Wie könnt ihr Blumensträuße auf eine solche Art und Weise präsentieren, dafür braucht man einen floristischen Ständer. Und wir sagten, nein, wir machen es, wie es uns gefällt. Es hat sich durchgesetzt - wenn heute Fotos von einem Strauß in der Hand gezeigt werden, weiß jeder, wir haben mit der Idee als erste in Polen begonnen.“

Die Schönheit der Blumen im Blick zu behalten ist ihnen wichtig.

Radek Berent, Kwiaty & Miut

„Viele Leute schreiben uns: Welch schöne Stilisierung, wie toll ihr euch das ausgedacht habt! Wir denken uns nichts aus, wir dokumentieren nur das, was um uns herum passiert.“

Autorin Katharina Zabrzynski

Kowalski und Schmidt: Blumenkunst aus Polen (Quelle: kwiaty & miut)

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