Kowalski und Schmidt: Die rote Prinzessin (Quelle: rbb)
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Eine Nachfahrin des letzten polnischen Königs - Die rote Prinzessin

So wird Elena Poniatowska in Mexiko genannt. Weil sie sich als Journalistin für die Armen und Entrechteten im Land einsetzt. Die Nachfahrin des letzten polnischen Königs hat jetzt eine Biografie über ihren königlichen Ahnen geschrieben.

Stanisław August Poniatowski: der letzte polnische König. 1791wollte er aus seinem Land eine parlamentarische Monarchie machen und verlor bei dem Versuch gleich Krone und Land. Polen wurde geteilt und verschwand für über hundert Jahre von der Weltkarte.

Mexiko City, 2020. Hier lebt eine direkte Verwandte von König Stanisław Poniatowski.  Sie ist in ganz Südamerika bekannt und beliebt durch ihre politisch brisanten Reportagen und Romane. Eine der berühmtesten Schriftstellerinnen Mexikos: Elena Poniatowska.

Ihr neuestes Buch „El amante polaco“, auf Deutsch „Der polnische Geliebte“, erzählt vom letzten polnischen König. Und wie sie selbst 1942 ins Exil nach Mexiko kam, als „polnische Prinzessin“.

Elena Poniatowska, Schriftstellerin

„Ja, das bin ich, weil wir vom letzten polnischen König abstammen. Von diesem tragischen Stanisław „August“ Poniatowski. Den „August“ glaube ich, hat er sich selbst dazu gedichtet, damit es eleganter klingt.“

1932 wird Elena Poniatowska in Paris geboren, wo die Nachfahren des Königs nach der Teilung Polens im Exil leben. Ihr Vater, Prinz Jean Poniatowski, heiratet Paulette Amor, Tochter einer wohlhabenden Familie aus Mexiko. Die Poniatowskis waren in Frankreich als Bankiers und Unternehmer reich geworden. Die unbeschwerte Kindheit von Elena und ihrer Schwester endet, als die Familie in den Widerstand gegen Hitler Deutschland geht. Großvater André Poniatowski unterstützt die französische Armee mit Geld, Vater Jean geht an die Front.

Elena Poniatowska

„Papa war Fallschirmspringer. Sie überflogen irgendwelche okkupierte Zonen, und dann wurde er einfach mit dem Fallschirm rausgeworfen, um die Lage zu erkunden... Und meine Mutter fuhr einen Rotkreuzwagen – und konnte sich seitdem nie wieder abgewöhnen, rasend schnell zu fahren. Auch in Mexiko nach dem Krieg!

Als Paris 1940 kapituliert, werden alle Häuser der Poniatowskis von den Deutschen beschlagnahmt. Elenas Mutter beschließt, ihre Töchter und sich bei Verwandten in Mexiko in Sicherheit zu bringen. In ihrem Buch beschreibt Elena Poniatowska, wie sie sich als Zehnjährige auf diese abenteuerliche Reise und auf Mexiko freut.

Das Land ist voller Exileuropäer und der Verlauf des Krieges wird aufmerksam verfolgt. Linke Künstler, wie Diego Rivera, schwärmen für die Sowjetunion und damit für die Allierten, aber es gibt auch andere Sympathien.

Elena Poniatowska

„Im Kino lief manchmal die deutsche „Wochenschau“. Und einmal, als die deutschen Soldaten im Stechschritt marschierten, fingen die Menschen im Kino an zu applaudieren. Meine Mutter war entsetzt und zerrte uns aus dem Kino raus.“

Elena lernt schnell Spanisch. Nach dem Krieg kommt auch ihr Vater nach Mexiko, als Kriegsheld, aber mittellos.

Elena fängt an, als Reporterin für die Klatschkolumne einer Zeitung Geld zu verdienen. Ihre Herkunft verschafft ihr Zugang zu den höchsten Kreisen.

Doch bald sucht sie ihre Geschichten woanders. Ihre Reportagen handeln jetzt von Hausboten, Straßenkindern, Marktverkäufern, über deren Alltag bis dahin noch keine Zeitung in Mexiko berichtet hatte. Der Name „Poniatowska“ verwundert die Leser, aber ihre Artikel laufen gut.

Elena Poniatowska

„Alle dachten, ich wäre Russin. Polen war hier überhaupt nicht existent. Alle kannten Russland, im Krieg als Freund, als Alliierten und nach dem Krieg als neuen „Feind“ der Vereinigten Staaten.“

In den sechziger Jahren wächst Mexiko City zur Weltmetropole heran – auch die sozialen Konflikte spitzen sich zu. Als 1968 ein Massaker gegen aufständische Studenten auf dem „Tlatelolco“-Platz stattfindet, berichtet im Land keiner darüber. Nur Elena Poniatowska zieht durch die Gefängnisse, um Überlebende zu interviewen. Ihr Buch dazu macht sie international bekannt.

2013 bekommt sie den „Cervantes-Preis - den höchsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt. In Mexiko nennt man sie „die rote Prinzessin“. Stört sie das?

Elena Poniatowska

„Ach, mich stört nichts mehr, ich werde bald sterben, bin schon jenseits von Gut und Böse!“

Und hat sie irgendwo noch eine kleine Krone versteckt?

Elena Poniatowska

„Nein! (sie lacht) Ich weiß nicht mehr genau, wie sie aussah, sie wurde damals noch auf die Bettwäsche gestickt. Ich glaube, sie sah aus wie ein aufgeblasener Blumenkohl.“

Autorin: Milena Hadatty

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