Kowalski und Schmidt: Fantasy aus Polen (Quelle: Netflix)
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Bild: Netflix

Wie ein polnischer Roman die Welt erobert - Fantasy aus Polen

Als im vergangenen Dezember Netflix mit „The Witcher“ an den Start ging, wurde der polnische Fantasy-Autor Andrzej Sapkowski über Nacht zum Star. Er hat die Bücher der Hexer-Saga schon in den 90er Jahren geschrieben.

Geralt von Riva – die Hauptfigur der Netflix-Serie. Durch die sogenannte „Kräuterprobe“ hat er übernatürliche Kräfte entwickelt und ist ein professioneller Monsterjäger geworden. Mit seinem Pferd zieht er durch die Fantasy-Welt und tötet Monster gegen Geld.

Geschaffen wurde der Hexer vom polnischen Fantasy-Autor Andrzej Sapkowski. Hier am Set von Netflix erzählt er, wie er Schriftsteller wurde.

Andrzej Sapkowski, Autor Witcher-Saga (Englisch)
„Für mich ist es immer noch ein großes Geheimnis. Zuerst war es eine Eingebung, etwas, das wie vom Himmel kommt. Ein Vollzeit-Schriftsteller zu werden ist etwas, womit ich niemals gerechnet hätte.“

Die Netflixserie hat die Bücher von Andrzej Sapkowski jetzt auch in Deutschland auf die Bestseller-Listen gebracht. Geschrieben hatte Sapkowski sie schon in den 90er Jahren. Seine Geschichten sind geprägt von slawischen Sagen, Mythen und von der Vergangenheit der Stadt Łódź, einer bis zum 2. Weltkrieg florierenden Vielvölkerstadt mit Polen, Russen, Deutschen und Juden. Aber auch Ausgrenzung und Antisemitismus gehörten zum Alltag. Andrzej Sapkowski hat diese Konflikte in die Fantasy-Sprache übersetzt, sagt Fantasy-Experte Wojciech Orliński.

Wojciech Orliński, Journalist (polnisch):
„Das sieht man sehr stark in seiner Prosa und das haben weder Tolkien noch andere Fantasy-Autoren thematisiert. Wenn viele Ethnien nebeneinander leben, dann entsteht zwangsläufig auch Rassismus. Die Intoleranz und das Ghetto für Elfen zum Beispiel – das sind alles Anspielungen auf unsere Zeit. Alles Böse wird Elfen und Wosaken zur Last gelegt. Sie sind die Sündenböcke. Das ist eine Allegorie auf unsere Probleme im 20. und 21. Jahrhundert. Außer Sapkowski hat es niemand sonst in der Fantasy-Welt so gut beschrieben.“

Auch der Witcher selbst wird wegen seiner Andersartigkeit von vielen gehasst. Die Handlung der Serie spielt auf einem fiktiven Kontinent, im imaginären Mittelalter.

Das sei auch einer der Gründe, dass die Serie ein Massenpublikum erreicht,  sagt Kirsten Achtelik, freie Journalistin aus Berlin. Auch sie hat sich intensiv mit Sapkowskis Büchern und der Netflix-Serie beschäftigt.

Kirsten Achtelik (deutsch):
„Ich glaube halt für Serien, damit die funktionieren, müssen sie halt so einen bestimmten Identifikationsfaktor haben, aber eben auch dieses: „ … hat gar nichts mit mir zu tun“. Also es muss beides bedienen werden, in einem sehr fein ausgewogenen Verhältnis und das hat diese Serie offensichtlich geschafft.“

In den weltweit erfolgreichen Computerspielen der Witcher-Serie kann man selbst in die Rolle des Hexers schlüpfen. Mehr als 40 Millionen Mal wurden die Spiele einer polnischen Firma bisher verkauft.

Neben dem Witcher gibt es eine zweite Hauptfigur: Yennefer. Sie hat zu Beginn der Geschichte eine körperliche Behinderung. Erst nach einer brutalen Verwandlung erlangt sie magische Kräfte. Das verstärke Stereotype, kritisiert Kirsten Achtelik.

Kirsten Achtelik (deutsch)
„Es ist halt eine bestimmte Zuschreibung, was Leute haben können und was Leute nicht haben können. Man kann halt nicht eine Behinderung haben und ein mächtiger Zauberer sein und gleichzeitig schön sein. Alles drei auf einmal geht offensichtlich nicht. Das funktioniert offensichtlich für das Publikum nicht.“

The Witcher ist eine US-amerikanisch-polnische Erfolgsgeschichte, in der sich das Buch, das Computerspiel und die Serie gegenseitig zum Durchbruch verholfen haben.

Autorin: Veronika Fritz

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