Maler; Bild: rbb
rbb
Bild: rbb

- Polnische Künstler in Zeiten von Corona

Auch in Polen bangen derzeit zahlreiche Künstler um ihre Existenz. Ihrer Kreativität tut es keinen Abbruch, im Gegenteil: mit Schaffenslust und frischen Ideen gelingt es ihnen, den Menschen täglich neuen Lebensmut in der Krise zu geben.

Rote Wand mit Aufschrift 'Bedzie Dobrze'; Bild: rbb

Warschau. Das kulturelle Leben der Stadt steht still. Keine Konzerte, Ausstellungen, Straßenkunst. Maskierte Menschen prägen das Stadtbild. Es herrscht Mundschutzpflicht.

Doch die Kreativen lassen sich von Corona nicht unterkriegen. Die Graffiti-Künstler vom Studio Goodlooking etwa. Weil ihnen die Aufträge weggebrochen sind, haben sie angefangen non-profit-Graffitis zu malen. In ganz Warschau sind ihre Slogans zu lesen wie: "Alles wird gut", "Kopf hoch", "Warschau, es wird schön", "Es wird noch schöner". Und es kommt an.

Passant:
"Es gibt uns das Gefühl, dass wirklich alles gut wird. Es ist wichtig, weil die Zeiten schwierig sind und können jede positive Energie gebrauchen können."

Passantin:
"Es baut mich wirklich auf."

Passant:
"Es hilf den Menschen. Schön, dass wenigstens die Kultur es schafft, uns zusammenzubringen."

Bild mit Teddy; Bild: rbb

Auch Jarek Kubicki nutzt die Quarantäne als Inspiration.

Berühmte Gemälde, Bildnisse, fest eingeprägt in unserem Gedächtnis, bekommen durch den polnischen Künstler eine ganz neue Bedeutung.

Ist die Isolation der Grund für van Goghs Leiden?

Versucht die Mona Lisa nur den Strafzettel wegzulächeln, den sie gerade bekommen hat?

Erstaunlich, wie aktuell jahrhundertealte Meisterwerke wirken, nur weil ihnen ein, zwei Polizisten hinzugefügt wurden.

Jarek Kubicki:
"Es war mir wichtig, dass es Szenen sind, mit denen wir es täglich zu tun haben. Beim Malen der Polizisten habe ich darauf geachtet, dass sie zum Stil des jeweiligen Gemäldes passen. Auf dem Bild 'Der Schrei' von Edward Munch sind die Polizisten genauso fleckig gemalt wie auch der Rest des Bildes."

Eine Szene in Warschau, die sich so ähnlich vielerorts gerade abspielt. Nie waren Polizisten präsenter, nie wirkten sie mächtiger als in der Corona-Zeit.

Gemälde von historischer Maennerfigur mit Warnweste; Bild: rbb

Mit diesem Bild schließt Kubicki seine Serie ab.

Jarek Kubicki:
"Der Polizist als der Triumphierende in der bekannten Pose von Napoleon und mit der charakteristischen Geste: Bonaparte greift in die Weste. Hier sieht es aber so aus, als würde er nach seinem Block mit den Strafzetteln greifen."

Die Bilder haben eine lebhafte Diskussion im Netz entfaltet: Was wird der unerlaubte Bar-Besuch Edward Hoppers Helden wohl kosten?

Findet die Dame bei Claude Monet eine gute Ausrede für das Tête-à-Tête?

Jarek Kubicki:
"Wenn es mir gelungen ist, die gesellschaftliche Spannung wenigstens ein bißchen zu lösen. Und zwar bei den normalen Menschen wie bei den Polizisten, dann ist das super. Das ist das, was die Kunst jetzt leisten sollte."

Mann mit Mikro singt auf dem Balkon; bild: rbb

Manche macht die Krise erst bekannt. Michał Sołtan etwa. Mitte März machte er auf seinem Balkon Musik. Seine Freundin filmte ihn dabei, stellte es ins Netz. Es wurde ein Hit.

Michał Sołtan:
"Wir hatten keine Erwartungen, es ist wie eine Lawine über uns gerollt. Die Reaktionen gaben uns eine enorme Energie, und wir entschieden uns, jeden Tag um 17 Uhr auf dem Balkon aufzutreten."

Seine Balkonauftritte haben ein Millionenpublikum im Netz erreicht, und täglich warten die Nachbarn auf das Event.

Nachbar: 
"Es ist unglaublich, dass wir einen so großartigen Nachbarn haben, der uns hilft in dieser schwierigen Zeit. Wir schätzen das sehr, er ist ein toller Musiker."

Michał Sołtan:
"Wir haben unglaubliche Menschen kennengelernt, mit denen wir jetzt Kontakt haben. Ohne die Quarantäne hätten wir uns nie kennengelernt, das ist das Positive an dieser Zeit."

Autorin: Kinga Wołoszyn-Kowanda

weitere Themen der Sendung

Portrait des 109-jaehrigen Deutschen; Bild: rbb
rbb

109-jähriger Deutscher in Polen

Jahrelang wurden Arnold Leissler und seine Frau von Grażyna Jędrzejczak und ihrer Schwester gepflegt. Die Polinnen gehörten zur Familie. Als seine Angehörigen starben, verkaufte Arnold Leissler sein Haus in Hannover und zog zu seiner "polnischen Familie" in ein Dorf bei Gorzów.

Mann mit Mundschutz im Holzlager; Bild: rbb
rbb

Polnische Unternehmer in Zeiten von Corona

Deutschland ist der größte Abnehmer polnischer Produkte. Mit dem deutschen Lockdown sank aber die Nachfrage nach vielen Produkten made in Poland. Manche polnischen Unternehmer bangen jetzt um ihre Existenz, andere versuchen mit neuen Geschäftsideen durch die Krise zu kommen.

Mann steht vor Ladentheke; Bild: rbb
rbb

Berliner Polen in Zeiten von Corona

Die Corona-Einschränkungen und die Grenzschließung wirken sich auch auf das Leben der Berliner Polen aus: Es gibt enormen Beratungsbedarf, in den Familien herrscht Anspannung, manchmal Druck und Gewalt. Einige Polen profitieren von der Krise, und andere können ihr etwas Gutes abgewinnen.

Blick ins Fußballbuch; Bild: rbb
rbb

Kulturtipps

Für Balkonien-Reisende und Heimkino-Besucher: neue heiße Kultur-Ware aus unserem Nachbarland.