Mann am Schleifstein, dahinter Esel, Hund, Katze und Hahn Quelle: rbb

Märchenfilm Deutschland 2009 - Die Bremer Stadtmusikanten

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward.

Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden. Auf seinem Weg traf er noch einen Hund, eine Katze und einen Hahn, denen ähnliche Schicksale drohten. So gingen alle viere zusammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Dort entdeckten sie ein hell erleuchtetes Räuberhaus. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. "Was siehst du, Grauschimmel?", fragte der Hahn. "Was ich sehe?", antwortete der Esel, "Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen's sich wohl sein." "Das wäre was für uns", sprach der Hahn. "Ja, ja, ach, wären wir da!", sagte der Esel. Da beratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die Räuber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel.

Der Esel musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.

Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Türe, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: "Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen", und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen.

Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, daß es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein und als er über den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß; der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: »Kikeriki!«

Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: "Ach, in dem Haus sitzt eine greuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt; und vor der Türe steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: "Bringt mir den Schelm her." Da machte ich, dass ich fortkam." Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel's aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.

Nach der Vorlage der Brüder Grimm
Das Denkmal der Bremer Stadtmusikanten vor dem Rathaus der Hansestadt (Quelle: dpa)

Herkunft und Deutung

Da die Bremer Stadtmusikanten nie in Bremen angekommen und Musikanten geworden sind, scheint der Titel des Märchens irreführend und Bremen wird auch in der Urfassung nicht erwähnt. Tatsächlich nehmen verschiedene Orte für sich Anspruch der Handlungsort des Märchens zu sein. In Syke, im Bremer Vorland, soll sich das Räuberhaus in den umliegenden Wäldern befunden haben. Bronzetafeln am ältesten Haus in Syke weisen darauf hin. Auch Kirchlinteln im östlichen Bremer Umland erhebt Anspruch, Schauplatz des Märchens gewesen zu sein. Hier wurde 2008 ein Fahrradweg eingeweiht, der die Schauplätze des Märchens zum Thema hat. In Brakel soll das Märchen den Gebrüder Grimm übergeben worden sein, die einige Zeit im Sommer auf Einladung des Baron von Haxthausen auf dem Bökerhof verbrachten. Im Stadtarchiv existiert ein Foto von einem Kotten, von dem angenommen wurde, dass hier die Bremer Stadtmusikanten die Räuber vertrieben haben. An seiner Stelle steht heute ein Steindenkmal der Bremer Stadtmusikanten.

"Die Bremer Stadtmusikanten" in Film und TV

"Die Bremer Stadtmusikanten" wurden in der Bundesrepublik erstmals 1959 unter der Regie von Rainer Geis verfilmt. 1972 hat Jim Henson den Stoff dem Film "The Muppet Musicians of Bremen" zugrunde gelegt. In der DDR wurde 1987 ein DEFA-Trickfilm unter der Regie von Peter Pohler produziert. In der deutschen Zeichentrickserie "SimsalaGrimm" waren "Die Bremer Stadtmusikanten" 1999 in der zweiten Staffel in der ersten Folge zu sehen.

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    Bezaubernde Bilder von den Darstellern.
  • Die vier Tiere im Wald (Quelle: radiobremen/Romano Ruhnau)
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    - Das Märchen

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    dpa

    - Freie Hansestadt Bremen

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    radiobremen/Romano Ruhnau

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    - Freie Hansestadt Bremen

    Der Märchenfilm "Die Bremer Stadtmusikanten" wurde in der Freien Hansestadt Bremen und Umgebung gedreht.
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