Drehbuchautor David Ungureit (Quelle: dpa/Frank May)
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Drehbuchautor David Ungureit - Fünf Fragen, fünf Antworten

"Es ist schön ist, dass unsere vier Musikanten ganz ohne Castingshow auf ihre alten Tage noch eine Karriere im Musikbusiness anfangen."
1. Von welchem Märchen konnten Sie als Kind nie genug vorgelesen bekommen?
Ich habe "Hänsel und Gretel" sehr gemocht, weil es so gruselig und spannend war und "Der kleine Muck", weil es so fremd und lustig war.

2. Wenn ich eine Figur in meinem Märchen (Die Bremer Stadtmusikanten) sein könnte, wäre ich …
... der Knecht Johann, weil der am Ende das Mädchen kriegt – die wunderbare Anna Fischer.

3. Und die Moral von der Geschicht?
Was Besseres als den Tod findet man überall. Und so lange man lebt, gibt es immer irgendetwas, das man tun kann – egal, was die Anderen sagen. Und schön ist doch auch, dass unsere vier Musikanten auch ganz ohne Castingshow auf ihre alten Tage noch eine Karriere im Musikbusiness anfangen.

4. Gibt es eine eigene Interpretation?
Vielleicht sind die Bremer Stadtmusikanten ein Vorgriff gewesen auf die Idee des lebenslangen Lernens und der nonlinearen Biografien, in denen man eben nicht mehr ein Leben lang dieselbe Tätigkeit ausübt.

5. Welche Unterschiede gibt es zwischen der Vorlage und dem Film?
Bei uns erreichen die Stadtmusikanten nun endlich Bremen. Und sie können am Ende tatsächlich singen. Außerdem gibt es mehrere neue Figuren, deren Geschichte parallel zu der, der Stadtmusikanten erzählt wird – mit Liebe und Küssen und so.
Filmrollen und Zelluloid (Quelle: dpa)

Redakteurinnen: Britta-Susann Lübke & Regina Weber

1. Von welchem Märchen konnten Sie als Kind nie genug vorgelesen bekommen?
Regina Weber:
Als Kind hatte ich eine Schallplatte von Schneewittchen, die ich mir tausendmal angehört habe. Einen Satz kann ich heute noch auswendig: „Schneewittchen schlug die Augen auf, sah den jungen Prinzen an und wusste, dass nun all ihr Leid ein Ende hatte.“
Britta-Susann Lübke: Der Froschkönig. Die Vorstellung, dass sich in jedem unscheinbaren Frosch ein verwunschener Prinz verbergen konnte, hat mich als Mädchen fasziniert. Später entdeckte ich dann, dass hinter mancher Prinzenerscheinung doch nur ein kalter Frosch steckt…

2. Gibt es eine eigene Interpretation ihres Märchens?
Regina Weber:
Ja, weil wir mit Lissy, der Bauerntochter, und Johann, dem Knecht, zwei neue Figuren in der Geschichte der Bremer Stadtmusikanten haben, die sich auch auf den Weg machen müssen, weil sie da, wo sie sind, nicht so leben können, wie sie wollen. Für sie gilt die gleiche Botschaft wie für die Tiere: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall", oder wie es unser Titelsong sagt: "Sie wollten frei sein und mit dabei sein, denn eines wussten sie auf jeden Fall: Was Besseres als den Tod finden sie überall."
Britta-Susann Lübke: Ja. Mut und Freundschaft, das ist etwas, was die Menschen in unserer Interpretation von den Tieren lernen können.

3. Was hat Sie beim Drehen zum Lachen gebracht?
Regina Weber:
Das Drehen mit Tieren, vor allem mit eigenwilligen, ist natürlich eine Geduldsprobe. Da gab es manche Momente, z.B. wenn die Katze hoch springen sollte und es nicht tat, oder der Esel immer wieder ab durch die Mitte in den Wald lief statt brav einmal quer durchs Bild, da waren die entnervten Gesichter aller Umstehenden nur noch zum Lachen.
Britta-Susann Lübke: Vor allem als die dicke getigerte Katze von Lissy auf ihrer Flucht durch den Wald getragen wurde. Die Szene musste mehrfach wiederholt werden, weil der Esel nicht hinterher trotten wollte. Die Katze ließ sich in Lissys Armen hängen und wurde immer schwerer. Als dann der Esel brav folgte, wand sich die Katze aus Lissys Armen und verschwand im Gebüsch, weil sie keine Lust mehr hatte. Schauspieler und Regieteam haben sehr viel Humor und Geduld bewiesen.

4. Was hat Sie beim Drehen geschockt, genervt oder vielleicht verwundert?
Regina Weber:
Während des Drehs auf dem Marktplatz in Bremen hatten wir mit den verschiedensten Hindernissen zu kämpfen. Zum Beispiel wurde der Dom ausgerechnet eine Woche zuvor eingehüllt, um renoviert zu werden, und auf dem Marktplatz fand zeitgleich zu den Dreharbeiten die Montagsdemo der Hartz IV- Empfänger statt, ein harter Kontrast zwischen Märchen und Realität.
Britta-Susann Lübke: Ja, und als die Demo verstummt war, brach nach einem herrlichen Sonnentag, den wir mit Innendrehs verbracht hatten, ein Platzregen los, so dass Tiere und Kamera in Sicherheit gebracht werden mussten und die Marktplatzszene erst Stunden später im Kasten war.

5. Welches Märchen würden Sie gerne mal redaktionell betreuen und warum?
Regina Weber: Natürlich "Aschenputtel". Obwohl es mit "Drei Nüsse für Aschenbrödel" eine wunderbare Verfilmung gibt, würde es mich dennoch reizen, eine aktualisierte Version zu drehen, die vor allem der Geschichte der eifersüchtigen Schwestern mehr Raum gibt.
Britta-Susann Lübke: Die Geschichte vom "Hans im Glück". Ich finde die Botschaft so wichtig, dass die Kunst glücklich zu sein, nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern aus einer inneren Haltung resultiert. "Hans im Glück" auf einem spirituellen Weg hin zu buddhistischer Weisheit zu inszenieren, wäre doch ein spannender Stoff.

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    Mo 03.10.2022 | 09:55 | Märchenfilm im Ersten - Die Bremer Stadtmusikanten

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