Regisseur: Klaus Knoesel(Quelle: Klaus Knösel )
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5 Fragen an... - Regisseur: Klaus Knoesel

Für Regisseur Klaus Knoesel sind Märchen essentiell in der Entwicklung der Fantasie von jungen Menschen.

Hatten Sie als Kind ein Lieblingsmärchen? Wenn ja, welches?

Märchen habe ich fast alle gemocht, geliebt, erst vorgelesen bekommen, dann gelesen und später selber vorgelesen - und so ist es schwer, ein Einzelnes zu benennen. Dennoch ist wohl „Der dankbare Baum“ - ein japanisches Märchen, das mir am nachhaltigsten im Herzen geblieben ist. Dabei geht es um ein armes aber bezauberndes Mädchen (Hanako), das Freundschaft mit einer riesigen Kastanie schließt und sich liebevoll um den Baum kümmert, bis er eines Tages zum Bau eines Schiffes gefällt wird. Aus Dankbarkeit für die Fürsorge und Liebe, läuft das Schiff erst vom Stapel, als Hanako den Zauber des Baumes löst und damit für sich die Zukunft verbessern kann.

Was für einen Stellenwert haben Märchen, Ihrer Meinung nach, in der heutigen Gesellschaft?

In der Erziehung nach wie vor ein Großer, da mit Sicherheit immer noch fast allen Kindern Märchen vorgelesen oder erzählt werden; später dann im TV/DVD/Netz vorgespielt werden. Hoffentlich immer noch in der Reihenfolge, denn Märchen halte ich für essentiell in der Entwicklung der Phantasie von jungen Menschen. Leider sind die Märchenerzähler in unserer Kultur/in unserem Kulturkreis fast verschwunden und so ist trotz des hohen Stellenwertes der Märchen (sie sind wohl in der gesamten Bevölkerung akzeptiert), die Gefahr groß, dass immer mehr Märchen vergessen werden und viel zu wenig Neue dazu kommen.

Was hat Ihnen beim Dreh besonders Spaß gemacht? Gab es besonders schwierige Momente?

Der gesamte Dreh hat jeden Tag großen Spaß bereitet (vor allem die Arbeit mit den Schauspielern, so wie die Unterstützung durch das gesamte Team) und stand dennoch täglich unter dem Damoklesschwert der Notwendigkeit sonnigen Wetters. Das Märchen spielt bei größter Trockenheit und trotz des Jahrhundertsommers hat es an einem Tag wie aus Eimern geschüttet. Doch anscheinend hatten wir auch Hilfe von höchster Stelle, denn wir konnten an diesem Tag dem Unwetter entfliehen und im Studio im Inneren eines Märchenbaumes drehen. Am Abend setzte sich dann die Sonne wieder durch und so war schließlich auch noch das große Happy End am Fluss im Kasten.

Wie würden Sie Ihr Märchen interpretieren? Was ist daran noch wichtig für die heutige Zeit?

Das Märchen ist wohl „brand“aktueller denn je. Jahrelang hat es nicht mehr geregnet und die Erde verdorrt immer weiter. Die Menschen haben die Regentrude (im übertragenen Sinn die Natur) vergessen zu pflegen und schlittern immer weiter in die Katastrophe. Die wenigen mahnenden Stimmen werden verspottet, die alten überlieferten Lösungswege sind vergessen. Ein gewisser technokratischer Glaube/Fortschritt nutzt einigen Wenigen und in Wirklichkeit auch nur kurzfristig. Und will man wie Maren das Problem im letzten Moment lösen, ist der Aufwand immens, die Feinde bärenstark und der Ausgang mehr als ungewiss. Nie war es wichtiger als heute nachhaltig mit der Natur umzugehen und mit sanfter Energie zu versuchen, nicht in die verheerende Katastrophe abzurutschen. Aber leider reichen wahrscheinlich ein paar Wenige mit negativer, egoistischer Energie, um gerade ein Happy End wie im Märchen zu vereiteln.

Sie haben einen Wunsch frei. Welches Märchen würden Sie gerne verfilmen?

Natürlich das oben genannte („Der dankbare Baum“), aber ich finde generell jedes Märchen verfilmungswürdig und würde mich besonders freuen, wenn wir hier in Deutschland auch internationale Märchen verfilmen könnten.......