Carsten Fiebeler (MICHAEL RAHN )
Bild: MICHAEL RAHN

5 Fragen an... - Regisseur: Carsten Fiebeler

Neue Charaktere für das Märchen "Der Schweinhirt" zu schaffen, hat Regisseur Carsten Fiebeler die größte Freude bereitet.

1. Hatten Sie als Kind ein Lieblingsmärchen? Und wenn ja, warum dieses?

Na klar. Zu den Lieblingsmärchen meiner Kindheit gehört "Wie einer auszog, um das Fürchten zu lernen". Ein Märchen mit dieser Fülle von Abenteuern und bizarren Gestalten haben mir Grusel bereitet und genau diese Erfahrung hat sich damals tief in mein Gedächtnis gegraben. Allein die Vorstellung, dass sich jemand nicht fürchten kann, also keinerlei Angst kennt, hat mich als kleiner Junge nachhaltig beeindruckt. So wollte ich natürlich auch sein. Und möglicher  Weise hat mir dieser Umstand in manch einer Situationen zu mehr Mut verholfen. Wenn einer loszieht, und sogar die grässlichsten Gefahren sucht, kann es doch nicht so schwer sein, die eigene "kleine" Angst zu überwinden.  Und am Ende bekommt man noch die Prinzessin. Und die Beschäftigung mit der Frage, wer in einer Gesellschaft für welche Ängste sorgt und warum, ist noch heute eine hoch spannende Angelegenheit.

2. Wie würden Sie persönlich dieses Märchen interpretieren? Welche Botschaft macht den Stoff besonders aktuell? 

Im „ Schweinehirt“ geht es um Rollenverhalten in einer Gesellschaft, die sich immer weiter von menschlichen Grundwerten weg bewegt. Macht, Besitz, Stand oder Etikette haben mehr Bedeutung als menschliche Tugenden oder Emotionen. Man schafft sich Ersatzbefriedigungen wie Konsum, statt die Natur und ihre natürlichen Wunder zu sehen. Doch durch die Entdeckung der Liebe werden der Prinzessin und dem Prinzen die Augen geöffnet und sie durchbrechen den Käfig, der sie umgeben hat. Und genau mit dieser Grundaussage sind wir hoch aktuell. Allein schon was die Digitalisierung unserer Welt aus uns und dem Alltag macht, belegt hinreichend, wie weit wir uns von vom menschlichen Miteinander entfernt haben. Kommunikation findet fast nur noch über Medien statt. Die heutigen Helden und ihre Wertvorstellungen sind Konsumvertreter und stammen aus dem Internet. Aktueller kann ein Stoff nicht sein.

3. Was hat Ihnen beim Dreh besonders Spaß gemacht?

Wir haben ja in unserer Interpretation des Märchens zusätzliche Charaktere geschaffen. Schief und Krumm, oder Mine und Tine. Und die sind ja nicht nur zur Unterstützung der Hauptcharaktere gedacht. Sie brauchen ihre eigene Existenz, ihren eigenen Raum. Und das ist uns auf eine doch sehr humorige Weise gelungen und das hat Riesen Spaß gemacht.

4. Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Die Ballszene war eine enorme Herausforderung. Eine historische Tanzchoreographie, in diesen Masken und Kostümen, in wenig Zeit und mit dieser Menge an Spielhandlung und Text hinzubekommen, war wirklich nicht ohne. Die andere Herausforderung war die Tierfülle. Wer einmal mit Tieren drehen musste, weiß von den zu erwartenden Tücken. Und wir hatten Schweine, Esel, Pferde und eine Nachtigall zu bändigen.

5. Sie haben einen Wunsch frei: Welches Märchen würden Sie gerne adaptieren?

Leider ist ja mein Lieblingsmärchen schon gedreht. Aber orientalische Märchen wie: „ Der kleine Muck“, „Alibaba und die vierzig Räuber“ oder auch einige russische Märchen könnten mich in einer Adaption schon reizen.

Fünf Fragen an die Macher

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