Drehbuchautorinnen von "Die drei Königskinder": Barbara Miersch und Silja Clemens
Barbara Miersch, Silja Clemens | Bild: Claudia Pelosi / Martin Walz

4 Fragen an... - Drehbuchautorinnen: Barbara Miersch und Silja Clemens

In unserer Zeit, in der fast die Hälfte aller Kinder bei einem Elternteil oder in einer Patchwork-Familie aufwächst, ist es uns wichtig zu erzählen, dass Familie mehr bedeutet als nur die Herkunftsfamilie.

„Die drei Königskinder“ ist ein Märchen nach Motiven von Johann Wilhelm Wolf. Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Adaption der Vorlage?

Das Märchen von Johann Wilhelm Wolf spielt über einen Zeitraum vom fast 20 Jahren und beinhaltet viele unterschiedliche Handlungsstränge und Figuren. In diesem vielfältigen Kosmos war es uns wichtig, einen Fokus und eine Hauptfigur zu finden. Schnell war uns klar, dass wir die Geschichte von Lotte erzählen wollten, einem Mädchen, die bei einer Gärtnersfamilie aufwächst, ohne zu ahnen, dass sie in Wirklichkeit die Tochter des Königs ist.

Wie würden Sie Ihr Märchen interpretieren? Was ist daran noch wichtig für die heutige Zeit?

Uns hat vor allem die Frage beschäftigt, was Familie ist und sein kann. Lotte wird von der jungen Königin geboren, aber von der bösen Stiefmutter gleich nach ihrer Geburt ausgesetzt. Ein Gärtnerehepaar findet sie und zieht sie und ihre Brüder liebevoll groß. In unserer Zeit, in der fast die Hälfte aller Kinder bei einem Elternteil oder in einer Patchwork-Familie aufwächst, ist es uns wichtig zu erzählen, dass Familie mehr bedeutet als nur die Herkunftsfamilie. Auch als Lotte ihre leiblichen Eltern gefunden hat, ist klar, dass die Gärtnereltern auch weiterhin ihre Familie sind.

Bei welcher Figur des Märchens konnten Sie Ihrer Kreativität am meisten Freiraum geben?

Weibliche Figuren in Märchen entsprechen oft längst überholten Frauenbildern. Mit Lotte wollten wir eine weibliche Hauptfigur erzählen, mit der das Publikum sich auch heute identifizieren kann. Sie ist in unserer Geschichte neugierig, selbstbewusst und ein richtiger Wildfang. Im Märchen von Wolf scheint es zudem relativ willkürlich, dass sie, als Jüngste die Prüfungen besteht, an denen ihre Brüder scheitern. Es war uns wichtig, ihr besondere Charakterzüge zu geben, die erklären, warum ausgerechnet sie alle Herausforderungen besteht. Es sind Lottes Offenheit, ihre Unerschrockenheit und ihre Verbindung zu Tieren, die ihr im entscheidenden Moment helfen. Damit ist sie für uns eine durch und durch moderne Figur.

Bei welcher Märchenfigur, an welchem märchenhaften Ort würden Sie gerne an die Tür klopfen?

Wir würden am Liebsten dem Gestiefelten Kater begegnen. Als der Müllerssohn glaubt, in einer aussichtlosen Lage zu stecken, erkennt der Kater die Chancen und wendet die Situation zum Guten. Mit ungewöhnlichen Ideen und Raffinesse besiegt er den bösen Zauberer. Mut, Zuversicht und Querdenkertum könnten wir in unserer Gesellschaft mehr gebrauchen.