Regisseur Oliver Dieckmann, Anna Loos und Martin Feifel (Quelle: SWR/Kerstin Stelter)
Bild: SWR/Kerstin Stelter

- Fünf Fragen, fünf Antworten

Im Gespräch sind Regisseur Oliver Dieckman, Redakteurin Margret Schepers und die Produzentin Uschi Reich.

Regisseur: Oliver Dieckmann

1. Von welchem Märchen konnten Sie als Kind nie genug vorgelesen bekommen?
"Märchen von einem der auszog, das Fürchten zu lernen"

2. Wenn ich eine Figur in meinem Märchen (Dornröschen) sein könnte, wäre ich:
Fynn, Stallbursche mit geheimnisvoller Vergangenheit, weil - ohne an dieser Stelle Fynns Geheimnis zu verraten - das Gefühl, dass man zu mehr bestimmt ist, als - in unserem Fall - Ställe auszumisten, das kennt jeder von uns, ich eingeschlossen.

3. Und die Moral von der Geschicht?
Für mich ist "Dornröschen" eine Familiengeschichte über das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Ein Vater tut alles, um seine geliebte Tochter vor dem Bösen in dieser Welt zu beschützen - isoliert sie aber dadurch von ihrer Umwelt und droht, sie zu verlieren. Wie alle Väter, so muss auch unser König lernen, seine Tochter irgendwann loszulassen, damit sie ihr eigenes Leben leben kann. Das sind alles Konflikte, die wir nur zu gut aus unseren eigenen Familien kennen. Seit ich Vater einer (noch) kleinen Tochter bin (die in dem Film als junges Dornröschen zu sehen ist), kann ich mich umso mehr damit identifizieren. Und auch der Strang um unseren Helden Fynn spiegelt dieses Thema wieder: sein Onkel belügt ihn über dessen Herkunft, um ihn zu schützen - bis Fynn sich darüber hinwegsetzt und das Schicksal in die eigene Hand nimmt.

4. Warum haben der König und die Königin keine Krone auf?
Wir haben versucht, eine eigene Welt zu kreieren, die nicht nur etwas märchenhaftes hat, sondern auch etwas gelebtes, haptisches. Und die Gefahr von Kronen (wie auch Hermelin-Mänteln, etc.) ist, dass sie schnell kostümiert und ausgestellt wirken können - nach dem Motto, schaut her, das ist ein König. Das kann einen schnell aus dem Eintauchen in fremde Welten wieder rausreißen. Außerdem glaube ich, dass die Queen im Alltag ihre Krone auch nicht trägt, dafür sind diese Dinger wahrscheinlich viel zu unbequem.

5. Für welches Märchen würden Sie gerne mal die Regie übernehmen?
Hänsel und Gretel - auch wenn es schon oft verfilmt wurde. Es ist ja eigentlich ein sehr dunkles Märchen, ganz ohne Prinzessinnen und Schlösser: zwei arme Kinder werden von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, eine Hexe will sie auffressen. Und doch geht es auch um Zusammenhalt unter Geschwistern, um Kinder, an die niemand glaubt, die über sich hinauswachsen und mit Mut und List ihr Leben meistern. Und aus filmischer Sicht sind natürlich einsame Wälder und verlassene Hütten sehr dankbare Motive, man muss nur aufpassen, dass kein Horrorfilm draus wird...
Produzentin Uschi Reich (Quelle: SWR/Kerstin Stelter)
Produzentin Uschi Reich

Produzentin Uschi Reich und Redakteurin Margret Schepers

1. Von welchem Märchen konnten Sie als Kind nie genug vorgelesen bekommen?
Uschi Reich:
Hänsel und Gretel. Die Kinder taten mir so leid, weil sie von ihren Eltern im Wald ausgesetzt wurden.
Margret Schepers: Ich hatte als Kind nur wenige Bücher und die habe ich umso mehr geliebt. Dornröschen war eine Art größeres Pixieheft, ganz abgegriffen und über und über bemalt mit Rosenranken. Eine Szene hatte es mir besonders angetan. Wenn der Koch den Küchenjungen ohrfeigen will... Und ich hätte gern gewusst, wer denn eigentlich der Prinz ist, der das Dornröschen wach küsst.

2. Gibt es eine eigene Interpretation ihres Märchens?
Uschi Reich:
Wir erzählen die Geschichte "Dornröschen" von ihrem Retter, dem Prinzen ausgehend und können so leichter die großen Zeitabschnitte begreifbar machen.
Margret Schepers: In unserem Film lösen wir das Rätsel um die Herkunft des Prinzen, der Dornröschen wach küsst. Anders als in Grimms Märchen geht es gleich um zwei Heranwachsende, die ihren eigenen Weg ins Leben finden müssen. Dornröschen wird von ihrem Vater von ihrer Umwelt abgeschirmt, weil er sie vor ihrem Schicksal bewahren will. Prinz Fynn sieht sich als Stallbursche vor eine Aufgabe gestellt, die eigentlich einem Königssohn vorbehalten ist. Beide erobern sich ihr Schicksal, Dornröschen, indem sie aus dem goldenen Käfig der väterlichen Behütung ausbricht, Fynn, indem er sich einem selbst gewählten Ziel verschreibt und es nicht aus den Augen verliert.

3. Was uns beim Drehen zum Lachen gebracht hat
Uschi Reich:
Zum Lachen vielleicht nicht, aber bewundert habe ich, wie gut die Schauspieler Michael Hanemann und François Goeske das Fechten mit dem Degen gelernt haben und wieviel Spannung sie ihrer Rittererziehung geben konnten.

4. Was uns beim Drehen geschockt / genervt / verwundert hat:
Uschi Reich:
Parallel zu unserem Dreh wurden immer wieder große Besucherscharen durch das winzige Dornröschenschloss geführt.

5. Welches Märchen würden Sie gerne mal produzieren / redaktionell betreuen?
Uschi Reich:
Ich liebe die Heiterkeit und Wahrheit von "Hans im Glück" und finde, dass Mathias Schweighöfer dafür der ideale Darsteller wäre.
Margret Schepers: Es gibt zwei Märchen, die ich gern redaktionell betreuen würde: "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren", weil das Glückskind auf so vielen Irrwegen gehen muss, um das Glück zu finden. Und "Die sechs Schwäne", weil ich die Treue der Schwester zu ihren Brüdern so herzergreifend finde.

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