Marianne Sägebrecht spielt Frau Holle: Quelle: rbb/Sando Domonkos
Marianne Sägebrecht spielt Frau Holle | Bild: rbb/Sando Domonkos

- "Frau Holle"

Heute eines der bekanntesten Märchen der Weltliteratur. 2006 wurde dieses Märchen als "Deutschlands schönstes Märchen" ausgezeichnet.
Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Doch die Mutter hatte die Hässliche lieber, weil sie ihre rechte Tochter war. Die andere musste alle Arbeit tun.

Eines Tages fiel der Fleißigen beim Spinnen die Spule in den Brunnen und aus Angst vor der Mutter sprang sie hinterher. Als sie wieder zu sich kam, befand sie sich im Land von Frau Holle und begab sich auf die Suche nach der Spindel. Dabei kam sie an einem Ofen vorbei, wo das Brot flehte: "Zieh uns raus, zieh uns raus, sonst verbrennen wir!".

Fleißig wie sie war, zog sie die Brote heraus und genau so kam sie dem Wunsch des Apfelbaumes nach: "Schüttle mich, schüttle mich, meine Äpfel sind so schwer!". Am Ende ihres Weges traf sie auf Frau Holle und trat in ihre Dienste. Fortan schüttelte sie die Betten, dass es auf der Erde ordentlich schneite.

Doch nach einiger Zeit bekam sie Heimweh und Frau Holle ließ sie gehen - doch nicht ohne ihren verdienten Lohn. Für ihren Fleiß wurde sie mit einer Dusche aus purem Gold belohnt. Als sie im Heimatdorf ankam, krähte der Hahn: "Kikeriki, Kikeriki - unsere Goldmarie ist wieder hie!".

Ihre Schwester wurde neidisch und stürzte sich in den Brunnen, um dasselbe Glück zu erfahren. Aber schon kurz nach ihrer Ankunft kam die Faulheit zum Vorschein, sie ließ das Brot verbrennen und die Äpfel hängen. Auch bei Frau Holle hatte sie wenig Lust zu arbeiten und wurde bald wieder nach Hause geschickt. Natürlich nicht ohne 'Belohnung' - für ihre Faulheit bekam sie allerdings eine Dusche aus Pech.

Der Hahn begrüßte sie mit den Worten: "Kikeriki, Kikeriki - unsere Pechmarie ist wieder hie!". Das Pech konnte sie nicht mehr abwaschen und alle im Dorf machten sich lustig über sie.

Nach der Vorlage der Bürder Grimm

Herkunft

Wie viele Märchen hat auch Frau Holle seinen Ursprung in uralten Sagen. Die genaue wissenschaftliche Einordnung ist jedoch schwierig, da zu viele verschiedene Geschichten mit ihr in Verbindung gebracht werden und ihre Erscheinungsformen ebenso vielfältig sind. So verweist Frau Holle unter anderem auf die germanische Göttin Holla, ist Naturgeist, Quellgöttin, dämonische Verführerin und Gespenst im Wütenden Heer. Auch die Namen Holda, Hulda, Perchta, Freya, Frigga werden ihr allesamt zugeordnet.

Der älteste schriftliche Beleg stammt vom Erzbischof Burchard (auch Burkhard) von Worms. In seinen zwischen 1008 und 1012 niedergeschriebenen Dekreten erwähnt er die Vorstellung von "luftfahrenden" Frauen und nennt als deren Anführerin Frau Holda.

Die geographischen Wurzeln des Märchens liegen in Mitteldeutschland. Auch heute noch behaupten diverse Regionen, dass Frau Holle in ihren Bergen oder Seen haust. So soll am Grunde des Holleteichs am hohen Meißner in Hessen der Eingang zu Ihrem unterirdischen Reich liegen. Unweit davon ragen als weiteres Heiligtum der Frau Holle die Hollsteine aus dem Boden. Ebenso soll sie in den Thüringer Hörselbergen beheimatet sein und von dort die fleißigen Mägde belohnen, wenn sie am Tag der heiligen drei Könige, am 06. Januar, den Flachs von den Spindeln gesponnen haben.

Im Pflanzenreich erinnert der Holunder, auch Holler genannt, heute noch an Frau Holle. Der Name leitet sich ab von "holun-tar": Tar bedeutet Strauch oder Baum und holun heißt hohl oder heilig, kann aber auch mit der germanischen Göttin Holla in Verbindung gebracht werden. Hierdurch ergibt sich wiederum die Verbindung zu Frau Holle. Dem Holunderstrauch wurden Opfergaben dargebracht, um Krankheiten fernzuhalten.

Inspiriert durch die weißen Blüten des Strauchs, wurde auch erzählt, dass sich die Holunderblüten über Nacht in Tausende von zarten Federn verwandeln, die als Schnee zur Erde fallen. Hier ist die Analogie zum Frau Holle Märchen zu erkennen. Schon seit der Antike wird der Holunder als Heilpflanze geschätzt.

"Frau Holle" als Hörbücher, in Film und Fernsehen

Für Kinder gibt es die verschiedensten Kinder- und Hörbücher zum Märchen.

Zahlreich verfilmt wurde "Frau Holle" ebenso: Der erste schwarz-weiß-Film stammt von 1906.

Puppentrickfilme entstanden 1953 in der DDR von Johannes Hempel und 1959 in Westdeutschland von der Augsburger Puppenkiste.

Unter der Regie von Gottfried Kolditz produzierte die DEFA 1963 einen Spielfilm.

Der Schweizer Regisseur Rudolf Jugert verfilmte Frau Holle 1971 ebenfalls.

Eine tschechische Produktion von Juraj Jakubisko hatte 1985 Premiere.

Unter dem Label "Die Märchenstunde" zeigte Prosieben 2006 Frau Holle als 45-minütigen Film.