Regisseur Wolfgang Eißler; Quelle: dpa/Soeren Stache

Regisseur Wolfgang Eißler - Fünf Fragen, fünf Antworten

"Die kluge Bauerntochter" ist eine äußerst moderne, ungewöhnliche, emanzipierte Märchenfigur.
1. Von welchem Märchen konnten Sie als Kind nie genug vorgelesen bekommen?
Der Klassiker für uns Kinder war "Rotkäppchen und der böse Wolf". Allerdings konnte es sich nicht gegen "Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren" durchsetzen, den absoluten Favoriten in unserer Grimm - Ausgabe. Das lag allerdings neben der wundersam gruseligen Geschichte auch hauptsächlich an der Seitenanzahl des Märchens. Da es länger als die anderen war, konnten wir das Ausknipsen des Lichtschalters um entscheidende Momente hinaus zögern. Unsere Oma durchschaute uns zwar, mochte das Märchen aber zum Glück auch sehr gerne.

2. Wenn ich eine Figur in meinem Märchen (Die kluge Bauerntochter) sein könnte, wäre ich …
... drei Mal dürfen Sie raten - natürlich gerne die kluge Bauerntochter, weil sie eine äußerst moderne, ungewöhnliche, emanzipierte Märchenfigur ist. Sie hat es nicht nötig, höhere Kräfte anzurufen, um an ihr Ziel zu gelangen, sondern geht die Probleme, die sich ihr in den Weg stellen, mit einer positiven zupackenden Art an. Außerdem besitzt sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der keinerlei soziale Schranken kennt. Wäre es nicht schön, wenn man alle Probleme und Rätsel, die einem im eigenen Leben begegnen mit der eigenen Klugheit bewältigen könnte? Davon träumt doch wohl jeder, oder? Außerdem bekommt sie am Ende den König ab. Auch immer wieder gerne gesehen, wenn man / frau eine Märchenfigur wäre.

3. Und die Moral von der Geschicht?
Das Schöne an unserem Märchen ist, wie ich finde, dass es eben nicht mit dem üblichen erhobenen moralischen Zeigefinger daher kommt. Es ist eher eine Anweisung zu einer möglichen Lebensweise, ein Vorschlag, wie frau konkrete Aufgaben des Alltags angehen und mit welchen Qualitäten sie diese bewältigen kann.

4. Ihr Film spielt in der Zeit des Barock. Hätten Sie in der Zeit gerne gelebt?
Die Welt unseres Märchens benutzt nur Versatzstücke des Barock. Es ist allerdings bewusst nicht in einer historisch fest gelegten Epoche einzuordnen. Märchen bewegen sich in ihrer eigenen Zeitrechnung. Und natürlich würde ich auch gerne ein Mal in so einer phantastischen Zeit leben und Hexen begegnen und Zauberern und Drachen und schönen Prinzessinnen. Aber dann ist die Vorstellung auch ganz angenehm, dass man diese Welt mit dem Zuschlagen des Märchenbuches auch jederzeit wieder verlassen kann...

5. Für welches Märchen würden Sie gerne mal die Regie übernehmen?
"Das Kalte Herz". Schauen Sie sich die Schlagzeilen der letzten 12 Monate an. Ich würde es in den Vorstandsetagen heutiger Banken spielen lassen wollen.

Weitere Beiträge zum Märchen

RSS-Feed