Edgar Selge, Quelle: HR

- Drei Fragen an Edgar Selge

Der Wolf wird von Edgar Selge gespielt.
Welches ist Ihr Lieblingsmärchen – und warum? Gibt es ein Märchen, das Sie besonders beeindruckt?
Ich habe viele Lieblingsmärchen. Eins heißt „Der Eisenhans“. Das ist die Geschichte von dem Königskind, dem sein Ball in den Käfig rollt, in dem der Eisenhans wie ein Schwerverbrecher sitzt. Wenn man mir das Märchen vorlas, bewunderte ich den Mut des kleinen Jungen, gegen das ausdrückliche Verbot des Vaters, den Schlüssel unter dem Kopfkissen der Mutter hervorzuholen und den Käfig zu öffnen. Das Kind erhält zwar den Ball zurück, aber zu seinem Erschrecken will der Eisenhans fliehen. Aus Angst vor dem Vater bittet der Königssohn den Eisenhans, ihn mitzunehmen. Der setzt sich das Kind auf die Schultern und haut mit ihm ab. Im Wald angekommen, sagt der Eisenhans den magischen Satz: “Vater und Mutter siehst du nicht wieder, aber ich will dich bei mir behalten, denn du hast mich befreit.” Für mich, den Sohn eines Gefängnisdirektors, lag in diesem Satz die Anziehung und die Angst vor dem Erwachsenwerden.

In der Märchenwelt tummeln sich sprechende Tiere, Königsfamilien, Edelmänner, Zauberer, Hexen und gute Feen. Wenn Sie eine Märchenfigur sein könnten, welche wären Sie und warum?
Ich wäre gern der "Gestiefelte Kater“. Der ist mutig, hat viel praktische Vernunft und macht aus seinem Herrn, einem Müllersburschen, einen König. Er ist der geborene Diener, aber da er am Ende den Zauberer verschlingt, der sich ihm zu Gefallen in eine Maus verwandelt hat, ist er ein Diener mit besonderen Kräften. Er wird Minister, und unseren Politikern wünscht man viele Mitarbeiter vom Schlag des gestiefelten Katers. Übrigens: wenn ich mich länger mit einer Katze unterhalte, bin ich der Überzeugung, dass sie mich besser versteht als ich sie.

Ein hoher Turm im Wald, ein Schloss mit verwildertem Rosengarten oder ein Knusperhäuschen: Wie sieht ein zauberhaftes Zuhause in Ihrer Vorstellung aus?
Wenn ich alt und faul bin und nicht mehr vom Stuhl hoch komme, wünsche ich mir ein Knusperhäuschen um mich herum, das die Kinder anlockt. Das fröhliche Knabbern und Kauen, das ich dann höre, vertreibt vielleicht mir die Langeweile.

Weitere Beiträge zum Märchen

RSS-Feed