hr-Redakteurin Patricia Vasapollo (Quelle: hr / Daniela Sommer)

- Fünf Fragen an Patricia Vasapollo

Antworten von der verantwortlichen Redakteurin des Hessischen Rundfunks.
Welche ist Ihre Lieblingsmärchenhauptfigur? Gibt es auch einen Lieblingsbösewicht?
Meine Grimm’sche Lieblingsheldin ist die "kluge Bauerntochter“, weil sie es durch Witz, Intelligenz und Charme "nach oben“ schafft. Sie befindet sich intellektuell jederzeit auf Augenhöhe mit dem Königssohn und gestaltet ihr Schicksal aktiv mit. Die meisten weiblichen Märchenfiguren sind ja eher passiv: Sie werden vergiftet, werden vertrieben, werden wachgeküßt oder anderweitig gerettet und am Ende werden sie geheiratet. Dass es selbst im Märchen auch anders gehen kann, gefällt mir an der "klugen Bauerntochter“.
Als Kind mochte ich den Zwerg aus "Schneeweißchen und Rosenrot“ besonders gern. Es hat mich amüsiert, dass er sich so über seinen gestutzten Bart aufgeregt hat.

Wie würden Sie persönlich Ihr Märchen interpretieren? Was ist daran noch wichtig für die heutige Zeit?
Im Grunde ist und bleibt Rotkäppchen die Geschichte eines naiven, behüteten Mädchens, dem etwas Schlimmes zustößt, weil es "vom rechten Pfad“ abgekommen ist. Dass kann man drehen und wenden wie man will, der Grundtenor bleibt. Uns war es aber wichtig, der altbekannten Geschichte mit einem anderen, moderneren Ansatz zu begegnen. Die Unbekümmertheit und das Grundvertrauen des kleinen Rotkäppchens bringt sie zwar in Gefahr, sie ist gleichzeitig aber auch ihre Stärke. Es ist doch furchtbar einem Kind zu sagen: Misstraue jedem Fremden, denn wahrscheinlich ist er "böse“ und wenn du vertraust bringst du dich in Gefahr. Wichtig ist, dass das Kind selbstsicher und möglichst angstfrei bleibt. Als unser Rotkäppchen dem "bösen“ Wolf begegnet entwaffnet es ihn geradezu durch seine freundliche und zuvorkommende Art: Das Mädchen begegnet ihm als Freund und bringt so den "Bösewicht“ in seiner Rolle völlig durcheinander. Und selbst als ihr das schlimmste widerfährt und sie vom Wolf gefressen wird, verliert sie nicht den Glauben an ihr Urvertrauen und stellt sich dem Wolf selbstbewusst entgegen. Nicht sie hat falsch gehandelt, sondern "der Böse Wolf“.

Und die Moral von der Geschicht’?

Es gibt keinen Universalschutz vor der Gefahr, auch wenn man immer den richtigen Weg geht. Wichtig ist, dass man lernt die Gefahren zu erkennen, und mit ihnen umzugehen.

Was hat Sie beim Drehen zum Lachen gebracht?
Als ich Marie Gruber als Großmutter das erste Mal mit der selbstgebastelten "Lupenbrille“ gesehen habe.

Was hat Sie beim Drehen genervt oder verwundert?
Eigentlich nichts.

Weitere Beiträge zum Märchen

RSS-Feed