Laura Berlin (Quelle: BR/Andreas Wünschirs)
Bild: BR/Andreas Wünschirs

Märchenfilm Deutschland 2009 - Schneewittchen

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" - Die Königin ist erzürnt, als der Spiegel statt ihres Namens den ihrer schönen Stieftochter Schneewittchen nennt.

Nicolas Artajo-Kwasniewski als Prinz, Sonja Kirchberger als Königin, Jaecki Schwarz als König und Laura Berlin als Schneewittchen (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Neben Sonja Kirchberger ("Neues vom Wixxer") als böse Stiefmutter, Jaecki Schwarz ("Polizeiruf 110") als König, Martin Brambach ("Das Leben der Anderen") als Jäger und Jörg Schüttauf ("Tatort") als Narr stehen Laura Berlin als Schneewittchen und Nicolas Artajo-Kwasniewski ("Wege zum Glück") als Prinz vor der Kamera. "Schneewittchen" entstand auf der malerischen Burg Kriebstein (Sachsen) und im Harz.

Das Drehbuch zu "Schneewittchen" stammt von Andreas Knaup. Regie führt Thomas Freundner ("Juli mit Delfin"). Hinter der Kamera steht Patrick Popow. "Schneewittchen" wird unter der redaktionellen Federführung des BR (Andreas M. Reinhard) von Saxonia Media Filmproduktion und Moviepool (Produzenten: Hans-Werner Honert und Ernst Geyer) im Auftrag der ARD produziert.
Erstausstrahlung am 25.12.2009 um 14:45 Uhr.

Zum Inhalt:

Es war einmal mitten im Winter, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Sie stach sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee.

Weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt' ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen! Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen (Schneeweißchen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig und konnte nicht leiden, dass sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Als ihr sprechender und allwissender Spiegel Schneewittchen und nicht sie die Schönste im ganzen Land nannte, beauftragte sie den Jäger, ihre Stieftochter umzubringen und ihr zum Beweis Lunge und Leber zu bringen. Doch der Mann ließ das Mädchen laufen.

Schneewittchen flüchtete in einen Wald, und die wilden Tiere taten ihr nichts. Sie kam zu einem Häuslein, in dem ein Tisch für sieben Personen gedeckt war, und bediente sich von ihm. Als es ganz dunkel war, kamen die Herren des Häusleins, die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gehackt und gegraben haben. Sie waren erstaunt, dass jemand von ihrem Tellerchen gegessen, aus dem Becherchen getrunken usw. hat. Im Bett des siebten Zwerges fanden sie das schlafende Schneewittchen. Als es Morgen war, erwachte Schneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie waren aber freundlich und fragten: "Wie heißt du ?" "Ich heiße Schneewittchen", antwortete es. "Wie bist du in unser Haus gekommen ?" sprachen weiter die Zwerge. Da erzählte es ihnen, dass seine Stiefmutter es hätte umbringen lassen, der Jäger ihm aber das Leben geschenkt hätte. Da wäre es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte. Die Zwerge sprachen: "Willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen." "Ja", sagte Schneewittchen, "von Herzen gern !" und blieb bei ihnen.

Währenddessen befragte die böse Königin ihren Spiegel ein weiteres Mal nach der schönsten Frau im Königreich. Er verriet ihr, dass Schneewittchen noch am Leben sei und sich hinter den Bergen im Haus der Zwerge verstecke. Drei Mal versuchte nun die Königin, Schneewittchen zu töten, indem sie sich als Händlerin verkleidete: mit einem Schnürriemen (Mieder), einem Kamm und einem Apfel. Die ersten beiden Male konnten die Zwerge Schneewittchen ins Leben zurückholen. Beim dritten Mal legten sie es in einen gläsernen Sarg, in dem es aussah, als schliefe es nur.

Es geschah aber, dass ein Königssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, um da zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Schneewittchen darin. Der Königssohn ließ ihn von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, dass sie über einen Strauch stolperten, und von dem Schüttern fuhr der giftige Apfelgrütz, den Schneewittchen abgebissen hatte, aus dem Hals. Und es dauerte nicht lange, so öffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Höhe und richtete sich auf und war wieder lebendig. Die Hochzeit mit dem Prinzen ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet.

Nach der Vorlage der Brüder Grimm

Herkunft und Deutung

Mündliche Überlieferungen von Schneewittchen sind schon früh in fast allen Völkern Europas nachweisbar. Die sieben Zwerge gehören zu einer hessischen Variante. Es waren oft sieben Räuber, aber auch Drachen oder Riesen. Besonders verbreitet war das Märchen in Italien, dort fallen die Blutstropfen auf Marmor oder Käse.

Das Motiv, den Mord am eignen Kind in der Wildnis in Auftrag zu geben und zum Beweis Organe zu verlangen, während der angeheuerte Mörder nur Tiere tötet, taucht auch in "Tausendundeine Nacht" auf.

Wie einige Grimmsche Märchen hat vermutlich auch "Schneewittchen" einen geschichtlichen Hintergrund. Der hessische Heimatforscher Eckhard Sander sieht als Grundlage für den Märchenstoff und die junge Prinzessin das Schicksal der Waldecker Grafentochter Margaretha von Waldeck. Laut Dokumenten im Stadtarchiv Bad Wildungen war sie wegen ihrer großen Schönheit weithin bekannt und hatte eine strenge Stiefmutter. Als sie etwa 16 Jahre alt war, schickte ihr Vater, Graf Philipp IV. von Waldeck, sie an den kaiserlichen Hof von Brabant ins heutige Brüssel. Auf diese Weise sollte sie mit einem Prinzen verheiratet werden. Margareta reiste über das Siebengebirge. Doch es kam zu Schwierigkeiten, als sich mehrere hochrangige Persönlichkeiten wie Graf Egmont und der Thronfolger (später Philipp II.) um Margareta bemühten. Ihre Gesundheit wurde zusehends schlechter. Schließlich starb sie am 13. März 1554 im Alter von 21 Jahren.

Schneewittchen in Film und Fernsehen

Es gibt zahlreiche Verfilmungen des Märchens. 1937 brachten die Walt Disney Studios mit "Snow White and the Seven Dwarfs" ihren ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm heraus. In Deutschland wurde "Schneewittchen" erstmals 1939 verfilmt und erneut 1956 in Westdeutschland und 1961 in der DDR unter der Regie Gottfried Kolditz.

In der deutschen Zeichentrickserie "SimsalaGrimm" war "Schneewittchen" 1999 in der zweiten Staffel, Folge 8 zu sehen. Auch in den Parodien "7 Zwerge - Männer allein im Wald" und "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" mit Otto Waalkes aus den Jahren 2004 und 2006 spielt Schneewittchen eine wichtige Rolle, ebenso wie in der Komödie "Schneewittchen - 7 Zipfel und ein Horst" in der ProSieben Märchenstunde 2006

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    Der Märchenfilm "Schneewittchen" wurde auf der Burg Kriebstein in Sachsen, in der Baumannshöhle im Harz und in der Klosterruine Ilsenburg gedreht.