Bild vom Set "Siebenschön", Foto: © hr/Katrin Denkewitz
Patricia Vasapollo (links) und Schauspielerin Barbara Meier (rechts)

5 Fragen an... - Redakteurin: Patricia Vasapollo

Natürlich hat auch Redakteurin Patricia Vasapollo ein Lieblingsmärchen. Diese und noch weitere Fragen beantwortet sie hier im Interview.

1. Hatten Sie als Kind ein Lieblingsmärchen? Und warum?

Mein Lieblingsmärchen war eigentlich immer Aschenputtel. Es ist so wunderbar romantisch, ein echtes Mädchenmärchen mit Kitsch und Liebe und Zickenkrieg. Damit bietet es noch heute die dramaturgische Vorlage für jeden zweiten Film und fast jede Soap.

Abgesehen davon hat mich die Figur des armen Mädchens und die Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt, im Innersten berührt. Beeindruckt hat mich, dass sie sich nicht resigniert in ihr Schicksal fügt, sondern sich in der Not Verbündete sucht und findet: Der Vogel auf dem Baum über dem Grab der Mutter, die Tauben, die ihr helfen bei der Arbeit und die später die bösen Schwestern verraten. Irgendwie hat mich die Vorstellung getröstet, dass, wenn du das Gefühl hast, alle sind gegen dich, es irgendwo jemanden gibt, der es gut mit dir meint.

 

2. Was hat Sie beim Dreh zum Lachen gebracht?

In einer Drehpause stand Florian Panzner (Rolle Baron von und zu Wildungen) in vollem Ornat vor seinem Pferd und wartete darauf, dass es weitergeht. Plötzlich versucht das Pferd, ihm den Hut vom Kopf zu fressen. Das war schon komisch. Leider hat eine der schönen langen Schmuckfedern die Pferdeattacke nicht überlebt. Sie hing fortan geknickt vom Hut.

 

3. Gab es während den Dreharbeiten besonders schwierige Momente?

Der Tag, an dem wir mit der königlichen Kutsche gedreht haben, war ein einziger, langer schwieriger Moment. Nicht nur, dass es schwierig war, das Gefährt mit den vier vorgespannten Pferden, samt folgenden Hochzeitszug, weiteren Pferden und unzähligen Komparsen in Bewegung zu setzen - auch die Wetterlage war eine einzige, riesige Herausforderung für das ganze Team.  Zwischendurch  stürmte, regnete und hagelte es. Und das hieß jedesmal: alles abdecken, Kutsche, Pferde, Requisiten. Sowie sich die Wetterlage beruhigte, musste alles wieder aufgefrischt werden, um ganz schnell die 5 minütigen Sonnenpausen zu  nutzen und danach ging das ganze wieder von vorne los.

 

4. Im Film sagt die Nonne Genoveva (gespielt von Esther Schweins) zu Siebenschön (gespielt von Xenia Assenza): „Für mich leuchtet Deine Schönheit aus dem Herzen. (…) Und daraus! Schönheit vergeht, Wissen bleibt!“. Könnte man meinen, das sei die Botschaft des Films? Das würde den Stoff des Märchens besonders aktuell machen?

Absolut. Der Stoff ist hochaktuell. In unserer Gesellschaft wird sehr viel Wert auf die Fassade gelegt. Dafür ist man bereit Zeit und Geld zu investieren. Leider bleiben die inneren Werte wie Bildung, Empathie und gegenseitiger Respekt dabei oft auf der Strecke. Sie sind ja auch auf den ersten Blick nicht sichtbar. Und was zählt in unserer schnelllebigen Zeit, ist der erste Eindruck. Man gönnt sich oft noch nicht mal einen zweiten Blick, um einen Menschen zu „bewerten“. Und dieses Wertesystem der „äußeren Schönheit“ wird mehr als je zuvor von den Leitmedien der modernen Gesellschaft geprägt. Man denke nur an bestimmte Fernsehformate, in denen sich junge Mädchen freiwillig dem Urteil einer Jury aussetzen, die nur die „Hülle“ beurteilen. Dieses „Schönheitsdiktat“ setzt gerade junge Mädchen unter einen enormen Druck. Und da stellt sich doch die Frage: wer oder was definiert Schönheit? Und für wen ist was schön und warum? Und kann die bloße Reduktion eines jungen Mädchens auf seine Schönheit nicht auch sehr hinderlich für die Entwicklung seiner Persönlichkeit und seelisch geradezu verletzend sein?

 

5. War das ein Grund für die Auswahl des Märchens? Wollten Sie ein Zeichen in dieser vom Schönheitswahn geprägten Gesellschaft setzen?

Auf alle Fälle!