Detlef Jany, Foto: rbb

Tierpark Berlin - Interview mit Reviertierpfleger Detlef Jany

Es gibt viele Tiere mit denen man gut umgehen kann, es gibt aber auch Tiere die einen Pfleger nicht leiden können.

Für welche Tiere sind sie hier im Tierpark/Zoo zuständig?
Ich bin im Brehm-Haus, im Raubtierrevier für die ganzen Katzen, Großkatzen, Kleinkatzen und Schleichkatzen verantwortlich. Es gehört aber ein ganzes Team dazu, damit alles gut klappt.

War der Beruf des Tierpflegers eigentlich schon immer ihr Berufswunsch Nummer 1?
Eigentlich ja, ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mal irgendwann etwas anderes werden wollte. Es war wirklich immer mein Traumberuf. Das mir dieses Revier so gut liegt, das hat sich aber erst später ergeben.

Haben sie unter den von ihnen betreuten Tieren auch einen ganz besonderen Liebling? Wenn ja, was ist an ihm/ihr so besonders?
Es gibt viele Tiere mit denen man gut umgehen kann, es gibt aber auch Tiere die einen Pfleger nicht leiden können. Momentan haben wir aber ein Puma-Mädchen hier, dass wir 2012 mit der Flasche aufgezogen haben und das ist natürlich unser aller Liebling, die kleine Missoula. Die Mutter hatte sie damals nicht angenommen und damit sie nicht auf eine einzelne Person geprägt wird, war sie reihum bei jedem mal zu Hause. Wir lieben sie alle, Missoula ist so lieb und freundlich.

Was gefällt ihnen an ihrem Beruf besonders?
Der Beruf wird nicht langweilig. Hier ist immer was los, die Tiere sind ja auch immer mal unterschiedlich gelaunt. Um manche Tiere muss man sich besonders kümmern, z.B. wenn sie krank sind. Es werden Jungtiere geboren und manchmal stirbt auch ein Tier und damit muss man dann auch erst mal umgehen. Es ist eben kein Bürojob, ich finde es sehr abwechslungsreich.

Können Sie sich an eine lustige oder dramatische Begebenheit erinnern?
Also vor etlichen Jahren, da hatten wir mal eine Löwen-Dreiergruppe und da gab es häufiger mal Rangeleien und der Rangniedrigste ist von den anderen über die Anlage gejagt worden und dann haben sie ihn in den Graben gedrängt und dort nicht mehr raus gelassen. Das haben Besucher gesehen und uns dann Bescheid gegeben. Wir sind dann gleich hin, aber es war wirklich schwierig, weil wir erst mal den Löwen, der im Wasser war, mit einem Seil fixieren mussten, damit der nicht untergeht, er war mit seinen Kräften nämlich schon ganz schön am Ende. Die anderen beiden Löwen haben wir dann versucht nach hinten, in die Übernachtungsboxen zu bekommen und das war schon ganz schön dramatisch, weil die Löwen das natürlich auch nicht wollten und es war Wochenende, der Zoo war gut besucht und am Löwengehege wurde es dann auch immer voller und voller. Eine Aktion, die zum Glück gut ausgegangen ist, aber auch den ganzen Nachmittag gedauert hat.

Hat man in so einer Situation auch Angst als Tierpfleger?
Was heißt Angst, wir sind ja nicht direkt auf der Anlage, wir agieren davor und sind hinter den Absperrungen. Man denkt da aber auch nicht lange nach, man sieht die Situation, begreift sie und versucht dementsprechend zu handeln. Bedenken kommen einem vielleicht im Nachhinein, aber dann ist es ja auch schon vorbei.

Haben Sie selber ein Haustier?
Wir haben Fische, wir hätten vielleicht auch gerne einen Hund oder eine Katze, aber meine Frau ist auch hier im Tierpark Tierpflegerin und da wir gerade im Sommer auch immer mal länger hier sind, dann wäre ja z.B. ein Hund immer so lange alleine und da tun wir so einem Tier ja keinen Gefallen mit. Die Fische kommen aber ganz gut damit klar und deshalb gibt es erst mal keine weiteren Haustiere für uns.

Wenn ich nicht Tierpfleger geworden wäre, dann wäre ich….
Keine Ahnung (lacht)…kann ich wirklich nicht beantworten.

Gibt es eigentlich Tiere, die unter den Pflegern besonders beliebt sind?
Also, eigentlich nicht. Vielleicht die Pandas im Zoologischen Garten, weil das wirklich so seltene Tiere sind und das ist schon was Besonderes. Ansonsten aber nicht, dem einen liegen Vögel, dem anderen Fische, Katzen oder Kamele, das ist ja doch sehr unterschiedlich. Das man ganz spezielle Tiere haben will, so etwas gibt es eigentlich gar nicht.

(Dieses Interview führte Silke Weiß, Redaktion: Programmbegleitende Dienste, rbb Fernsehen)