Reviertierpfleger Marco Hasselmann, Foto: Silke Weiß

Zoo Berlin - Interview mit Reviertierpfleger Marco Hasselmann

Der leidenschaftliche Aquarist wollte eigentlich Malerei und Grafik studieren, aber dann kam alles doch ganz anders.

Für welche Tiere sind sie hier im Tierpark/Zoo zuständig?
Die Fischabteilung hier im Aquarium ist in den Meeres- und Süßwasserbereich unterteilt und ich bin für die Süßwasserfische verantwortlich. 555 Knochenfischarten gibt es hier im Aquarium und ich kümmere mich um rund 300 davon und das dürften wiederum so ca. 4000 Fische sein.

War der Beruf des Tierpflegers eigentlich schon immer ihr Berufswunsch Nummer 1?

Nein, eigentlich nicht. Mein Vater hatte ein Buch über Aquarien und da habe ich schon als ganz kleiner Junge sehr gerne drin rumgeblättert und dann kam auch bald das erste Aquarium. Das war für mich schon immer ein leidenschaftliches Hobby. Eigentlich wollte ich aber Malerei und Grafik studieren oder Schriftsteller werden. Es kam dann aber alles anders und ich habe erst einmal eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht. Die Fachschule habe ich dann nicht beendet, weil sich die Option bot in einer Zierfischzucht zu arbeiten und das habe ich dann auch gemacht. Nach der Wende habe ich mich dann gleich im Aquarium beworben und bin genommen worden. Ich glaube, ich war damals der erste "Ossi", der hier im Berliner Zoo gearbeitet hat.

Wie sieht die Ausbildung im Aquarium aus?

Unsere Auszubildende arbeiten ein Jahr im Zoo und dann zwei Jahre bei uns im Aquarium. Am Ende ihrer Ausbildung sind sie dann Zoo-Tierpfleger mit der Spezialisierung Vivaristik (umfasst dann die Bereiche Aquaristik und Terraristik).Haben sie unter den von Ihnen betreuten

Tieren auch einen ganz besonderen Liebling? Wenn ja, was ist an ihm/ihr so besonders?

Bei so vielen Fischen kann man es sich natürlich gar nicht leisten, besondere Lieblinge zu haben. Man hat zu Fischen auch keine enge Beziehung, wie es in manchen Revieren im Zoo der Fall ist. Es gibt allerdings Fische die können nicht nur Pfleger von Besuchern unterscheiden, die können auch die einzelnen Pfleger erkennen. Mich interessieren aber immer mal bestimmte Fische, mit denen man sich auch privat etwas mehr beschäftigt. Bei mir sind es gerade kleinere Barsche aus Westafrika und die elektrischen Welse (Zitterwelse). Das ist schon faszinierend, wenn man nach Afrika reist und deren Biotope untersuchen kann.

Was gefällt Ihnen an ihrem Beruf besonders?
Ich kann mich mit der Tiergruppe befassen, mit der ich mich schon immer am liebsten befasst habe. Meine Arbeit ist sehr vielfältig, wir haben so viele verschiedene Fischarten über die man sich Fachwissen aneignet. Es macht sehr viel Spaß ein Becken neu aufzubauen und sich dann darum zu kümmern. Wir schaffen hier die Lebensräume für die Fische und müssen die Bedürfnisse von Besuchern und Fischen ins Gleichgewicht setzen. Außerdem haben wir hier enorm viel Technik und das Angebot reicht von ganz alt bis hochmodern. Physik und Chemie spielt bei unserer Arbeit eine große Rolle. Insgesamt also eine sehr spannende Aufgabe.

Können Sie sich an eine lustige oder dramatische Begebenheit erinnern?
Sagen wir mal so, bei uns ist zum Glück noch nichts Dramatisches passiert, aber unsere Fische sind z.T. natürlich auch sehr gefährlich. Es gibt sehr giftige Fische (z.B. Stachelrochen), Fische die gefährlich beißen können (Pyranhias, Muränen z.B.) und Zitterrochen, Zitterale und Zitterwelse, die Strom abgeben können.
Eine weitere Gefahrenquelle ist bei uns noch die ganze Licht- und Filtertechnik in den Aquarien, die natürlich mit Strom betrieben wird. Da kontrollieren und warten wir auch regelmäßig, damit da nichts passiert.

Haben Sie selber ein Haustier?
Ja, ich habe Fische (lacht).

Wenn ich nicht Tierpfleger geworden wäre, dann wäre ich….
gerne Grafiker oder Schriftsteller geworden, vielleicht auch Musiker.


(Dieses Interview führte Silke Weiß, Redaktion: Programmbegleitende Dienste, rbb Fernsehen)