Studio Görlitz

- Zur Geschichte des sorbischen Hörfunks/K stawiznam serbskego rozgłosa

Seit dem 14. Oktober 1948 gibt es sorbischsprachige Sendungen im deutschen Rundfunk, erste niedersorbische Beiträge seit 1950.
Wót lěta 1948 dajo serbske wusćełanja w nimskem rozgłosu. How namakaśo wěcej wó stawiznach Serbskego rozgłosa.

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Daten und Informationen

Mit der Gründung der neuen Rundfunkanstalten unter dem Dach der ARD fand sich die sächsische Oberlausitz nun im Bereich des MDR wieder und die brandenburgische Niederlausitz im Sendebereich des ORB. So kam es zur Teilung der Sorbischen Redaktion in das Studio Bautzen des MDR und in die Niedersorbische Redaktion des ORB (später Sorbische Hörfunksendung des ORB/heute rbb).
Hinzugefügt sei, dass der (ORB) rbb neben der Hörfunksendung in niedersorbischer/wendischer Sprache seit April 1992 auch ein monatliches halbstündiges Fernsehmagazin ausstrahlt. Damit wurde dem Rundfunkgesetz des Landes Brandenburg entsprochen, in dem es u.a. heißt: "Der regionalen Gliederung und der kulturellen Vielfalt des Landes Brandenburg sowie der sorbischen Kultur und Sprache ist im Programm Rechnung zu tragen".

Dieser Aufgabe stellt sich auch das neue Gesetz über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Länder Berlin und Brandenburg für den rbb. Wie auch im Rundfunkrat des ORB sind die Sorben/Wenden mit einer Stimme im Rundfunkrat des rbb vertreten.

In den fünf Jahrzehnten von 1953 bis heute hat sich die Gesamtsendezeit der ober- und niedersorbischen Sendungen auf über 30 Stunden wöchentlich erweitert, davon strahlt das Studio Cottbus des rbb wöchentlich 11,5 Stunden niedersorbische/wendische Hörfunksendungen und 1 Stunde Jugendmagazin im Monat aus.

Das Studio Bautzen des MDR und die Mitarbeiter der niedersorbischen/wendischen Hörfunksendung im Studio Cottbus des rbb kooperieren miteinander im Informationsaustausch, bei technischer Hilfeleistung und vor allem im Bereich der Musikproduktion.

Beide Programme bzw. Sendungen werden länderübergreifend auf der Frequenz UKW 100,4 MHz des MDR (Strahler in Hoyerswerda) und über UKW 93,4 MHz (Sendeturm, Standort Calau) gesendet. Somit sind sie in der Ober- und Niederlausitz gleichzeitig zu empfangen.

Die Musik für die sorbischen Hörfunksendungen entsteht von Anbeginn des Programms in Eigenproduktion. Über 6500 Titel verschiedener Genres - vom Kinderlied bis zur Volksmusik, Tanz- und Unterhaltungsmusik, Chordarbietungen, Choräle, konzertante Werke bis zu Sinfonien und Oratorien - sind im Auftrag der Rundfunkanstalten auf Tonträger aufgezeichnet worden. Sie machen den größten Teil der Musik in sorbischen Radiosendungen aus.

Jährlich kommen zahlreiche Neuaufnahmen hinzu, auch mit jungen begabten Komponisten, Sängern und Musikern aus der Niederlausitz. Damit wurde wesentlich zur Erforschung des sorbischen musikalischen Erbes sowie zum Gegenwartsschaffen und seiner Verbreitung durch Tonträger und Konzerte beigetragen. Neben Konzerten z. B. mit der Dresdner Philharmonie oder dem Poznaner Knabenchor in früheren Zeiten seien die jährlichen sorbischen Nachwuchskonzerte des ORB/rbb gemeinsam mit dem Cottbuser Konservatorium genannt, der nun schon dritte Kompositionswettbewerb in Kooperation mit der Stiftung für das sorbische Volk und auch die Sonntagskonzerte mit sorbischer populärer und volkstümlicher Musik.

Niedersorbischen Rundfunkjournalisten ist es auch zu verdanken, dass altes Liedgut aus den Dörfern - zur Spinte, Festen und auch bei der Arbeit gesungen - nicht verloren ging. Diese bei ihren Recherchen aufgezeichneten Volkslieder wurden im Auftrag des Rundfunks bearbeitet und so wiederbelebt.

Die sorbischen Hörfunksendungen haben einen Informations-, Kultur- und Bildungsauftrag zu erfüllen. Darum bemühten sich die Mitarbeiter von Anbeginn (bis 1989 natürlich auch eingebunden in die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse).

Die Thematik in den Informationssendungen befasste sich vor allem mit der Entwicklung auf dem Land (z. B. Kommunales, Landwirtschaft, kulturelles Leben, Schulwesen oder ganze Dorfbilder, die neben aktuellen auch geschichtliche Inhalte hatten. Nicht zuletzt spielte in der Berichterstattung der Braunkohlentagebau in der Lausitz eine große Rolle, dem viele sorbische Dörfer zum Opfer fielen.

Besonderes Augenmerk galt sorbischen Belangen, der Domowina, den wissenschaftlichen Instituten und Einrichtungen, der Tätigkeit der sorbischen kulturellen Zentren und natürlich auch der Nationalitätenpolitik der DDR sowie des Auslandes. Den sorbischen Journalisten war es wichtig, die Hörer in das Programm einzubeziehen, was besonders durch viele Livesendungen (Verlegung des Sonntagsprogramms in ein Dorf) gut gelang.