Eine Besucherin schlendert mit Audio-Guide durch das Museum für Islamische Kunst. (Bild: rbb)
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- Versteckte Schätze der islamischen Welt

Für seine "orientalischen Schätze" gründete Kaiser Wilhelm I. das Museum für Islamische Kunst. Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen islamischer Kunst weltweit. Direktor Stefan Weber erzählt, wie das Projekt zur Rettung des syrischen Kulturerbes nach Berlin kam.

Wenn man nicht weiß wo es ist, kann man glatt daran vorbeilaufen – am Museum für Islamische Kunst. Im Pergamonmuseum ist es zu finden. Links die Treppe hoch, zweiter Stock – dort sind sie, jede Menge Schätze aus der islamischen Welt. Museumsdirektor Stefan Weber lebt prächtig mit der etwas versteckten Lage. Die Besucherzahlen haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Stefan Weber kann für seine Sammlung begeistern. Er sieht auch in Scherben und Keramikschälchen die ganz große Story – Omas blau-weißes Kaffeeservice zum Beispiel hat ihren Ursprung im arabischen Raum. Schon im neunten Jahrhundert gab es dort einen schwunghaften Handel mit China.

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Die Story ist die, dass man aus China halt diese Objekte geholt hat und das ein bisschen zu weiß war. Einerseits hat man versucht, es nachzumachen. Man hat Keramik gemacht, also billiger, nicht Porzellan, mit weiß und hat dann darauf dieses altorientalische Blau. Ob es nun Meißen ist, Delft oder die Bollhagen-Keramik, all diese großen Traditionen von Blau-Weiß, Keramik und Porzellan gehen eigentlich zurück auf diese Story hier."

Verbindungslinien - die sind das große Thema im Museum für Islamische Kunst. Ein fast 1000 Jahre alter Superstar des Museums aus Ägypten, erzählt zum Beispiel von den Urahnen des Rock’n’Roll.

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Die spielen alle ein Instrument. Diese Instrumente, ob es nun die arabische Gitarre, die Oud, ist – die geht dann nach Europa. Aus der Oud wird die Laute, aus der Laute wird die Gitarre. Und ich sage das immer gerne so: ohne diese Guys hier gäbe es Elvis Presley nicht, denn dann hätte er keine Gitarre gehabt."

Dass dieses Museum in Berlin angesiedelt ist, ist dem Weitblick seiner Gründungsväter zu verdanken: Damals, 1904, war es das erste in der westlichen Welt, anfangs noch im Bodemuseum untergebracht. Diese Gläser zum Beispiel haben Berliner Forscher in Syrien ausgegraben.    

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Ich habe extra so ´ne alte Vitrine genommen, die ist 100 Jahre alt, weil das vor 100 Jahren schon so ausgestellt worden ist, das Glas. Das kam damals frisch aus ´ner Grabung. Berlin ist eigentlich der Geburtsort der islamischen Archäologie."

1932 zieht die Ausstellung ins Pergamonmuseum. Ein weiteres Prunkstück kommt hier besonders zur Geltung. Ein aufgegebener Kalifen-Palast aus Jordanien – die Mschatta-Fassade. Ein Fest für Kunsthistoriker - hier verbinden sich antike, christliche und islamische Elemente.

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Als wir 1903 dieses bekommen haben war es für uns nicht nur die Geburt dieses Museums, sondern eigentlich die Geburt der islamischen Kunstgeschichte. Weil man jetzt überlegen musste: was ist denn das eigentlich?"

Viel ist in den vergangen Jahren im Irak und besonders in Syrien zerstört worden. Das Entsetzen war groß. Stefan Weber hat dem etwas entgegen gesetzt – mit dem großen Archiv-Projekt, in dem syrisches Kulturerbe erfasst wird. 

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Wir gehen selbst auf Syrer zu und sagen, erzählt doch mit, was euer Kulturerbe ist. Denn im Endeffekt ist es ja so, dass das Kulturerbe für die Syrer wichtig sein muss und wir auch nicht das Recht haben, ihnen vorzuschreiben, was wichtig ist."

Auch das Projekt „Multaka“ ist daraus entstanden, bei dem Geflüchtete durch das Museum führen. Razan Nassreddine stammt aus Syrien – seit vier Jahren gibt sie hier regelmäßig Führungen. Ihr Lieblingsstück: eine 500 Jahre alte Hausnische aus Damaskus.

Razan Nassreddine, Museumsführerin

"Meine Schule war in der Altstadt von Damaskus und diese Nische, diese Farben von dieser Nische, hatten wir zum Glück auch in dieser Schule. Das war schön eigentlich, denn wir waren auch sehr gemischt, viele Religionen drin."

Dr. Stefan Weber, Direktor Museum für Islamische Kunst

"Diese stalaktitenartigen Elemente, diese Mosaike, all das ist in jüdischen, muslimischen und christlichen Häusern gleich. Wir hatten dort schon plurale Gesellschaften, da haben sich bei uns noch die Katholiken und die Evangelen die Köpfe kaputt geschlagen. Die haben meistens nebeneinander und miteinander ganz gut gelebt."

Ein Ort voller faszinierender Geschichten – und ein bereichernder Blick auf die islamische Kultur. Man muss nur diese eine Treppe hinaufgehen  – einen Fahrstuhl gibt es aber auch. 

Autor: Steffen Prell

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