Issam Hajjar arbeitet im Syrian Heritage Archive Project. (Bild: rbb)
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- "Syrian Heritage Archive Project"

Im Museum für Islamische Kunst werden hunderttausende Texte, Fotos und Dokumente von Wissenschaftlern archiviert und digitalisiert. Der Syrer Issam Hajjar arbeitet seit 2015 an dem Projekt. Er ist selbst Fotograf und besitzt eine riesige Sammlung von Fotos aus Syrien.

Die Altstadt von Damaskus, hier ist er gerne spazieren gegangen – damals. Issam Hajjar fällt es schwer, sich die eigenen Aufnahmen seiner Heimatstadt anzuschauen.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

„Gefühle musst du komplett beiseiteschieben, sonst wird es sehr schwierig diesen Job zu machen. Wenn du jeden Tag Fotos von dort anschaust, all die Erinnerungen und Gefühle die damit dann hochkommen… Das muss draußen bleiben. Ich könnte sonst nicht arbeiten, nicht weitermachen.“

Noch ein Blick auf sein letztes Foto von Damaskus: ein Schnappschuss mit dem Handy, aufgenommen am Tag bevor er Syrien verlässt. Bald sieben Jahre ist das her. Im Sommer 2012, geht er mit Frau und Kindern nach Kairo, dann nach Istanbul. 2015 holt ihn das Museum für Islamische Kunst nach Berlin. Mit deutschen und syrischen Kollegen arbeitet Hajjar hier an einem digitalen Archiv, das zeigen soll, wie Syrien einmal ausgesehen hat.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

„Wir haben mittlerweile mehr als 200.000 Einträge….und trotzdem haben wir noch viel zu tun. (lacht)“

Issam Hajjar sichtet auch alte Nachlässe, die ihnen teilweise zugeschickt werden. Darin verbergen sich oft wahre Schätze, für einen Archivaren wie ihn eine Fundgrube. Er selbst fotografiert, seitdem er 18 ist. Die offiziellen Postkarten von Damaskus gefielen ihm nicht, er wollte seine Heimatstadt zeigen, wie er sie sah.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

„Das hier ist Malula.“

Bilder von den Dörfern, rund um Damaskus. Diese Dias-Sammlung hat Hajjar eher zufällig aus dem Nachlass eines deutschen Geographen erhalten. Fotografien aus den 70ern.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

„Viele diese Dörfer sind längst verschwunden…. also sogar schon in den Jahren vor dem Krieg. Diese alte Bauweise gibt es nicht mehr.  Nur noch Zement und Beton, ohne jegliche Identität.“

Ich habe ihm ein paar Fotos mitgebracht aus meiner Zeit in Syrien,  aus dem Jahr 2009. Issam Hajjar wünscht sich, dass jeder, der solche Fotos hat, diese dem Projekt zur Verfügung stellt. Egal aus welcher Zeit. Er ist zuversichtlich, dass er bald nach Syrien zurückgehen kann. Dann würde er gerne dabei helfen, ein syrisches Nationalarchiv aufzubauen.

 Stefanie Groth, Reporterin

„Könnt ihr einfache Privataufnahmen wie meine denn überhaupt für euer Archiv gebrauchen?“

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

„Ja, doch … die geben ein ganz gutes Bild ab. Besonders interessieren mich solche Fotos hier, weil sie das Menschliche wiederspiegeln.“

Issam Hajjar und seine Kollegen wollen dass das Land, so wie sie es kennen, nicht vergessen wird. Die zerstörten Gebäude können sie von hier aus nicht retten, aber seit Jahren dokumentieren sie die  Kriegsschäden.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project”

"Unfassbar! Das ist der gleiche Ort!"

Die Altstadt von Aleppo. Vor dem Krieg und Heute, komplett zerstört. Das Team arbeitet von Berlin aus daran, Fotos zusammenzustellen, anhand derer die Gebäude rekonstruiert werden können – irgendwann einmal.

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project"

"Kein Krieg dauert ewig und wir sind hier schließlich  in Berlin, das ist ein Positivbeispiel für uns."

Stefanie Groth, Reporterin

„Ein Beispiel für eine Stadt die komplett zerstört war…?“

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project"

„Genau. Die ganze Stadt war im Prinzip tot, wurde aber wieder zum Leben erweckt.“

Stefanie Groth, Reporterin

„Macht Ihnen das Hoffnung?“

Issam Hajjar, Fotodokumentar “Syrian Heritage Archive Project"

„Klar. Ohne Hoffnung können wir schließlich nicht leben.“  

Autorin: Stefanie Groth

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