Gottfried Grafe restauriert die Friedrichwerdersche Kirche immer wieder seit den 1980er Jahren. (Bild: rbb)
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- Die Friedrichswerdersche Kirche - Stein für Stein

Restaurator Gottfried Grafe hat die Friedrichswerdersche Kirche in den achtziger Jahren zum ersten mal wieder hergestellt. Es ist klar, dass er ihr auch dieses Mal half, als sie im Märkischen Sand zu versinken drohte. Er weiß alles über diese Kirche.

Es ist sein Ritual, jedes Mal, wenn er hierher kommt: Er prüft die Kirche von unten bis oben. Seit vier Jahrzehnten sorgt Restaurator Gottfried Grafe dafür, das die Friedrichswerdersche Kirche erhalten bleibt.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Das berührt mich, weil da auch viel drin steckt, womit ich mich beschäftigen musste, mit dem Bauwerk insgesamt, mit der Architektur, den Bautechniken und Maltechniken und alles das damit zusammenhängt, ja. Die Kirche ist ein Kunstwerk."

An diesen Teil der schweren Eisengusstür will er eigentlich noch mal ran – Rost. Aber mit dem Innerraum ist er jetzt zufrieden. Alles so, wie Karl Friedrich Schinkel sie erbaut hat. 1831 war sie fertig, nach heute beeindruckenden sechs Jahren.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Ursprünglich war sie anders geplant, im klassizistischen Stil. Dann war das mehr ein Konfliktfall zwischen Kronprinzen und Schinkel sozusagen. Er hat dann noch andere entwürfe im gotischen Stil vorgelegt und einer wurde dann akzeptiert."

Schön mittelalterlich hat es sich Kronprinz Friedrich Willhelm gewünscht.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Dieser Innenraum hat eine ganz besondere Ausstrahlung und Wirkung insbesondere die Chorfenster. Es ist eine Farbsinfonie Schinkels – dieses himmlische blau und diese Engel. Und diese Fenster sind noch die Originalfenster. Die wurden vorm Krieg ausgelagert und wurden Anfang der 80er Jahre wiedergefunden."

Ein Glück für die Kirche, die der Krieg stark beschädigt hat, und die Gottfried Grafe als er hier in den 80er Jahren geholt wird so vorfindet.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Also es war schon eine Herausforderung."

Es ist ein  Backsteinbau mit einer Spezialität. Die Decke, die Gottfried Grafe viel Zeit und Farbe gekostet hat, genaugenommen 12 000meter Pinselstrich mit Licht und Schattenwirkung versteht sich.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Man denkt vielleicht, das ist alles richtiges Ziegelmauerwerk, ist es aber nicht.Es ist alles gemalt und dann haben wir die gewölbekappen, die sind ziegelsichtig dargestellt. Das ist auch alles gemalt, mit diesen  Lilieneinfassungen. Was wir hier an den Wänden haben ist Sandsteinimitation. Das ist alles nur gemalt."

Die Zeitung hat er noch von der Wiederöffnung 1987: Ein großer Tag für Grafe und die  DDR.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Das war vorgesehen diese Kriche zur 750 Jahrfeier zu eröffnen, das war dann ein ganz schöner Zeitdruck auch."

Seit dem wird sie als Museum und Ausstellungsraum genutzt.

Alles gut, bis 2012 zu nah Luxuswohnungen gebaut werden. Da droht die Kirche auseinanderzureißen. Und wieder wird Gottfried Grafe gerufen, um sie zu reparieren.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Ich nehme ein Fernglas um zu prüfen, ob sich wieder Risse gebildet haben, die wir in den letzten Jahren geschlossen haben. Bisher hat sich nichts also ist nichts nachweisbar. Das heisst wir haben genau richtig gearbeitet."

Sieben Jahre hat es diesmal gedauert, um zu sehen ob vom Boden, über die Empore, hinauf die Treppe bis hoch in die Turmspitze wirklich alles perfekt gekittet ist. Selbst hier auf dem Dach muss Gottfried Grafe prüfen ob alles noch steht.  Eine schwindelerregende Sache. Die er in Kauf nimmt, denn wenn an der Friedrichswerderschen Kirche etwas bröckelt dann tut es Gottfried Grafe in der Seele weh.

Gottfried Grafe, Restaurator
"Der Bau ist auch mit mein Lebenswerk, na und Schinkels sowieso."

Und so bleibt Gottfried Grafe seiner Friedrichswerderschen Kirche noch eine Weile treu.

Autorin: Theresa Majerowitsch

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