Skulpturen-Depot der Alten Nationalgalerie (Bild: rbb)
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- Im Skulpturen-Depot

Im Sommer 2020 zeigt die Alte Nationalgalerie eine neu konzipierte Ausstellung aus dem Bestand von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich. Der Leiter der Alten Nationalgalerie Dr. Ralf Gleis und die Kuratorin Yvette Deseyve zeigen im Depot, wie eine solche Schau entsteht.

Eigentlich ist ganz Berlin-Mitte ein einziges Freilichtmuseum in Sachen Karl Friedrich Schinkel.

Da drüben die Friedrichswerdersche Kirche. Fünf Minuten Fußweg von dort sind es zum Alten Museum – ein Superstar für Berlin-Reisende. Das da oben sind übrigens ionische Kapitelle. Und wenn man um die Ecke biegt – die Alte Nationalgalerie. Von einem Schinkel-Schüler erbaut, der Einfluss des Lehrers unverkennbar.

In der Alten Nationalgalerie ist Ralph Gleis der Hausherr. Im Treppenaufgang zeigt er uns ein Gemälde von Karl Friedrich Schinkel – eine Ruine, von der Natur zurückerobert, aber auch ein gotischer Dom.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie
"Er war Maler, Architekt, Designer, aber eben auch mit dem Lehren und der Theorie befasst. Und natürlich ist dieses Bild auch eine kurz gefasste Theorie der Architektur. Und das war eigentlich ein Rückblick in die Vergangenheit, die man dann im 19. Jahrhundert in der baulichen Tätigkeit wiederfindet."

In der Skulpturenhalle: der Meister als kleine Statue. Selbstbewusster Blick. Ein junger Mann auf dem Weg nach oben.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie
"Etwa Dreißigjährig fängt er an, einer der wichtigsten Architekten für den preußischen König zu werden. Ich finde, man erkennt auch ganz gut, dass er so´ne ziemliche Pranke hat. Das ist neben dem Blick ja auch noch so’n Ausdrucksmoment, wo man sieht: das ist jemand mit Energie, mit Kraft."

Ein Workaholic, würde man heute sagen. „Der Blick in Griechenlands Blüte“ - noch ein Schinkel-Gemälde, eine antike Baustelle. Der Ausdruck vom „Spree-Athen“ erklärt sich da auf einen Blick.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie
"Er hat hier etwas gezeigt, was dann auch in seinen klassizistischen Bauten, allen voran im Alten Museum realisiert wurde."

Da wären zum Beispiel: die ionischen Kapitelle, aber das nur am Rande. Im Depot der Alten Nationalgalerie lagern Skulpturen, die demnächst in der Friedrichswerderschen Kirche ausgestellt werden. Yvette Deseyve und Ralph Gleis bereiten zur Zeit die Ausstellung vor. Wir treffen einen alten Bekannten. Karl Friedrich Schinkel als Statue.

Yvette Deseyve, Kuratorin für Skultptur und Plastik
"Wir haben auf der einen Seite diesen zeitgenössischen Habitus, wir haben diesen Menschen Schinkel, mit dem Gesicht, mit der Halsbinde und gleichzeitig hat Tieck das wunderbar gelöst, indem er diesen Mantel wie so ne römische Toga sozusagen umgeworfen hat."

Und dann gibt’s noch ne kleine Überraschung.

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie
"Hier unten ist eben auch nochmal so ein ionisches Kapitell."

Was auch sonst - möchte man sagen. In der Skulpturenausstellung wird Karl Friedrich Schinkel nicht der Hauptdarsteller aber ein wichtiger Bezugspunkt sein. Diese Nymphe, eine Nereide, stand im Ballsaal eines von Schinkel erbauten Stadtpalais‘ – ungefähr dort, wo heute das Hotel Adlon steht. Kunsthistoriker haben ihre Freude am Detail.

Yvette Deseyve, Kuratorin für Skultptur und Plastik
"Wenn man sich das auch anschaut, wie die Haare so gewellt sind."

Im Nachbarraum geht es kunstgeschichtlich ein paar Jahrzehnte weiter, bis in die Kaiserzeit. Auch einige Werke, die lange nicht ausgestellt waren, feiern in der Friedrichswerderschen Kirche ihr Comeback. Adolf von Hildebrands „Schlafender Hirtenknabe“ zum Beispiel. 1873, da war Schinkel schon über 30 Jahre tot – aber sein Kirchenbau wird für alle Kunstwerk der ideale Ort sein.

Yvette Deseyve, Kuratorin für Skultptur und Plastik
"So einer Figur tut es einfach wahnsinnig gut, wenn sie Raum und Platz und Luft und Licht hat."

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie
"Und freuen uns sehr darauf, dass wir hier einen Raumkünstler wie Schinkel hatten, der uns die Bühne bereitet hat für diese großartige Skulpturenausstellung."

Noch ein paar Monate Winterschlaf – ab September sind die Schätze für alle zugänglich.

Autor: Steffen Prell

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