Fotograf Akinbode Akinbiyi betrachtet ein Bild seiner Ausstellung im Berliner Gropius Bau. (Bild: rbb)
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- Fotoausstellung Akinbode Akinbiyi

Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi hat auf der ganzen Welt das menschliche Zusammenleben festgehalten. Der Berliner Gropiusbau zeigt seine Arbeit.  

Der Strand in Lagos, Nigeria: Fotos von Akinbode Akinbiyi. Der in London geborene Nigerianer lebt seit 30 Jahren in Berlin. Er hat bei der Documenta ausgestellt – die Schau im Gropiusbau ist die erste in Berlin.

Starke Bilder vom Chaos der Großstadt, dem Zusammenleben der Menschen – in Afrika und hier. Fotografieren, das ist für Akinbode Akinbiyi:  spielerische Bewegung.

Akinbode Akinbiyi, Fotograf
"Ich tanze sehr gern. Und in meinen Wanderungen ist es dann so, dass ich versuche mit meinen Mitmenschen, mit meiner Umgebung indirekt direkt zu tanzen. Aber eher so wie Walzer, nicht so wie Rock, so ganz ganz feinfühlig."

Was und wie er fotografiert, in Lagos oder in Berlin, mit seiner alten analogen Kamera, das hat ihm den Ruf eines Wanderers zwischen Welten eingetragen. Dabei stößt er – hier wie dort - unfreiwillig immer öfter auf dieselben Motive.

Akinbode Akinbiyi, Fotograf
"Es gibt Konstanten. Und zwar: Einkaufen. Man fliegt nach Johannesburg, der Flughafen ist wie eine Shopping-Mall, er ist eigentlich eine Shoppingmall. Und überall,  ob  hier in Berlin ist -   Shoppingmall - oder Lagos,  auch Shoppingmall. Chikago, immer wieder dieses Ding. Und dann auch mit der Gastronomie, Restaurants oder so: So dass unser Leben weltweit  wird immer mehr ähnlich."

Seine Fotos zeigen Leben und Alltag der Menschen. Alles geschieht auf der Straße, sagt Akinbiyi, man muss nur genau hinsehen und im richtigen Moment den Auslöser drücken.

Natasha Ginwala, Ausstellungskuratorin
"Er bewegt sich bewusst im Süden wie im Norden dieses Globus. Aber er macht keine Unterschiede, er sucht – bei allem, was diesen beiden  Welten politisch und sozial unterscheidet – nicht die Gegensätze, sondern das, was sie verbindet."

Ein ganzer Raum bei der Ausstellung ist dem „African Quarter“ im Berliner Wedding gewidmet. Dem Kiez rund um die Afrikanische Straße, ein Produkt deutscher Kolonialgeschichte. Alles begann mit einer abstrusen Idee.

Akinbode Akinbiyi, Fotograf
"Ende des 19. Jahrhunderts wollte ein großer Zirkusbesitzer eine Art Zoo dort aufbauen. Mit Menschen in diesem Zoo drin, aus den ehemaligen Kolonien Deutschlands. Das ist zum Glück nicht zustande gekommen. Und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es dann ein Wohnviertel. Heute gibt es 23 afrikanische Straßennamen in der Ecke. Und das hat mich hingezogen, da geh ich immer wieder hin und mach Fotos."

Berlin, die Stadt als Bühne: Akinbode Akinbiyi taucht ein in den Strom, in das Getriebe der Stadt. Menschen, Momente – alles wie beiläufig festgehalten. Bilder, für die man sich Zeit nehmen muss.  

Natasha Ginwala, Ausstellungskuratorin
"Diese Ausstellung erzählt etwas von Orten, ohne nostalgisch zu sein. Sie öffnet uns den Blick für häufig übersehende Details des Alltags: Das, was all die Handykameras, die sich auf diese Stadt richten, verpassen."

Er selbst würde es so nicht sagen, aber - er ist ein Philosoph mit der Kamera.

Akinbode Akinbiyi, Fotograf
"Ich werde immer langsamer, in dem Sinne dass ich versuche, immer weiter, tiefer zu verstehen. Mich selbst, meine Mitmenschen, die Umgebung: Was läuft hier eigentlich, und wie geht es weiter?"

Diese ganz große Frage kann am Ende auch die Ausstellung nicht beantworten. Doch die ungewöhnlichen Perspektiven dieses Fotografen sind faszinierend.

Akinbode Akinbiyi, Fotograf
"Ich sehe mich eher als Wanderer in der Welt, nicht zwischen den Welten. Es ist wirklich, ich sehe das immer mehr, es ist EINE WELT."

Akinbode Akinbiyi im Gropiusbau – ab 7. Januar.

Autor: Andreas Lueg

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