Die Geschichte der Neuen Bühne Senftenberg (Bild: rbb)
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- Geschichte des Theaters Senftenberg

Das kleine Theater „Neue Bühne Senftenberg" wurde vor 74 Jahren gegründet und erfand sich nach 1990 neu.

Heinz Klevenow wird in diesem Jahr 80 und ist damit immer noch zu jung, um die gesamte Geschichte der "Neuen Bühne Senftenberg" zu kennen. 1969 stand er hier zum ersten Mal auf der Bühne. Da gab es das Theater schon über 20 Jahre.

Als man in Senftenberg noch dabei war, die letzten Kriegstrümmer zu beseitigen, wurde, 1946, das Stadttheater in der Turnhalle einer Schule gegründet.

Wir haben im Archiv Fotos, Zeitungsartikel und Programmhefte gefunden. Erinnerungen werden wach.

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Das hier war die Belegschaft von 1946. Das war das Stadttheater, das eröffnet ist. Das ist das Schulgebäude Rathenau. Und hier ist das Theater oder das, was früher die Aula war
."

Die Turnhalle wird schnell erweitert und der Ruf des Theaters erstklassig. Viele erfolgreiche Schauspielerinnen und Schauspieler, unter anderem Annekathrin Bürger, starten hier ihre Karriere.

Geprobt wird damals ununterbrochen. In manchen Jahren gibt es alle zwei Wochen eine neue Premiere.

Annekathrin Bürger, Schauspielerin
"Guck mal, ich komm nach Hause. Der einzige Mensch, bei dem ich jetzt noch Verständnis erhoffe und Hilfe suche, ist mein Vater."

Viele Stücke handeln von Brigaden und Konflikten in Betrieben. Ab 1959 nennt sich das Haus im Kohlerevier "Theater der Bergarbeiter".

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Es war schon der Weg des Theaters auch bei der Suche nach den Stücken, wo finden wir Stücke, wo die Auseinandersetzung so sein kann, dass sie Mut macht es auch zu tun. Wir hatten sehr oft Proben gehabt davor, wo gerade unsere Brigaden eingeladen waren, sodass man sich mit denen unterhalten hatte, was sozusagen in der Realität eigentlich ist. Denn wir wussten so genau auch nicht, wie das im Betrieb läuft."

Künstlerisch herrscht hier ein hohes Niveau. Die Bühnentechnik jedoch ist nicht mehr zeitgemäß und wird zunehmend marode.

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Die Feuerwehr hatte immer irgendwo so einen Punkt gehabt, wo man eigentlich das Theater hätte zumachen müssen, weil es zu gefährlich ist. Und das war auch nicht sehr stark besetzt, was die Technik ist, denn auch zu meiner Zeit war das so, dass viele Schauspieler, unter anderem ich auch, bei der Technik ausgeholfen haben."

1988 endlich der lang ersehnte Umbau. Mittendrin: Die Wende. Heinz Klevenow wird Intendant. Mit Hilfe der Einwohner von Senftenberg wird die Sanierung dennoch zu Ende geführt.

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Das war das Glück dieses Theaters, weil es wäre verschwunden von der Fläche. Es wäre nicht mehr vorhanden gewesen. Da hätte man dann nur wirklich mit einem Bulldozer ran und das wegräumen können."

Aber den Umbruch in der Gesellschaft bekommt das Theater massiv zu spüren. Für Klevenow wird es ein ständiger Kampf um Zuschauer und Gelder. Über die Hälfte der Mitarbeiter muss er entlassen, politischen Druck ausüben und die "Neue Bühne" zum Kinder- und Jugendtheater machen, um weiter existieren zu  können. Als Sprungbrett für die große Karriere dient Senftenberg aber nach wie vor. Milan Peschel spielt hier 1996 den Hamlet.

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Es bedeutet schon eine große Anstrengung junge Schauspieler, begabte junge Schauspieler, hierherzubekommen. Ich kriege sie nur hierher, wenn ich ihnen Rollen anbiete, die sie an einem größeren Haus, wo sie hingehen könnten, einfach noch nicht kriegen."

Heinz Klevenow hat das Haus durch die schwierigste Zeit seiner Geschichte gebracht. Jetzt steht es wieder auf sicherem Boden und Klevenow kann unbeschwert das machen, was er am liebsten tut: Spielen.  

Heinz Klevenow, ehem. Intendant
"Und hier müssen wir uns verabschieden. Wenn ihr dort oben reingeht, wird es nachher vielleicht ungemütlich für euch. Macht es gut. Alles Gute. Wir müssen zur Arbeit."

Autorin: Lilli Klinger

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