Musiker Mirko Warnatz singt über die Lausitz. (Bild: rbb)
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- Lausitz - Vom Tagebau zur Kulturlandschaft

Nach fast 100 Jahren als Tagebaugebiet, versucht sich die Lausitz als Seenlandschaft zu etablieren. Wie behauptet sich ein Theater in dieser Region?

Mirko Warnatz singt darüber, was die Menschen in der Lausitz in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.

Um davon zu erzählen gibt es kaum einen besseren Ort als den Senftenberger See, an dem auch die Außenspielstätte des Theaters liegt.

Denn der See war früher ein Braunkohletagebau - einer von vielen in der Region.

Mirko Warnatz ist heute Stage Manager am Theater, als junger Mann steht er selbst noch um 6 Uhr morgens in der Grube.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Die meiste Zeit saß ich direkt auf dem Kohlebagger auf dem Kohleflöz auf dem Verladeausleger, acht Stunden lang so mit zwei Hebeln und hab immer so diesen gemacht. Es waren hier rundherum Tagebaue, Brikettfabriken, alles was dazu gehörte."

Doch dann kommt die Wende und mit ihr geht die Kohleförderung rund um Senftenberg schlagartig zurück. Ein Tagebau nach dem anderen macht dicht, das nimmt tausenden Menschen die Lebensgrundlage.

Auch im Theater macht sich das bemerkbar.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Als ich so als Frischling an dieses Theater kam, die Abende waren voll, und das Haus war voll und plötzlich brach das alles weg und jeder hatte was anderes zu tun und Theater war plötzlich wichtiger denn je, aber es kam nicht mehr so richtig jemand, man musste echt plötzlich kämpfen
."

In den Jahren nach der Wende kämpft nicht nur das Theater um sein Publikum, sondern auch die Region mit den Herausforderungen des Strukturwandels.

Klimaschutz gegen Arbeitsmarkt – ein Dauerkonflikt in der Lausitz.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Das spürte man schon sehr und auch in der Stadt, es wurde immer leerer –nich? So ein bisschen Frust hat man schon auch mitgekriegt."

Doch die Lausitzer lassen sich nicht unterkriegen. Der Plan: aus den stillgelegten Tagebaulöchern sollen weitere Seen entstehen.

Ein paar Kilometer weiter: Der Großräschener See - der ehemalige Tagebau Meuro – hat bald seinen Pegel erreicht. Für Mirko Warnatz, ein bewegender Ort.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Da ist Sedlitz und da war das Internat, in dem ich gewohnt hab und jetzt fast so Hälfte des Sees, da war die Berufsschule, direkt daneben die Kirche, das ist jetzt alles auf dem Grunde des Sees."

Jetzt im Winter, bei eiskaltem Wind ist hier noch nicht viel los, doch im Sommer ziehen die Seen Touristen an und geben den Menschen Lebensqualität und Arbeit zurück.

Bis Ende der 2020er Jahre soll aus den alten Tagebauen Europas größte künstliche Seenkette werden.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Ich denke, da haben wir eine Menge wieder gut zu machen. Naja, man hat auch viel genommen nich? Und ich habs auch erlebt als das noch Mondlandschaft war hier. Es ist erstmal toll und erstmal bisschen exotisch, aber so toll, dass man darin leben möchte, wars nicht."

Es hat und wird sich viel verändern in der Lausitz. Für Mirko Warnatz ist das  seine Heimat, vor allem auch wegen des Theaters – das bisher allen Herausforderungen getrotzt hat.

Mirko Warnatz, Stage Manager
"Ein Theater sollte eigentlich immer veränderlich sein und immer so flexibel sein, dass es sich einstellen kann auf die Zeiten, auf die Gegebenheiten und insofern kann viel Veränderung einem Theater eigentlich nur guttun. Und das haben wir geschafft bis jetzt, sonst würde es uns nicht mehr geben."

Autorin: Anna Tschöpe

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