Can Dündar (Quelle: rbb)
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- Can's Cinema - Filme über die Türkei

Can Dündar, Dokumentarfilmer und Ex-Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, lebt im Exil in Berlin. Radioeins und das Kino Babylon zeigen seine Filme, die einen alternativen Blick auf sein Heimatland werfen.

Durch die Straßen geht Can Dündar mit Hut und Brille, inkognito. Hier gibt es doch zu viele Anhänger des türkischen Präsidenten Erdoğan und für den ist der Journalist ein Landesverräter. Seit drei Jahren lebt er in Berlin.

Can Dündar, Regisseur
"Berlin hat mich ausgesucht, weil ich ein Angebot von der 'Zeit' hatte und Arte will eine Dokumentation über die Türkei mit mir machen. Also merkte ich plötzlich, hier ist der Ort, wo ich arbeiten kann. Gleichzeitig ist es das kulturelle Zentrum Europas und es gibt ein großes Interesse an der Türkei im Unterschied zu England oder Frankreich."

Im Babylon zeigt er jetzt Filme. Was die wenigsten wissen: er war lange Dokumentarfilmer, bevor er Chefredakteur der renommierten türkischen Zeitung Cumhuriyet wurde. Erster Besuch im Kinosaal und bei Ernst Lubitsch.

Can Dündar, Dokumentarfilmer
"Wir zeigen hier einen Film eines kurdischen Regisseurs, der im Exil starb. Das Exil ist so eine Art Teil des türkischen Intellektuellenlebens. Und jetzt ist es an mir, mich neu zu beweisen in einer anderen Kultur, einem anderen Land und einer anderen Sprache. Danke Erdoğan für diese Chance!"

Knut Elstermann, Moderator
"Radioeins um 12 Uhr mittags - das Filmmagazin. Ab Montag haben wir die große Freude, eine ganz besondere Filmreihe zu präsentieren."

Mit Radioeins hat Can Dündar die Idee für die Reihe im Babylon entwickelt. Er will zeigen, dass es auch eine Türkei jenseits des Diktats von Erdoğan gibt. Längst ist er nicht mehr nur Journalist, sondern ein Aktivist für die Pressefreiheit und Demokratie in seinem Land. Ein Rollenwechsel wider Willen.

Can Dündar, Dokumentarfilmer
"Jahrelang stand ich hinter der Kamera. Jetzt hier zu stehen ist nicht besser, ich fühle mich nicht gut dabei, weil mein Platz sollte Ihr Platz sein - hinter der Kamera."

2015 wurde Can Dündar in der Türkei verhaftet, weil er seinen Job gemacht hat und Recherchen über Geheimdienstlieferungen von Waffen nach Syrien in der Zeitung Cumhuriyet veröffentlichte. Staatschef Erdoğan persönlich hatte die Strafanzeige wegen Spionage und Beleidigung des Präsidenten gestellt.

Nach drei Monaten ist er aus der Untersuchungshaft freigelassen worden. Während des Militärputsches war Dündar im Ausland und entschied sich nicht wieder zurückzukehren. Statt ins Gefängnis ging er nach Berlin.

Can Dündar, Dokumentarfilmer
"In meiner ersten Woche in Berlin fand ich einen Zeitungspartner und nun ist mein Büro bei Correctiv."

Gemeinsam mit dem investigativen Recherchezentrum macht er das Magazin Özgüruz. So versuchen sie, eine unabhängige Berichterstattung über die Entwicklungen in der Türkei aufrecht zu erhalten. Gerade arbeitet er an der Dokumentarfilmreihe. Er hat ein Porträt des Gründers der türkischen Republik Mustafa Atatürk gemacht. Ein Freund musste ihm erstmal wieder eine Kopie aus seinem Haus in Istanbul besorgen, denn sein ganzes Archiv ist natürlich dort zurückgeblieben. Aber Can Dündar ist sich sicher, dass er und seine Frau bald wieder zurückkönnen.

Can Dündar, Dokumentarfilmer
"Um ehrlich zu sein, jeden Tag wenn wir, meine Frau und ich, zuhause aufwachen, fragen wir uns, wird es schon heute sein. Weil ich habe den Eindruck, dass es nicht mehr lange dauert. Nicht zehn Jahre. Diese schreckliche Zeit ist meiner Meinung nach bald vorbei. Wir gehen bald zurück, aber Deutschland ist sowas wie ein neues Zuhause für mich geworden und mit einem Bein bleibe ich hier in Deutschland."

Can Dündar ist und bleibt ein Optimist, der einfach nicht verstummen will.

Autorin: Nathalie Daiber

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