Ein Kinosaal des Kiezkinos Filmrauschpalast in Moabit (Bild: rbb)
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- Ein Kiezkino im Berlinale-TÜV

Das kleine Kiezkino "Filmrauschpalast" in Moabit ist zum ersten Mal Berlinale-Kino. Eine Festival-Abordnung besucht das Kino und überprüft die Premieren-Tauglichkeit.  

Ein roter Teppich und Star-Glamour? Und das hier in Moabit, in der Kulturfabrik? Der "Filmrauschpalast" soll bei der Berlinale zum Kiezkino werden - wenn alles passt.

Dafür muss Mitbetreiber Arian Berndt noch einiges tun. Heute kommt ein Berlinale Komitee, um das Kino zu inspizieren.

Ob der angestaubte Charme des Kinos die Berlinale Delegation überzeugen kann? Alles kommt heute auf den Prüfstand.

Arian Berndt, Betreiber
"Wir wollen es vorzeigbar machen. Wir wollen noch eine Wand, eine Tür und eine Heizung einbauen. Das schaffen wir heute nicht mehr, aber wir wollen es zumindest ein bisschen präsentabel hinkriegen. Da geben wir uns Mühe."

Seit 30 Jahren gibt es den "Filmrauschpalast". Als Vereinskino mit rund 50 Plätzen.

Arian Berndt, Betreiber
"Es ist als Wanderkino gegründet worden von einer wilden Truppe, die mit einem 16mm-Projektor durch Moabit getourt ist und Filme in Hinterzimmern gezeigt hat."

Aus dieser Zeit stammt zum Teil auch noch die analoge Technik. Arian, der seit 13 Jahren hier Filmvorführer ist, schwört darauf.

Arian Berndt, Betreiber
"Wir machen das nicht aus Nostalgie oder aus irgendeinem Analog-Fetisch, weil es knistert und wir auf diese Analog-Artefakte springen. Wir legen wert auf Perfektion und höchste Bildqualität. Wir kriegen im Analogen eine Auflösung, eine Bilddichte, an die die besten Digitalprojektoren nicht rankommen."

Aber natürlich haben sie auch Digitalprojektoren. Normalerweise zeigen sie hier Filme von Trash bis Hollywood. Eben alles was den Clubmitgliedern gefällt. Grade ist es "Colour Out Of Space" - ein durchgeknallter Science Fiction Horror Film.

Vereinskollegin Sophia soll Arian heute unterstützen. Aber sie ist noch aufgeregter als er.

Sophia Derda, Filmrauschpalast-Mitarbeiterin
"Du kannst dir sicher sein, dass sie uns entweder zu Füßen liegen und umarmen oder sie hauen uns den ganzen Laden um die Ohren. Dazwischen gibte es nichts."

Das Berlinale Komitee ist im Anmarsch. Nola Anwar und ihr Kollege schauen mit professionellem Blick auf den Hinterhof. Hier soll der rote Teppich liegen.

Nola Anwar, Berlinale-Komitee
"Ich messe mal die Länge bis zum Treppenansatz. Da sind wir bei 20 Metern. Oder 21 zur Sicherheit. Jedes Kino bekommt einen roten Teppich verlegt - für die Filmgäste, aber auch für das Publikum, damit die Festivalatmosphäre in die Kinos getragen wird."

Die Berlinale feiert seit sieben Jahren große Premieren in kleinen Kinos.

Nola Anwar, Berlinale-Komitee
"Es gibt gewisse technische Anforderungen, die schön sind wenn sie erfüllt sein können, aber wichtig, dass das Kino einen persönlichen Charme hat."

Arian und Sophia sind überzeugt vom Charme ihres Kinos, jetzt aber geht es ums Eingemachte. Es ist noch viel zu tun. Arian merkt: es wird knapp. Und was sagt das Komitee?

Nola Anwar, Berlinale-Komitee
"Gerade das kiezige macht es aus, auch wenn mal ein Standard nicht ideal erfüllt sein kann. Wichtig ist uns nur die Sicherheit und dass gewisse technische Standards erfüllt sind, damit die Bildqualität nicht leidet."

Das zumindest ist hier im Filmrauschpalast kein Problem. Jetzt steht fest - die Berlinale kann kommen.

Autorin: Theresa Majerowitsch

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