Die Potsdamer Platz Arkaden schmückt ein Berlinale-Teppich. (Bild: rbb)
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- Potsdamer Platz in neuem Glanz

Für viele Berliner ist der Potsdamer Platz ein zugiger Beton-Unort mit klotziger Standardbebauung. Wie erweckt die Berlinale diese Einöde zum Leben?

Wie verlassen – etwas traurig, so sieht der Potsdamer Platz gerade aus. Nur die, die hier auch arbeiten, kommen noch vorbei:

„Schrecklich, bisschen gruselig. Ziemlich gruftig. Wenn man morgens durch die Arkaden geht, hört man nur Bohren und Hämmern. Dieses Jahr ist bisschen weniger Glamour."

Die Arkaden sind in die Jahre gekommen. Es wird umgebaut. Nachher soll es moderner werden mit ganz neuem Konzept. Jetzt aber sind fast alle Läden zu. Nur Super- und Drogeriemarkt bleiben – sichern zumindest ein wenig Leben.

Muska Grosic, dm-Filialleiterin
"Ja es ist schon ein bisschen einsam geworden. Wir reden noch mit Rewe manchmal. Aber langweilig ist es nicht."

Noch eine Baustelle: die U-Bahn – sie fährt am Potsdamer Platz Richtung Ruhleben einfach durch.

Großes Hallo gibt es bei der Berlinale im Panorama Büro. Der ehemalige Chef Wieland Speck schaut mal wieder vorbei. 40 Jahre hat er die Reihe der Filmfestspiele gestaltet. Jetzt ist er in Rente.  Der Umzug 2000 vom Zoo, eine Entscheidung des Berliner Senats:

Wieland Speck, ehemaliger Chef Panorama
"Und die Politik hat sich gedacht, na ja, Geisterstadt da müssen wir Glitzer reinkriegen und da war die Berlinale natürlich erste Wahl.

Das haben wir auch verstanden, wussten aber nicht wie wir hier reinpassen sollen, denn die Stadt hat es sozusagen versemmelt zu denken, wir wollen da ein Festival haben und brauchen bestimmte Dinge für so ein großes Festival. Also so wie in Cannes, da wurde alles gebaut für das Festival."

Und so stolperten Schauspieler und Festivalbesucher reihenweise auf der Treppe zum Berlinale Palast. Statt der Stars wie Leonardo di Caprio war das der Aufreger im ersten Jahr am Potsdamer Platz. Noch eine Herausforderung: Passt der neue Ort überhaupt zur Berlinale?

Wieland Speck, ehemaliger Chef Panorama
"Unsere Filme sind natürlich schwierige Filme, und dass an so einem nigelnagelneuen Ort, das war in gewisser Weise eine Diskrepanz, weil das alternative, was ja so den Geist von West-Berlin sehr stark ausmachte.

Die letzten Jahrzehnte vor allem. Das brach sich dann an diesen völlig neuen Furnieren. Allerdings waren die Kinos von Anfang an voll."

Zumal Cineasten und Berlinaleverrückte erstmals nicht mehr frieren mussten, um an die begehrten Tickets zu kommen. Sie schlugen ihr Lager vor dem Shop in den warmen Arkaden auf. Und auch wenn diesmal hier alles anders ist. Das bleibt. Dafür ist es viel zu wichtig.

Wieland Speck, ehemaliger Chef Panorama
"Die Schlangen, das sind ganz wichtige Orte. Da haben sich viele Leute zum ersten Mal getroffen und dann vielleicht ein Leben lang oder zumindest für längere Perioden, Kinder sind zwar nicht dort gezeugt, worden usw…. also eine sehr menschliche Stelle."

Das Theater wird gerade zum Berlinale Palast umgebaut.  Der Musicalspielstätte drohte auch schon der Bankrott.

Weil aber im Keller für die Strippershow Magic Mike alles verkleinert wurde, ist die die Eröffnung diesmal im Kulturforum und nicht hier. 

Eigentlich ist es wie ganz am Anfang am Potsdamer Platz vor 20 Jahren: Es ist die Berlinale, die für den richtigen Trubel hier sorgen wird.

Autorin: Nathalie Daiber

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