Filmstill: Das Känguru aus den <<Känguru Chroniken>> klaut mit seinem Mitbewohner einen Edelteppich. (Quelle: rbb)
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- Die Känguru Chroniken kommen ins Kino

Der Bestseller Roman "Känguru Chroniken" kommt als Verfilmung von Dani Levy in die deutschen Kinos. Der Film bietet Unterhaltung für die ganze Familie, teilweise sozialkritischen Humor und ein animiertes Känguru auf Konfrontationskurs.

Marc-Uwe ist ein Migräne-geplagter Studienabbrecher. Er wohnt in Berlin Kreuzberg und mag es am liebsten ruhig. Doch mit dem friedlichen Müßiggang ist es auf einmal vorbei.

"Hallo! Äh, ich hab vor ein paar Tagen die Wohnung gegenüber gemie…- naja gemietet ist zu viel gesagt, was?"

"Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?"

"Wieso?“"

"Sie sind tagsüber zu Hause und ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber es ist kurz nach Drei und Sie sind noch im Pyjama."

"Ich bin Künstler"

"Achso"

"Ich arbeite nachts."

"Aha."

 

Marc-Uwes neuer Mitbewohner: Ein Känguru. Und nicht irgendein Känguru, sondern eines mit politischer Überzeugung.

"Ich bin Kommunist."

"Aha."

"Was dagegen?"

"Nee."

 

Dani Levy, Filmregisseur

"Die Känguru-Chroniken, die haben ja eigentlich so was ranzig, straßenmäßiges so. Also das hat ja schon was mit Subkultur zu tun. Auch mit Leuten, die eben nicht viel Geld haben. Das ist keine schicke Welt und das ist auch keine Bigger-Than-Life Welt, sondern es hat was wirklich, was hier in die Stadt gehört. Aber nicht nur nach Berlin, sondern überhaupt auch in ne Kleinstadt - ist völlig egal. Es ist einfach, die Leute wursteln sich so rum."

Vor über zehn Jahren erschien der erste Band von Marc-Uwe Klings "Känguru Chroniken". Heute haben die Bücher absoluten Kultstatus und Millionen von Fans. Selbst für einen Komödien-Profi wie Dani Levy eine große Herausforderung.

Dani Levy, Filmregisseur

"Also es war uns schon klar, dass diese Übertragung ins Kino kompliziert wird und dass man natürlich aus einzelnen Geschichten nicht nur irgendwie ne zusammenhängende Filmhandlung machen muss, auf der einen Seite, sondern natürlich auch den Charakter, die Tonalität, die Anarchie, die Metaebenen, die Brüche, die Widersprüche und all das, was die Bücher so liebenswert macht, dass wir das irgendwie versuchen ins Kino hinüber zu transportieren."

Als Kommunist wagt das Känguru natürlich den Aufstand. An seiner Seite wird selbst der phlegmatische Marc-Uwe zum Aktivisten. Der Feind ist der rechtspopulistische Bau-Milliardär Jörg Dwigs – gespielt von Henry Hübchen:

"In Amerika haben die Patrioten die Macht wieder zurückerobert. Und wissen Sie was das Symbol dieser Machtübernahme ist?"

"Eine Fönfrisur?"

"Ein Twitteraccount?"

"Ich werde mir Ihr Haus auch noch kaufen. Es abreißen. Und ich werde mir ein Parkhaus bauen."

Um das Mietshaus vor der Abrissbirne zu bewahren, entwickelt das Känguru einen Plan. Die Hausbewohner sollen dabei helfen.

"Und was sind eure Spezialfähigkeiten? Könnt ihr fliegen? Euch unsichtbar machen? Lustige Stimme imitieren?"

"Was will es von uns?"

"Vielleicht will es eins auf die Schnauze."

"Ja, das ist genau die richtige Einstellung."

 

Dimitrij Schaad, Hauptdarsteller

"Unsere Hauptgegner im Film sind eine rechtspopulistische Partei, die unschwer zu erkennen ist, welche Partei damit gemeint ist und Nazis. Und dass das ein Mainstream-Film aufs Tablett packt, dass man sich damit auseinandersetzt, dass das in humoristischer Art und Weise benutzt wird, ist etwas, was ansonsten in Deutschen Mainstream-Sachen nicht passiert."

"Du bist mein Lebensstern, ich hab dich gern."

 

"Kapitalismus! Schweinesystem!"

 

Dani Levy, Filmregisseur

"Das Känguru repräsentiert ein Reststück Rebellion in uns allen. Es bäumt sich ja auf gegen bestimmte Konventionen, gegen salonfähige Gedanken. Es ist ja ein Provokateur. Und das ist natürlich in unserer Konsenswelt, die eigentlich immer wieder selbstoptimiert irgendwie daher rollt, ist es natürlich wichtig und erfrischend."

 

"Keiner mag meckernde Beifahrer"

 

Es war höchste Zeit, dem rebellischen Känguru wieder neue Aufmerksamkeit zu schenken. Der Film bezieht politische Haltung. Das ist gut. Aber der anarchische Humor der Buchvorlage gerät in Levys Verfilmung streckenweise zum Klamauk. Weshalb die hellsichtige Sozialkritik, die subtile Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart verloren geht.

 

"Sorry, ich hab verwechselt, was ich sagen und denken wollte."

Autorin: Lilli Klinger