Kunstsammler Thomas Olbricht. (Quelle: rbb)
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- Portrait: Kunstsammler Thomas Olbricht

Thomas Olbricht ist Kunstmäzen und Arzt - wie Medizin und Kultur zusammenhängen erzählt er vor dem Hintergrund der Zeche Zollverein in Essen.

Die Zeche Zollverein – heute ein beeindruckendes Industriedenkmal und Weltkulturerbe. Und seitdem hier ein Ort für Kultur entstanden ist, ist Thomas Olbricht begeistert dabei. Er ist ein Freund des Vereins.

Einst wurde hier Kohle gefördert - das schwarze Gold des Ruhrpotts.

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Wir sind jetzt am 2. höchsten Punkt der Zeche Zollverein, 47 Meter hoch und hier ist industrielles Urgestein und seit vielen Jahren jetzt auch Kultur hier, ist doch klar. Das ist schon hier meine Heimat."

Und trotzdem ist seine Sammlung nicht hier, sondern in Berlin – das hat sich einfach so ergeben:

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Natürlich war der Wunsch hier in Essen die Sammlung zu etablieren. Der damalige Direktor der Kunstwerke Berlin in der Auguststraße sagte, da ist ein Grundstück neben unseren Kunstwerken. Willst Du nicht nach Berlin kommen? Und dann dachte ich, na gut, wenn es nicht in Essen sein kann, – dann gehe ich dorthin."

Nach Essen ist er wegen des Medizinstudiums gekommen und hat sein Leben lang hier als Arzt gearbeitet. Seine Praxis war mitten in der Innenstadt:

"Wenn wir da jetzt hingehen würden, weiß ich gar nicht, ob sich mein Kollege, der da immer noch ist. Einen Schock kriegt oder sich freut. Wir können ja mal schauen!"

Seit 15 Jahren war der 72jährige nicht mehr hier, war er doch so gerne Arzt und wollte eigentlich gar nicht in Rente.

An der Tür steht immer noch sein Name. Sein Spezialgebiet war die Schilddrüse.

 

"Hey Sebastian, Grüß Dich, Thomas,

Freut mich, dass du vorbeikommst.

Entschuldige, dass ich dich überfalle, aber einmal musste es sein."

 

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Es gibt ganz viele Ärzte und Ärztinnen, die sammeln Kunst oder sie spielen ein Instrument. Also Kultur und Medizin hängt zusammen und so das habe ich dann natürlich auch gemacht."

Die Kunst ist also ein Ausgleich zur Medizin. Und deswegen sieht es in seinem Privathaus aus wie in einem Museum. Er stammt übrigens aus der Unternehmerfamilie, die die Wella AG gegründet hatte. War später auch im Aufsichtsrat und hat geerbt.

Als Arzt weiß er genau, was im Körper passiert, wenn er als Kunstsammler ein Bild kauft:

 

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Sie sehen rot, grün, blau und dann hüpft das Herz, und entsprechend der Hormon -Situation, die schüttet ihnen Stresshormone in den Körper und sagt dir: ha, jetzt musst Du es machen. Und dann hat man dieses Kunstwerk erworben und wenige Zeit später, weil die Halbwertszeit der Hormone ist nicht lang, und wenn es dunkel wird, ist es sowieso schon spät und dann kommt sozusagen im Grunde ein Alptraum: warum hast du das jetzt gemacht. Aber dann kommt wieder ein neuer Schub von Stresshormonen und der lässt Dich das überleben."

Sein künstlerisches Zuhause ist hier – im Museum Folkwang werden alle von einer Videoarbeit von William Forsythe empfangen.

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Wir kommen rein und es entwickelt sich für mich etwas, was ich in der Kunst sehe, nicht nur Ernsthaftigkeit, sondern Freude und Spaß und das merke ich und das merken die anderen Besucher auch."

Schon als Student ist er hier Stammgast gewesen.

Die ständige Sammlung kennt er auswendig und hat natürlich auch immer wieder seine Kinder mitgenommen:

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Als meine Kinder noch klein waren, sind wir immer hierhergekommen und da habe ich sie gefragt, von wem ist das von wem ist das. Renoir, Gaugin, van Gogh. Und die wussten das dann."

Das Familienvermögen verwaltet mittlerweile sein ältester Sohn.

Thomas Olbricht ist zwar Rentner, geht aber trotzdem jeden Tag noch hier in sein Büro: die Post wenden, wie er es ironisch nennt und er schreibt eine besondere Art Gedichte:

 

Thomas Olbricht, Kunstsammler

"Ich bekomme ja jeden Tag Einladungskarten für irgendwelche Ausstellungen Kunst oder sei es was anderes. Und viele haben ja Titel und die sammele ich und irgendwann, wenn ich Lust habe, Zeit gute Laune oder schlechte, irgendwas schnipsele ich die zusammen und dann entsteht sowas"

Thomas Olbricht, Kunstsammler - Gedicht:

"Das leichte Summen der Reflexionen von Welt und Selbst bildet meine Zeitschiene zwischen Magie und Kraft."

"Plagiatismen ist ja der Titel. Don’t believe a single word."

Hier in Essen sind nur noch die Sachen, die er nicht für die neue Ausstellung in Berlin braucht. Von Kunst bis Kitsch – alles dabei – so wie er eben sammelt.

Autorin: Nathalie Daiber