Zwei Personen in einem leeren Clubsaal (Quelle: rbb)
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Kein Kulturbetrieb bis Ende April - Corona macht alles dicht

Berliner und Brandenburger Kulturanbieter müssen wegen des Coronavirus ihre Pforten bis in den April schließen. Was hat das für Auswirkungen für die Betreiber?

Ein toter Roter Teppich! Erst mal bleibt er leer. Die größte Produktion der Komödie am Ku'damm im Schillertheater: "Mord im Orientexpress" ist ausgenockt! Für die Theaterleute ein Schock. Die Regisseurin Katharina Thalbach will gerade nichts dazu sagen. Und der Geschäftsführer Michael Forner? Er musste vor zwei Jahren erleben, wie sein Theater abgerissen wurde. Dieser Tag nun ist der zweitschlimmste Tag seines Theaterlebens.

Michael Forner, Geschäftsführer
"Wir haben einfach jahrelang um die Existenz gekämpft! Von einem Virus – nachdem wir so viel geschafft haben – von einem Virus uns unterkriegen zu lassen – das kommt nicht in Frage!

Und doch: Das Virus hat dem Ensemble den Stecker gezogen. Kostüme, Kulissen, alles da. Eine Millionenproduktion, 20.000 Karten sind schon verkauft. Nur gespielt werden darf nicht, im größten Berliner Privattheater.

Michael Forner, Geschäftsführer
"Zu über 80% finanzieren wir uns durch Eintrittskartengelder und wenn die wegfallen, über mehrere Wochen, dann ist das natürlich ein Problem. Das ist muss einfach in einer Form kompensiert werden muss: Entweder in Form von direkten Hilfen oder einfach durch Lohnkostenübernahme, wie es eben das Kurzarbeitergeld zum Beispiel ja wäre.

Bis zur Premiere. Wann immer das ist. Katharina Thalbach will weiter proben, damit die Schauspieler drin bleiben im Stück. Der Lappen, also der Vorhang muss hochgehen, sagt man am Theater. Jetzt aber sind erst mal die Schotten dicht.

Auch in der öffentlich finanzierten Berlinischen Galerie. Am letzten offenen Tag wollen wir wissen: wie ist die Stimmung unter den Besuchern?

Passant
"Wir würden unsere Gesundheit riskieren, um Kunst erleben zu können, ja!"

Der Israeli scherzt noch – er weiß: er ist jung, gehört nicht zur Risikogruppe. Und im Museum selbst? Die Besucherzahl ist weitgehend unverändert. Ohnehin machen die Eintrittsgelder nur einen kleinen Teil des Etats aus – künftige Ausstellungen sind also noch nicht gefährdet. Welch ein Glück, dass diese letzten, einsamen Kunstliebhaber genießen – Corona zum Trotz!

Passant
"Jeder hat Angst zurzeit, aber ich glaube wir müssen auch weiterleben und machen, was wir gerne machen."

Doch selbst angstfreie Kulturfans stehen jetzt vor geschlossenen Türen. Corona: Ein Desaster - auch für die Club- und Konzertszene. Im Lido, einem der renommiertesten Clubs, fehlen jetzt schon Einnahmen. Deutlich weniger Leute kamen zu den Konzerten. "Nur" 600 Menschen passen in den Saal; deshalb wurde bis zuletzt weitergespielt. Ein Shitstorm ging deshalb auf die Lidomacher nieder.

Philipp Reimann, Head of Booking Lido, Astra und BiNuu
"Wir verstehen nicht, wie Leute sich dann wirklich hinsetzen und ihre Meinung so reinhacken und wie dieser Hass auf einmal entstehen kann."

Jetzt ist erst mal ganz Schluss. Dabei sind die Zeiten ohnehin hart: In Berlin grassiert das Clubsterben. An den Konzerttickets verdienen sie hier nichts, nur vom Umsatz leben sie, bezahlen die Mitarbeiter, Türsteher, Barkeeper, Techniker.

Philipp Reimann, Head of Booking Lido, Astra und BiNuu
"Dadurch dass wir uns jetzt ja aktuell in der Hochzeit für Konzerte befinden – das geht jetzt erst mal bis Mai – und wir haben jetzt einen Einschnitt von sechs Wochen, wo uns die Einnahmen fehlen, das wird schwierig werden. Wir müssen kucken…"

Christian Kühn, Clubmanager Lido
"Es wird an die Existenzen der kleinen Veranstalter und der kleinen Clubs gehen."

Ihre einzige Hoffnung ist, dass auch sie finanzielle Unterstützung erhalten, so wie es Theatern und Museen in Aussicht gestellt wird. Sonst ist es vorbei, mit der vielfältigen Berliner Clubszene.

Autorin: Petra Dorrmann

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