Autor Christoph Kloeble (Bild: rbb)
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- Autor Christopher Kloeble über Indien

Sein neuer Roman "Das Museum der Welt" handelt von einem indischen Waisenjungen, der das erste Museum des Landes gründen möchte. Ein Land, das Christopher Kloeble auch privat viel bedeutet.

Der Gleisdreieck-Park in Kreuzberg. Der Schriftsteller Christopher Kloeble wohnt um die Ecke. Er hat gerade seinen neuen Roman veröffentlicht. Über die Schlagintweit-Brüder und ihre große Indien-Reise im 19. Jahrhundert.

Die Faszination hat mit seiner Frau zu tun: Sie ist gebürtige Inderin. 2011 lernen sie sich in New York kennen, dann schreiben sie sich lange Briefe.

Christopher Kloeble, Autor
"An einem gewissen Punkt war es etwas seltsam, weil wir so viele intime Sachen ausgetauscht haben, dass wir merkten, wir wissen jetzt mehr übereinander und wir haben mehr dem anderen erzählt, als wir jemals jemand anderem erzählt haben, aber wir haben noch nie Händchen gehalten."

Danach geht alles ganz schnell. Kloeble ist das erste Mal in Indien, die beiden werden ein Paar. Auf den Reisen lernt er auch Deutschland neu kennen.

Christopher Kloeble, Autor
"Was ich dann merkte, als ich zum Beispiel in Indien war, dass ich mit Leuten von dort geredet habe und die haben mir dann immer irgendwie erzählt, so, ja, aber, wenn ich in den Westen gehe, also zum Beispiel nach Deutschland, also mit einer Sache muss man echt vorsichtig sein: mit dem Essen! Und ich meinte, wieso, was meinst du denn? Na ja, da kannst du nicht mehr aufs Klo gehen."

Ach, die schwere deutsche Küche! Kloebles Frau kennt beide Seiten: Sie ist in Indien mehrsprachig aufgewachsen. Mit einer deutschen Mutter und einem indischen Vater. Mit 18 kam sie erstmals nach Berlin.

Saskya Jain,
"Berlin fühlte sich damals für mich sehr provinziell und insular an. Ich wurde immer wieder gefragt, so: Wo kommst Du her? Wo kommst Du wirklich her? Wieso sprichst Du so gut Deutsch? Diese Idee, dass da jemand ist, der vielleicht mit Deutsch im Ausland aufgewachsen ist, auch nicht jetzt per se klassisch Deutsch aussieht, das war irgendwie komisch. Und ich fand es sehr schwierig, Freunde zu finden, Anschluss zu finden. Ich fand das nicht so einfach. Es war eine sehr einsame Zeit."

Mittlerweile ist Saskya Jain mit Kloeble verheiratet, sie haben ein Kind. Die beiden Schriftsteller pendeln zwischen Berlin und Delhi. Jetzt spürt auch Kloeble: Der Kolonialismus ist in den Köpfen immer noch präsent. Auf deutschen Partys hört seine Frau komische

Christopher Kloeble, Autor
"Ah ja, voll spannend! Indien, da bist du aufgewachsen? Ah ok! Seid ihr da auch alle auf Elefanten zur Schule geritten? Und nicht als Scherz!"

Die beiden Schriftsteller leben zwischen den Welten. Wenn sie in Berlin das Fernweh packt, gehen sie indisch einkaufen: Bei Sona-Foods in der Bülowstraße. Heute ist ihr bester Freund aus Indien dabei. Die Freunde kochen zusammen und finden in dem Supermarkt alles, was sie dazu brauchen.

Saskya Jain
"Ist ein Gemüse mit Migrationshintergrund."

Chrisopher Kloeble kann sich gut anpassen. Heimweh kennt er nicht. Erst recht nicht, wenn er in Indien ist. Nur ganz selten, da packt ihn die Sehnsucht nach deutschen Kohlenhydraten.

Christopher Kloeble, Autor
"Ich freue mich natürlich, wenn ich dann zurück bin und dann ein gutes Brot hier esse. Das ist schon der Unterschied. Weil da ist dann der Toast. Der ist dann als Brot am meisten verbreitet. Aber das ist ja kein richtiges Brot für uns. Aber das ist ja auch ein koloniales Erbe. Cheese Toast. Kennt jeder in Indien."

Koloniales Erbe – und wie damit umgehen? Das treibt Kloeble um. In einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum kann man sehen, dass westliche Forscher im 19. Jahrhundert eben auch als Ausbeuter unterwegs waren. Für die Buch-Recherche hat sich Kloeble mit den Schlagintweit-Brüdern und ihren Indien-Reisen beschäftigt. Sie waren Forscher ihrer Zeit: Entdecker und Räuber zugleich.

Christopher Kloeble, Autor
"Man meinte, das sozusagen alles einordnen zu können. Die Völker, die da, die sehen so und so aus. Das war natürlich hochproblematisch. Da kann man ein bisschen sehen, wo das hundert Jahre später hingeführt hat im rassistischen Kontext. Das hatte ja eine wissenschaftliche Wurzel."

Kloebles Roman bricht damit und erzählt die Kolonial-Geschichte aus den Augen eines Inders.

Christopher Kloeble, Autor
"Der jetzt auf einmal einen ganz anderen Blick wirft auf diese Schlagintweits und sagt: Das sind nicht nur Götter, die alles wissen und alles können. Sondern die sind ja auch ein bisschen blöd, weil die verstehen ja manche Sachen überhaupt nicht über mein Land, meine Kultur."

Ein neuer Blick auf ein reiches Land.

Autor: Tomasz Kurianowicz