Dr. Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung, und Pianist Martin Helmchen betrachten Handschriften von Ludwig van Beethoven in der Staatsbibliothek Unter den Linden. (Bild: rbb)
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- Beethovens Handschriften

Der Großteil der Handschriften von Ludwig van Beethoven ist in der Staatsbibliothek Unter den Linden - Größen wie die Sinfonien Nr. 4, 5, 7, 8 und 9, aber auch persönliche Briefe.

Händewaschen ist ja im Moment das Thema schlechthin. Aber Pianist Martin Helmchen treibt nicht die Sorge vor dem Coronavirus an. Eher eine Begegnung mit einer großen, alten Liebe.

Martin Helmchen, Pianist
"Ich habe tatsächlich das Papier noch nicht in Griffweite gehabt, unter dickem Glas war das nächste."

Eine Verabredung mit Martina Rebmann, der Leiterin der hiesigen Musiksammlung. Und mit einem unermesslichen Schatz – Beethovens fünftes Klavierkonzert. Ein Blick aufs Original ist eine absolute Ausnahme.

Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung
"Jedesmal, wenn wir es rausholen aus dem Tresor kommen Klimaschwankungen zum Tragen und es wird dem Licht ausgesetzt, das Original, und das möchten wir natürlich vermeiden."

Martin Helmchen, Pianist
"Jeder hat das fortissimo, damit das auch ja keiner vergisst, dass der Anfang gleich voll da sein muss.

Das ist ne Musik, die aus nem Menschen rauskommt. Gerade bei jemandem, der so chaotisch schreibt wie Beethoven wo man einfach auch diesen Prozess und diese Gedankenblitze und dieses Feuerwerk an Kreativität, an Ideen n bisschen nachvollziehen kann.

Schon n bisschen das Gegenteil von Mozart, bei dem nicht nur die Musik so klingt, als sei sie vom Himmel gefallen sondern auch das Papier so aussieht."

Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung
"Da steckt eine Energie drin, die kenne ich auch bei keinem anderen Komponisten."

Beethovens Musik begleitet Martin Helmchen seit Kindheitstagen. Mit dem Deutschen Symphonieorchester hat er alle fünf Klavierkonzerte aufgenommen. In der Staatsbibliothek liegen nicht nur Notenhandschriften – auch der sagenumwobene Brief an die „Unsterbliche Geliebte“. Ewig mein, ewig Dein, ewig uns – soll das hier heißen. Uns mit ß. Für wen er wohl gedacht war? Josephine, Therese, Bettina oder Giulietta? Kandidatinnen gibt es bei Beethoven einige.

Martin Helmchen, Pianist
"Es ist eigentlich schön, dass man dieses exemplarische Beispiel hat, dass man eigentlich nie so genau wusste, dass nichts greifbar war, nichts dauerhaft war."

Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung
"Der Brief wurde überhaupt nicht abgeschickt, was diese Rätselhaftigkeit ja noch befördert."

Kein Glück in der Liebe – eines von vielen Dramen in Beethovens Leben. Seine Taubheit als Schicksalsschlag schlechthin. Er muss „Konversationshefte“ führen, braucht Stift und Papier für Gespräche. Die Nachwelt hat so immerhin Einblick in viel Privates. Alltag eines Genies. Hier sucht er eine neue Haushälterin …welche die Kocherey gut versteht.

Martin Helmchen, Pianist
"Das sind die Nöte eines Junggesellen."

Etwas aus der Rubrik Vermischtes – aber wofür lieben wir Beethoven? Sein fünftes Klavierkonzert, unter anderem.

Martin Helmchen, Pianist
"Das ist ja mit die schönste Musik, die je geschrieben wurde. Das es immer diese unglaubliche Dimension hat, das ist unbegreiflich. So wie in den Sternenhimmel hineingeschaut, diese wahnsinnige Weite hier, das klingt ja schon fast nach Chopin. Dieser Einstieg… „dämmernd“ schreibt er hier. Macht er ja ganz selten, fast nie, dass er ein Adjektiv, so’n Kommentar mit reinschreibt, der nicht italienisch ist. „Dämmernd“ ist ganz eigentümlich… Das muss ihm auch selbst sehr wichtig gewesen sein."

Martina Rebmann, Leiterin der Musikabteilung
"Schade, dass wir sein sechstes Klavierkonzert nicht kennen."

Martin Helmchen, Pianist
"Sehr schade, ja, so’n paar Skizzen kennt man. Aber nicht genug."

Autor: Steffen Prell