Claudia Martin-Konle stöbert im Bestand der Staatsbibliothek Unter den Linden. (Bild: rbb)
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- Die Bücher der Staatsbibliothek

Welche Bücher kommen eigentlich in die Staatsbibliothek? Wer wählt sie aus? Im Magazin kann man auf große und kleine Geschichten rund um die Macht des Wortes stoßen.  

Claudia Martin-Konle weiß wo Sie ein Buch zu suchen muss. Sie arbeitet seit einem Jahr in der Staatsbibliothek und ist fasziniert von den alten Schlagwortkatalogen.

Claudia Martin-Konle
"Das ist ein Band über Aberglauben, der weist die Titel nach, die zum Aberglauben gehören, zum Beispiel die Zeitschrift zum kritischen Okkultismus oder Hexenprozess- Sie werden sich wundern, dass wir Literatur zum Aberglauben und der Magie sammeln, aber wir sammeln hier alles was für Wissenschaft und Forschung von Belang ist."

Sie führt uns ins Magazin. Über 11 Millionen Bücher hat die Staatsbibliothek. 3 Millionen lagern allein "Unter den Linden". 100.000 kommen jährlich dazu und werden neben dem Bestand einsortiert.

Claudia Martin-Konle
"Das heißt wir erwerben über alle Fächer wir erwerben aber auch selektiv. Selektiv heißt, wir kaufen nur wissenschaftliche Literatur, wir kaufen nicht jedes Fachgebiet komplett, dass kann auch fast keine Bibliothek mehr leisten sondern wir sagen, für manches reicht uns ein Überblick und für manche kaufen wir alles was auf dem Markt ist."

Im Archiv lagern unglaubliche Schätze: Die Gutenbergbibel -gedruckt 1454  - eine Kostbarkeit der Bibliothek. Genauso wie diese uralte orientalische Handschrift.

Berühmt ist die Staatsbibliothek für seine Autografen von Bach bis Mozarts Zauberflöte.

Die Geschichte des Hauses ist wechselvoll es gab Zeiten da konnte man nicht jedes Buch ausleihen. Während der Nazizeit nach der Bücherverbrennung gab es eine Liste verbotener Bücher, auf der standen auch Werke von Heinrich Mann.

Claudia Martin-Konle
"Dieser Band trägt auch einen Aufkleber 'secre' sekretierte Literatur, d.h. Literatur, die weggesperrt war in besondere Räume.  Die wiss. Bibliotheken haben ihre Literatur aufgrund dieser Liste sekretieren müssen aber sie haben sie in der Regel nicht entsorgt. Bibliotheken sind immer Gedächtnisinstitutionen und sie haben eher ein einnehmendes Wesen. Sie geben nicht ohne weiteres etwas heraus."

Fotos aus dem Archiv der Staatsbibliothek zeigen wie Bücher während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert wurden. Dabei ging vieles verloren

Claudia Martin Konle zeigt uns ein Regal in denen Bücher zu DDR Zeiten nicht ausgeliehen werden durften.

Claudia Martin-Konle
"Wir sind jetzt mal stehen geblieben beim Regal mit nationalsozialistischer Literatur. Wenn eine Bestellung auf ein Buch kam, kannte der Magaziner bereits am Buchrücken erkennen, aha hier ist ein blaues Kreuz drauf. Das kann nur unter sehr strengen Auflagen, eigentlich überhaupt nicht zur Verfügung gestellt werden."

Im Magazin arbeiten wenige Bibliothekare aber alle kenne die besondere Macht der Bücher.

Claudia Martin-Konle
"Universalbibliothek heißt, auch wir als Forschungsbibliothek stellen alles zur Verfügung was Wissenschaft und Forschung braucht, und das unterliegt immer dem Edikt der Freiheit. Das heißt, wir zensieren nicht."

Claudia Martin - Konle kennt sich aus mit den Büchern im Magazin, ein Ort voller Geschichte und Geschichten.

Autorin: Theresa Majerowitsch