Lesesaal der Staatsbibliothek unter den Linden (Bild: rbb)
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Bild: rbb

- Die Geschichte der Staatsbibliothek

Die Staatsbibliothek Unter den Linden ist ein Bücherpalast. Eröffnet im Ersten Weltkrieg, zerbombt im Zweiten, betoniert in der DDR und zum Millenium mit einem monumentalen Lesesaal ausgestattet.

Noch ist hier Baustelle und deswegen kurzfristig abgesperrt.

Jens Andreae, Projektleiter Bundesbauamt
"Das ist der Haupteingang des historischen Gebäudes und seit kurzem wieder der Haupteingang der Staatsbibliothek Unter den Linden
."

Zur Wendezeit war die Staatsbibliothek ziemlich abgewirtschaftet. Alles musste rundum saniert werden - auch die Fassaden. Der Wein ist aber noch ganz wie immer.

Jens Andreae, Projektleiter Bundesbauamt
"Ja, der ist fast 100 Jahre alt. Der ist Anfang der 1920er Jahr gepflanzt worden. Für uns war es nicht ganz einfach, das über die Bauzeit zu retten, weil die Fassade dahinter ja komplett saniert worden ist. Der Wein wurde dann an den Gerüsten befestigt und hat da dann überlebt. Das sah lustig aus, wir hatten schöne bewachsene Gerüste gehabt. Hat aber nichts damit zu tun, dass wir hier besonders lange gebaut haben."

Die letzte Restaurierung brauchte 15 Jahre.

Die Staatsbibliothek sollte möglichst wieder so aussehen wie sie einst Ernst von Ihne zu Kaiserzeiten entworfen und gebaut hatte. Jens Andreae hat die Arbeiten dokumentiert.

Nicht nur der Zweite Weltkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Die Träger des Gewölbes hatten zum Beispiel Risse. Das war eine Mammut-Aufgabe:  

Jens Andreae, Projektleiter Bundesbauamt
Diese Konstruktion musste komplett ausgetauscht werden. Was nicht ganz einfach ist, wenn ein vierstöckiges Gebäude oben drauf steht.

Wir haben hier also die alten Träger wie sie mal ausgesehen haben und die neuen, die wir hier jetzt eingebracht haben und man sieht also wenn man genau hinguckt die kleinen Punkte, das sind alles Schraubverbindungen diese Träger sind also erst hier vor Ort montiert worden. Durch ein Loch in der Wand die einzelnen Streben eingefädelt hier zu Trägern montiert worden."

Sonst wäre ihnen wahrscheinlich das Gebäude auf den Kopf gefallen.

Noch wird in der Vorhalle gearbeitet. Alles überwölbt von der Kuppel – ganz frisch restauriert. Zu DDR-Zeiten war sie unsichtbar.

Jens Andreae, Projektleiter Bundesbauamt
"Hier war eine Flachdecke eingezogen ungefähr auf der Höhe des umlaufenden Gesimses und die Konstruktion darüber hat seinerzeit niemanden interessiert. Man muss sich vorstellen, dass sich in der Nachkreiszeit so Dinge wie groß ist der Raum, den ich heizen muss viel wichtiger waren als die Geometrie oder die Architektur in diesem Haus. Zumal ja die wilhelminische Architektur in den 50iger, 60iger Jahren ohnehin nicht sehr geschätzt worden ist."

Das Herzstück ist der große Lesesaal.

Der wilhelminische war im Krieg zerstört worden.  Die schmucklosen DDR-Magazintürme passten nicht zum Altbau. Also hat der Architekt HG Merz einen ganz neuen modernen Raum entworfen.

HG Merz, Architekt
"Der Geist braucht einfach Luft. Der alte Saal hatte eine Kuppel und wir wollten einfach da drüber einen leuchtenden Körper, der so viel Tageslicht reinlässt, dass ich tatsächlich kein Kunstlicht brauche zum Lesen."

Auch wenn das Konzept aus dem 19. Jahrhundert stammt, Bibliotheken sind auch in digitalen Zeiten nicht von gestern.

HG Merz, Architekt
"Bibliotheken sind natürlich nach wie vor ein Kontakthof. Sie sind Heiratsmarkt. Die Studenten gehen anders miteinander um und treffen sich und das hat schon auch eine soziale Komponente, deshalb sind nach wie vor Bibliotheken immer voll."

HG Merz ist für den gesamten Umbau verantwortlich. Immerhin ist die Staatsbibliothek mehr als 100.000 Quadratmeter groß.

Alles bestimmen die Bücher und das war schon bei dem königlich-preußischen Hofarchitekten Ernst von Ihne so.

HG Merz, Architekt
"Die ganzen Maße dieser Bibliothek sind einfach von Bücherregalen, die aufeinandergestapelt sind, abgeleitet. Eine Bibliothek war ja schon immer ein großer Teil Depot, die Hälfte und die andere Hälfte war zum Lesen und Verwalten und zum Forschen. Sie haben also zu erstmal Bücher in der Mitte, in denen sie lesen, dann kommt die nächste Schicht Bücher und dann kommt noch eine Schicht Bücher. Also sie sind einfach in Schichten von Büchern eingesperrt, wenn man so will, man befindet sich mitten in den Büchern."

Versteckt hinter den Büchern im Lesesaal gibt es übrigens noch das letzte Relikt des alten: Die Uhr. Die Orginal-Zeiger wurden zufällig bei den Bauarbeiten gefunden.

Jens Andreae, Projektleiter Bundesbauamt
"Sie zeigen jetzt die Uhrzeit an zu der der Kuppelsaal seinerzeit im Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist."

Hier geht es also nicht nur um die Geschichten in den Büchern, sondern auch um Geschichte und zwar die der Staatsbibliothek Unter den Linden.

Autorin: Nathalie Daiber