Filmausschnitt "Der Überläufer" (Bild: rbb)
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- Buchverfilmung "Der Überläufer"

Der Wehrmachtssoldat Proska kann sich 1944 nur retten, indem er zum Feind überläuft. Die Buchverfilmung "Der Überläufer" zeigt einen jungen Mann zwischen Pflicht und Gewissen, Liebe und Verrat. 

Kriegssommer 1944 - Wehrmachtssoldat Walter Proska kehrt nach kurzem Urlaub pflichtbewusst an die Ostfront zurück und trifft auf die Frau seines Leben. Wanda, eine Polin. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber es ist eine Liebe zwischen Feinden.

"Der Überläufer" ein ARD-Zweiteiler nach dem Roman von Siegfried Lenz. Ein Roman, der Zeit seines Lebens nicht veröffentlicht wurde.

Walter kämpft mit einer Hand voll versprengter Soldaten im Niemandsland der polnischen Wälder gegen Partisanen.

Und plötzlich stehen sich Walter und Wanda wieder gegenüber. Ist Liebe stärker als Feindschaft, als ein Krieg? Für einen Moment ist sie das pure Glück.

Siegfried Lenz schreibt seinen Roman Anfang der fünfziger Jahre, der Kalte Krieg steuert gerade auf seinen Höhepunkt zu. Die Liebe zwischen einem deutschen Soldaten und einer polnischen Partisanin - was für eine ungeheuerliche Provokation! Vaterlandsverrat!

Der Verlagslektor warnt: "Ich halte es für äußerst gefährlich, diesen Roman zu publizieren. Er würde, was seine Gesinnung betrifft, scharf unter die Lupe genommen werden."

Günter Berg, Literaturagent
"Der junge Lenz war sich ganz sicher, dass er das richtige Buch geschrieben hat. Aber den Verlag zu bewegen, dass schaffte ein 25/26-Jähriger nicht. Der junge Autor hat dem Verlag einen langen Brief geschrieben. Tenor: Ja, Gott, ich kann keinen anderen Roman schreiben, außer den, den ich euch geliefert habe. Und wenn ihr ihn nicht wollt, dann tun wir ihn weg. Genau das hat er gemacht. Er hat den Roman, in einen Schnellhefter gepackt, in die Kiste gesteckt."

Als Verleger bei Hoffmann und Campe hat Günter Berg das spätere Werk von Siegfried Lenz betreut. Von dem Roman wusste er nichts, bis er ihn nach dem Tod des Schriftsteller 2014 in seinem Nachlass entdeckt. 2016 wird "Der Überläufer" ein Bestseller.

Die Liebe zu einer Partisanin ist nicht die einzige Ungeheuerlichkeit des Romans. Walter Proska gerät in russische Gefangenschaft. Und kann sein Leben nur retten, indem er an der Seite der Roten Armee gegen seine Landsleute kämpft.

Aus eigener Erfahrung wusste Siegfried Lenz, was dieser Walter Proska durchmacht. Er selbst war als standhafter Soldat in den Krieg gezogen. Erst 1944 kamen dem 18-Jährigen Zweifel. Kurz vor Kriegsende desertierte Siegfried Lenz und geriet in britische Gefangenschaft.

Siegfried Lenz, Autor
"Da gingen mir die Augen auf, in der Gefangenschaft., was in meinem Land geschehen war. Wer die Opfer waren, wessen Deutschlands sich schuldig gemacht hat."

Im Roman verliert sich die Beziehung zwischen Walter und Wanda. Der Film erzählt sie weiter. Noch einmal begegnen sich die beiden. Doch der Krieg ist stärker als ihre Liebe.

Wie soll man leben, wo kann man Leben? Der Frieden führt Walter in den Osten Deutschlands. Er wird zum Verwalter eines neuen Systems, das für ihn auf andere Art nur das Alte ist. Ein System, das sich nur selbst schützt und Menschen dafür benutzt. Walter bleibt ein prekärer Mensch in einer zerrissenen Welt.

Er wird noch einmal zum Überläufer - vom Osten in den Westen Deutschlands. Mit einer neuen Frau, die nun seine Lebensgefährtin ist. Bald erlebt Westdeutschland sein Wirtschaftswunder. Man schaut nicht mehr zurück, sondern nach vorn. Aber Walter wird seine Vergangenheit nicht los: Wanda.

Autor: Lutz Pehnert

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