Museumsführerin Monika Bordihn im Pergamon-Panorama (Bild: rbb)
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- Allein im Pergamon-Panorama

Ohne Besucher, ist die Ausstellung "Pergamon. Das Panorama" nicht das Gleiche, findet Museumsaufseherin Monika Bordihn. Sie zeigt uns ihren Arbeitstag allein im Panorama.

Morgens früh ist noch alles wie immer. Museumsaufseherin Monika Bordihn kommt zur Arbeit in die Ausstellung. Dann aber bleibt alles leer.

Monika Bordihn, Museumsaufsicht
"Wenn die Besucher da sind ist, ist die Atmosphäre schon schöner. Zumal wenn sie rauskommen aus der Ausstellung. Jetzt sagt keiner: Oh, das war schön!"

Monika Bordihn war schon immer von der Antike begeistert – das Pergamon ist also genau der richtige Ort für sie:

Monika Bordihn, Museumsaufsicht
"Das ist überhaupt kein Job, der langweilt, gar nicht. Mich erstaunt immer wieder mit welchen primitiven Mitteln, sowas schönes entstehen kann. Das man da jahrelang dran hämmert, das ist Wahnsinn. Überhaupt, die ganze Architektur, toll. Ich könnte hier noch 20 Jahre arbeiten."

Weiter geht es den Turm hinauf. Fast ganz oben ist der Knopf, um Licht und Geräusche im riesigen Panorama anzuschalten. Für Monika Bordihn ist das immer wieder ein Höhepunkt im Arbeitsalltag.

Monika Bordihn, Museumsaufsicht 
"Ich finde die Musik so toll - fantastisch."

Gerade ist sie hier ganz alleine – es sind nicht nur keine Besucher da, auch die meisten ihrer Kollegen sitzen zuhause und sind in Kurzarbeit. Das macht ihr Sorgen.

Monika Bordihn, Museumsaufsicht
"Ja, mir fehlen die Kollegen, dieser soziale Kontakt fehlt halt.
Wir haben auch immer ein bisschen gelacht und gescherzt. Jetzt kommt man hier hoch und … wenn man jetzt weiß, nächste Woche geht es wieder los, aber die Ungewissheit, wie lange bleibt es zu, wie lange müssen wir ausharren."

Seit dem 14. März ist es hier so still.

Früher hat Monika Bordihn in einer Bowlingbahn gearbeitet. Nun ist sie seit elf Jahren im Museum und weiß genau, worauf die Museumsaufsicht besonders aufpassen muss.

Monika Bordihn, Museumsaufsicht
"Es gibt ja vor den Kaufhallen Teile, wo man Geld reinsteckt, wo es dann schaukelt und wippt. Viele Kinder denken, das geht hier auch und dann muss man natürlich die Eltern darauf hinweisen, dass man nicht raufklettern und sich raufsetzen sollte. Es ist nicht nur rumstehen und alles genießen. Man hat hier doch ein bisschen zu tun."

Und das kann sie übrigens mittlerweile auch in Englisch erklären – das hat sie sich selbst für die Besucher aus aller Welt beigebracht. Auch die fehlen ihr.

Monika Bordihn, Museumsaufsicht
"Die ganzen Spanier, Italiener, Chinesen, Japaner, Franzosen, wir haben ja praktisch den ganzen Kontinent hier drinnen. Und denen kann man das jetzt halt nicht mehr vermitteln.

Es verstaubt hier irgendwie alles. Es ist keine Bewegung drinnen - nichts. Irgendwann machen wir die Türen wieder auf und dann kommt wieder leben rein."

Noch liegen die antiken Götter hier - wie in einem Dornröschen Schlaf.

Autorin: Nathalie Daiber

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