Künstler Yadegar Asisi im Pergamon-Panorama (Bild: rbb)
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- Die Entstehung des Pergamon-Panorama

Der Künstler Yadegar Asisi ist fasziniert von der Antike. Uns erzählt er, wie er das Panorama umgesetzt hat und gibt Einblicke in sein künstlerisches Schaffen. 

Yadegar Asisi, Panorama-Künstler
"Antike ist für mich nicht Antike, ich würde das eins zu eins mit heute stellen. Was sich verändert hat, sind die technischen Möglichkeiten, aber das Miteinander, wenn ich hier reingucke, ist exakt dasselbe, was wir heute haben.

Und ich merke immer, dass das den Leuten ungeheuer gut gefällt, wenn sie mich dort entdecken. Das bin ich nicht am Körper, aber der Kopf hat gepasst, die richtige Perspektive und dann setze ich mich öfters auf andere Körper. Was übrigens die Römer auch gemacht haben – die haben griechische Figuren genommen und ihre eigenen Köpfe drauf gestellt.

Was das Panorama wirklich als Faktisches behandelt, ist Pergamon im Jahre 129 nach Christus und wir sind zeugen der dionysischen Feste.

Das waren vier Tage wo das Volk völlig ausrasten durfte. Wein, Weib, Gesang und alles, was sozusagen zwischen zwei Menschen stattfinden kann.

Es gibt sehr berühmte Skulpturen, die Wissenschaft nennt es Genrefiguren, wenn sie die sehen denken sie, die leben, sie brauchen sie nur anzutippen. Es gibt eine ganz berühmte Figur, die Trunkene Alte. Hier habe ich durch eine Schauspielerin das nachspielen lassen. Ich habe mir gesagt, wie kann ich überhaupt, die Emotion einer griechischen Antike im Menschen darstellen? Woher nehme ich das Wissen, die Behauptung? Die Mimik, alles war dasselbe.

Ich war sechs, sieben Mal in Bergama. Ich mache das immer so, wenn ich mir ein neues Thema suche, dann lese ich nichts, ich lasse mich auch nicht beraten. Ich gehe erstmal rein und gucke, was mit mir selber passiert. Und ich habe dann drei, vier Tage dort gesessen, habe gezeichnet, aquarelliert, um erstmal zu begreifen, erstmal die Luft einzuatmen. Das mache ich immer so.

Ich würde sagen 50, 60, das sind gar nicht so viele. Jeder Komparse wird hier natürlich mehrfach umgekleidet. Der eine kriegt einen Bart drauf, dann sieht man ihn von hinten. Mit Obacht werden Sie hier die Komparsen wiedererkennen, die spielen alle mehr Rollen. Aber das Fantastische ist, dass man das im Wirrwarr der Geschehnisse nicht erkennt.

Das Phänomen, was man im Pergamonmuseum hat, ist, dass man diese fantastische Architektur hat, die ja fast modern ist. Und dann sieht man dieses weiße erhabene Ding in dem großen Saal des Pergamonmuseums und macht sich gar keine Gedanken, was das eigentlich war. Es war ein Altar für die Opfergabe. Vier Tage lang, bis zu 500 große Tiere wurden geschlachtet. Wie sieht dann so ein Marmor aus. Der Marmor ist dreckig, der ist nicht mehr weiß. Dieser Kontrapol zwischen archaischem, brutalem Vorgehen einer Gesellschaft und auf der anderen Seite das Philosophische – Theater, die Hochkultur überhaupt.

Als ich das erste Mal in Pergamon war - Man will, wenn man auf diesen Stufen sitzt, man will gar nicht mehr weg. Und dann wirklich, vier Tage dort zu sitzen und dann wirklich diesen Spielen beizuwohnen – das muss ein ganz, ganz großes Erlebnis gewesen sein. Das hat mich so bewegt, in diese Szenerie auch einzusteigen.

Man kriegt das eigentlich nicht im Kopf zusammen, wie kann sowas sein und sowas sein – die gleichen Menschen. Da sieht man eben auch die große Spielwiese dessen, was der Mensch denken und machen kann."

Autor: Steffen Prell

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