Im Keller der Akademie der Künste haben sich in den 1950ern Meisterschüler verewigt. (Bild: rbb)
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- Wandmalerei der DDR

In den Kellern der Akademie der Künste schlummert ein DDR-Schatz: Fünf Akademie-Meisterschüler der 50er Jahre haben heimlich ihre Kunst auf die Wände gemalt.

In der Akademie der Künste verbirgt sich im alten Keller historisches: Kunsthistorikerin Angela Lammert fand beeindruckende Wandmalereien 1989.

Angela Lammert, Kunsthistorikerin
"Der damalige Heizer, denn das war hier ein Heizungskeller im Wesentlichen, der hat uns das möglich gemacht und so konnten wir noch vor der Wende hier unten in den Keller hineingehen und haben tatsächlich dagestanden und mit dem Besen die Wandmalereien an den Wänden abgefegt."

Es sind die Meisterschüler Manfred Böttcher, Harald Metzkes, Horst Zickelbein und Ernst Schröder, die sich 1957 und 58 an den Wänden austoben. Der Anlass sind legendäre Faschingsfeste. Die Sehnsucht nach Leben in der Nachkriegszeit.

Angela Lammert, Kunsthistorikerin
"Gret Palucca die große Tänzerin, die dann in Dresden ihre große Tanzschule hatte, soll hier mit einer Tanzgruppe von jungen Tänzerinnen angekommen sein. Die lud man ein, weil es doch mehr Männer als Frauen waren, die hier Meisterschüler in der Akademie waren."

Nach der Wende werden die Wandmalereien aufwendig über Jahre restauriert. Das Bild "Gastmahl der Wilddiebe" von Harald Metzkes wird als gesamtes Mauerstück herausgehoben und hängt heute im Erdgeschoss der Akademie.

Die Faschingsmalereien und Atelierbilder der Meisterschüler sind der Beginn der sogenannten "Berliner Schule". Ein künstlerischer Aufbruch: Dunkle Töne –  feste, klare Formen – Vorbilder sind Picasso oder Charlie Chaplin. Die Künstler verstehen sich als Europäer.

Angela Lammert, Kunsthistorikerin
"Es ist die Zeit gewesen, als die Mauer noch nicht stand. Die Künstler, die hier Meisterschüler waren, waren interessiert die neorealistischen Filme zu sehen. Das machte man am Steinplatz im Westen der Stadt. Die waren aber genauso interessiert, bei Brecht in die Proben zu gehen, was sie eben hier im Ostteil der Stadt konnten. Es gab diese Verbindung zwischen Ost und West viel stärker noch, als man das heute vielleicht im Bewusstsein hat."

Die Anlehnung an die westliche Moderne passt den Kulturfunktionären der DDR nicht. Zu düster, zu abseitig.

Angela Lammert, Kunsthistorikerin
"Es war vielen zu picassoesk. Es wurde mit dem Schwarz von dem Miserabilismus gesprochen, den man bei Bernard Buffet in Frankreich oder beim Existentialismus bei anderen sah, was nicht dem staatlich gewünschten, optimistischen Menschenbild des Sozialismus sozusagen entsprach."

Die Meisterschüler werden scharf angegriffen, die kulturpolitische Debatte spitzt sich zu. Immer wieder muss die Akademie sich und ihre Schüler verteidigen, wandert stets auf dem schmalen Grat zwischen Staats-Gefälligkeit und Opposition.

Den Bilderkeller gibt es jetzt auch als Buch. Gleichzeitig ist es eine Aufarbeitung der wechselhaften Geschichte des Hauses.

Angela Lammert, Kunsthistorikerin
"Das ist das, was wir versuchen auch in dem Buch – nicht nur diese Faschingsmalereien zu verorten und zu kontextualisieren in ihrer Zeit, sondern auch zu zeigen, dass die Akademie der Künste im Osten nicht nur Schutz und Hort war, aber auch nicht die Staatsinstitution, als die sie oft verstanden worden ist."

Der Keller war ein Ort, an dem sich die Künstler frei ausleben konnten.

Autorin: Lilli Klinger

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