Die Opernsängerin Julia Shelkovskaia singt im Rahmen einer Performance per Videochat. (Bild: rbb)
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- Opernsängerin per Mail

Der Künstler Lee Mingwei macht es möglich. Weil seine Ausstellung im Gropiusbau derzeit geschlossen ist, beschenkt er sein Publikum digital mit einem Lied einer Opernsängerin. 

Wie kann man Menschen Zuversicht schenken? Zum Beispiel mit Musik - so hatte es Lee Mingwei für seine neue Ausstellung vorgesehen. Museumsdirektorin Stephanie Rosenthal zeigt uns, was der Künstler geplant hat: Hier im Gropiusbau sollte sich eine Opernsängerin unter das Publikum mischen und einzelne Gäste mit einem Lied beschenken.

Stephanie Rosenthal, Direktorin Gropiusbau
"Das funktioniert so, dass man hierher in diesen Raum geführt wird und man sich als Gast auf diesen Stuhl setzen darf und die Sängerin dann vor einem steht und ein Schubert-Lied singt."

Fremde kommen sich in einem Museum nahe? Im Moment undenkbar. 

Für Lee Mingwei ist das ein besonderes Dilemma, erklärt er uns über Skype. Er ist zu Hause in seiner Wohnung in New York.

Lee Mingwei, Künstler
(englisch) "So ziemlich alle meine Arbeiten basieren auf physischen Begegnungen zwischen Fremden. Wie soll meine Kunst jetzt funktionieren, wenn Kontaktverbote herrschen?"

Lee Mingwei hat sich etwas einfallen lassen, um die Zeit zu überbrücken, bis seine Ausstellung doch noch eröffnen kann: Die Opernsängerin, die eigentlich im Museum auftreten sollte, macht das jetzt von zu Hause.

Lee Mingwei, Künstler
(engl) "Ein Lied ist kein physisches Geschenk. Das funktioniert auch online. Für mein Projekt 'Invitation for Dawn' kann man sich auf der Website des Gropiusbaus anmelden, wenn man ein Lied geschenkt bekommen möchte."

Zum Beispiel von Julia Shelkovskaia. Seit fünf Jahren lebt die Opernsängerin in Berlin. Durch die Corona-Krise hat sie alle anderen Aufträge verloren.

Julia Shelkovskaia, Sängerin
"Ich bin sehr, sehr froh, dass dieses Projekt doch stattfindet. Das bringt mir wirklich Hoffnung, dass alles laufen kann."

Gleich wird sie per Videoanruf mit einer fremden Person verbunden. Zuversicht will sie mit einem Lied aus ihrer russischen Heimat verschenken: "Pogodi" von Tschaikowsky.

Julia Shelkovskaia, Sängerin 
"In diesem Lied geht es darum, dass das Leben eigentlich sehr kurz ist und die Zeit so schnell läuft. Aber das Wichtigste sind nur Momente mit unseren lieben Freunden, mit unserem Partner und diese Ruhemomente."

Julia Shelkovskaia ist aufgeregt. Wer sitzt wohl am anderen Ende der Webcam?

Julia Shelkovskaia, Sängerin 
"Hallo? Ich werde dann ein Lied für dich singen.""

"Pogodi" heißt "warte mal" auf Russisch - ein perfekter Titel für die Zeit des Corona-Stillstands. Lee Mingwei erlebt diese Pause in New York trotz allem auch positiv.

Lee Mingwei, Künstler
"Diese Zeit gibt uns gerade viele Möglichkeiten - um darüber nachzudenken, wie wir bisher gelebt haben und was wir in Zukunft anders machen können. So eine Chance kommt nicht oft! Also seid optimistisch und wir sehen uns dann in Berlin."

Lee Mingwei gibt die Hoffnung nicht auf, dass seine Ausstellung eines Tages eröffnet. Immerhin hat er für den Gropiusbau das größte Kunstwerk seiner Karriere geschaffen: ein riesiges Gemälde aus Sand, inspiriert von Picassos Kriegsbild "Guernica".

Stephanie Rosenthal, Direktorin Gropiusbau
"Er hat sehr stark darüber nachgedacht, dass Zerstörung und schwierige Zeiten auch immer in eine positive Energie umgewandelt werden können. So ist das eben im Moment eine sehr sinnstiftende und wichtige Arbeit für unsere Zeit."

 

Autorin: Anne Kohlick

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