Viele Veranstaltungsplakate werden mit Hinweisen "Abgesagt" überklebt auf Grund der Corona-Situation. (Bild: rbb)
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- Ein halbes Jahr Grundeinkommen

Modedesignerin Tonia Merz hat eine Petition für ein sechs-monatiges Grundeinkommen aufgesetzt, denn viele kommen gerade auch mit Soforthilfen nicht über die Runden. 

An den Theaterhäusern sind die Schotten dicht. Erinnerungen aus einer fernen Zeit künden vom alten Bühnenleben. Wie lange geht das noch so? Das weiß kein Mensch.

Veranstaltungen, die nicht stattfinden. Plakate, die von einem Leben erzählen, dass uns in diesem Jahr vorenthalten wird. Die Stadt lebt von ihren Shows und von Künstlern, die jetzt von den Bühnen verschwunden sind.

Und für die Ermutigung braucht es Künstler wie die Band Tocotronic, heute, wie morgen. Sie sind für die Gemeinschaft gerade sehr aktiv – online eben, mit Konzerten und Aktionen aus den Wohn- und Werkstätten.

Dem Maler Alexander Iskin kann man über Wochen beim Arbeiten zusehen, dass alle Künstler alles umsonst machen und am Ende bankrott sind, kann nicht die Lösung sein.

Tonia Merz ist Modedesignerin, ihr Spezialgebiet Korsetts in Maßanfertigung, aktuell ist sie umgeschwenkt auf ein ganz anderes Feld.

Tonia Merz, Modedesignerin
"Ich war bis jetzt in meinem Leben zwar politisch interessiert, aber war weder Aktivistin, noch habe ich mich besonders stark für das Grundeinkommen engagiert, ich war immer Sympathisantin der Grundeinkommensidee."

Statt Hilfskrediten und Soforthilfen soll es "mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise" gehen. Mit ihrer Petition sorgt Tonia Merz für Aufsehen, fast eine halbe Million Menschen hat schon unterschrieben. Existenzängste haben gerade sehr viele. Tonia Merz hat fünf Angestellte. Wie sie ihre Korsettmanufaktur durch die Krise bringt, weiß sie nicht. Korsetts am Körper anpassen ist gerade ein No-Go. Jetzt schneidert sie Masken.

Die Soforthilfe der Investitionsbank Berlin war zwar auch für sie wertvoll, allerdings ein Schnellschuss mit Fallstricken.

Tonia Merz, Modedesignerin
"Es sind so viele Unsicherheiten und Fragen zu beantworten nachdem das Geld auf den Konten war, eigentlich von der IBB.
[Anm. d. Red.: Investitionsbank Berlin] Ich weiß auch schon die ersten Leute, die das Geld wieder zurück überweisen, vor lauter Angst sich jetzt strafbar zu machen."

Diese Unklarheiten könnte ein Grundeinkommen auflösen. Adrienne Goehler ist schon lange Aktivistin. Die Publizistin findet, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt sei, das Modell auszuprobieren. "Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung braucht Grundeinkommen", heißt ihr kurz vor Corona erschienenes Buch.

Adrienne Goehler, Publizistin
"Ein Grundauskommen würde auch jetzt den Leuten in der Krise, über die Krise hinaus, die Idee geben können: Will ich eigentlich so weiterleben? Will ich in diesem Hamsterrad sitzen? Möchte ich dieses unglaublich beschleunigte Leben haben?"

Platz lassen für Kreativität ohne den Druck zu Effizienz. Jetzt könne die erzwungene Entschleunigung produktiv genutzt und den Menschen mit einem Grundeinkommen die Existenzangst genommen werden. Kreative sind ja selten Großgrundbesitzer.

Adrienne Goehler, Publizistin
"Es ist jetzt eine Weichenstellung. Es gibt sehr viele Anzeichen, dass Leute sagen: aber, back to the normal? Nee, also, tut mir leid, das will ich wirklich nicht mehr haben!"

In dieser Ausnahmesituation sollten wir alle im besten Falle nicht nur warten bis es vorbei ist, sondern die Diskussion über soziale Gerechtigkeit und andere Modelle am Laufen halten!

Tonia Merz, Modedesignerin
"Ich denke auch, dass die Krise gerade zeigt, dass unsere Gesellschaft eine Veränderung braucht, an vielen Stellen und dass das System mit dem wir seit den 80ern eigentlich leben und im puren Kapitalismus irgendwie doch nicht auf Dauer die einzige und richtige Lösung ist und ein Grundeinkommen wäre ein Schritt in die Richtung!"

Auch und gerade mit Tonia Merz' Petition lässt sich die Krise als ein offenes Fenster betrachten, um jetzt Dinge auszuprobieren, die sonst unmöglich scheinen.

Autor: Sascha Hilpert

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